esyoil-Logo Heizöl-Aktuell: Ölpreis ist fremdbestimmt

Ölpreis ist fremdbestimmt

Ein Kommentar von Klaus Bergmann (Geschäftsführer)

Markteinflüsse unter ferner liefen.

Der Ölpreis befindet sich in einem schwachen Aufwärtstrend. Da gehört er unter fundamentaler Sicht nicht hin, denn der Markt ist überversorgt. Der Preis würdigt aber nicht die Versorgungslage, sondern die Positionierung von Spielern im Finanzroulette. Statt auf Rot oder Schwarz setzt man bei diesem Spiel auf steigende Ölpreise oder fallende Ölpreise. Dass Öl im Spiel ist, ist Zufall und ein misslicher Umstand. Man könnte auch auf die Katzenpopulation Roms setzen. Misslich ist der Umstand, weil die preislichen Auswirkungen eines Spiels mit wenigen Akteuren den größten Teil der Weltbevölkerung betreffen. Die Akteure verfügen über enorme Finanzmittel, die oft nicht mal Eigenmittel sind. Heute werden stärkere Ölpreisbewegungen erwartet. Diese stehen nicht im Zusammenhang mit Berichten vom Ölmarkt, sondern vom Arbeitsmarkt in den USA. Weitere Einflüsse auf die Ölpreiswette stammen aus Konjunktureinschätzungen und aus der Dollarentwicklung. Diese wiederum hängt am derzeit sehr attraktiven Spiel um mögliche Staatspleiten einiger Euroländer. Aus dem Ölmarkt selbst kommt schließlich doch ein Impuls. Die OPEC scheint die Exporte ein wenig gedrosselt zu haben. Die pure Meldung ohne den Gesamtkontext des Ölmarkts wirkt bullisch.

preistreibende (bullische) Einflüsse:
Spekulanten wollen hohen Ölpreis
OPEC-Exporte sinken geringfügig
Finanzhilfen für notleidendes Griechenland in Aussicht gestellt
Atomstreit mit dem Iran
IEA und OPEC sehen Nachfragebelebung in 2010

preisdrückende (bärische) Einflüsse:
Sorge um Stabilität des Finanzsystems
OPEC liefert zuviel Öl
Heizölschwemme
Schwache Nachfrage in alten Industrieländern
China strafft Geldpolitik

Unsere Heizölpreise ziehen seitwärts. Ölpreis- und Dollarentwicklung neutralisieren sich derzeit. Insgesamt ist die Lage am Ölmarkt stabil. Sie sollte tiefere Preise bewirken. Das tut sie aber nicht, weil die Finanzindustrie Öltitel für eigene Zwecke vereinnahmt. Natürlich können auch dabei fallende Preise herauskommen. Das könnte in den kommenden Tagen sogar wieder geschehen. Der Verlauf wird aber mit Sicherheit nicht den Gegebenheiten von Angebot und Nachfrage entsprechen. Wirklich sinken werden die Preise erst, wenn die Finanzindustrie die nächste Krise erlebt. Bis dahin wird man als Verbraucher mit dem Auf und Ab einer Seitwärtsbewegung zufrieden sein müssen. Finanzspekulanten wollen sogar die Aufwärtsbewegung. Sparaussichten durch Warten auf tiefere Preise sind also nicht berauschend. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Leser-Kommentare

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  • Dr. Karl aus Koblenz

    "Man könnte auch auf die Katzenpopulation Roms setzen." *grins* Sehr geehrter Herr Bergmann, Ihre Kommentare sind nicht nur analytisch brillant, sondern auch unterhaltsam. Schönes Wochenende.

  • Avor

    Es ist wichtig, immer wieder auf die Folgen dieser ausufernden Finanzspekulation hinzuweisen! Allgemein und nicht nur in Sachen Öl. Dass Sie das tun in einer Form, die sogar ich als wirtschaftspolitischer Laie verstehe, ist höchst erfreulich. Wenig erfreulich ist aber, dass sich der Schaden, den diese, mit viel Geld ausgestatteten Akteure anrichten, von der Politik nur halbherzig zur Kenntnis genommen wird. Hierzulande ist kein Interesse sichtbar, Präsident Obama beim Bekämpfen dieser Seuche zu helfen. Wen wundert es, wenn der Eindruck entstehen muss dass unsere, vom Volk gewählte Regierung überhaupt nicht regieren kann, sondern selbst regiert wird. Von Banken und Lobbyisten zum eigenen, sicherlich nicht zum Wohle des gesamten Volkes.

    Es mag hoffnungslos erscheinen, eine von Geld angerichtete Seuche bei solchen Konstellationen wirkungsvoll zu bekämpfen. Aber ich bin überzeugt, dass Ihre täglichen Kommentare von immer mehr Leuten gelesen werden und eines Tages auch ihre Wirkung zeigen. Wenn die Politik versagt, muss der Ruf nach Veränderungen aus dem Volke kommen, so wie es in einer funktionierenden Demokratie üblich sein sollte.

  • Berwi

    Wo ist die Marktwirtschaft geblieben? Denn alles was sich zur Zeit abspielt, hat doch damit nichts mehr zu tun - oder ?
    Angebot und Nachfrage und das Verhältnis Euro/Dollar - das war einmal.

  • Joerg a.d.Heide

    Vielleicht sollte man mal Ross und Reiter , dh. Staaten , Institutionen und Banken nennen, die
    für diese schwachsinnige,menschenverachtende
    Politik verantwortlich sind und Ihnen die Handelslizenzen an den Börsen entziehen oder endlich die FINANZTRANSAKTIONSSTEUER einführen.Dann können diese Herren in den Wettbüros meinetwegen auch auf die Katzenpopulation Roms setzen.

  • wolfgang

    Die Finanzindustrie ist nicht lernfähig und zerstört mit ihrem Gebaren das zarte Pflänzchen eines Aufschwungs aus einer Krise, die sie selbst verursacht hat. Vieleicht sollte man solche eine Industrie vorübergehend doch sehr eng an die staatliche Kandarre nehmen und v.a. die Verantwortlichen (Verantwortungslosen) bestrafen.

  • Robert aus Berlin

    Je hochmütiger die Mächtigen agieren, um so ohn(e)mächtiger werden Sie nach Ihrem Fall.
    Was das an Wirklichkeit bewirkt, hat jeder Ostdeutsche schon erlebt.In diesem Sinne wünscht man doch gerne einen GUTEN FLUG.
    Wenn da bei der Entsorgung der Arroganten nur nicht die vielen Risiken, Nebenwirkungen und Weltwirtschaftskrisen zu beachten wären.

    Danke esyoil für die tollen Tageskommentare :-)

  • witok

    @avor: AUFWACHEN !!!
    Ist dir nicht klar, dass die Welt in der Hand einiger absolut-mächtigen Clans aufgeteilt ist ? Politiker, von diesen Mächten selektiert, werden uns als Auswahl präsentiert und schon glauben die Michel dieser Welt, sie hätten demokratisch die Wahl. HaHa. Wir bestimmen nur, welche Marionette uns diesmal in deren Namen näher an den Wirtschaftlich-Gesundheitlich-Freiheitlich-Moralisch- Religiösen Abgrund führt.
    11.3.2009 Winnenden: Es ist noch nicht ermittelt, wer hier unter Mithilfe des Bad.Württemb.-Staatsapperat mindestens 16 Menschen töten liess.
    ÖLPREIS ??? Wenn Du Öl brauchst und Geld hast - kaufe. Noch dieses Jahr kommt der globale Finanzcrash. Da wirds ne Weile drunter und drunterer gehen. Was wir dann zu welchem Preis - wenn überhaupt - noch bekommen können ???
    Ein voller Tank gibt da ein klein wenig Sicherheit.
    Nutzt die Zeit und euer Geld um vorzusorgen.
    witok

  • Schrott Ernst

    Das der Preis nicht mehr von Angebot und Nachfrage bestimmt wird ist eine Behauptung die eigentlich haltlos ist. Schon immer in der Menschheitsgeschichte gabs die Spekulation, sie wird von den meisten Menschen verteufelt, das hilft aber nicht. Man wird die Spekulation nie ausrotten können, das hat man in der Geschichte schon so oft versucht, es ist immer gescheitert und es wird auch immer scheitern. Und nur nebenbei: sind wir nicht in einem gewissen Sinn alle Spekulanten und auch gierig, wir versuchen für uns den billigsten Preis zu erzielen (Spekulation), wir kriegen auch nicht so schnell genug, um so mehr wir haben um so mehr wollen wir haben. Es sind nicht nur die anderen die böse sind, wir alle sind es.

  • Werner Seitz

    Die Zunahme von Kommentaren auf der esyoil-Seite zeigt, dass immer mehr Menschen Ihre eigene Betroffenheit von den Machenschaften der Finanz-Casinos erkennen. Dem Erkennen muss aber folgen, dass die Bürger auf Ihre Politiker einwirken, damit endlich die nach der Finanzkrise angekündigte Regulierung der Finanzmärkte national, europäisch und international in Gang kommt.
    Dabei hilft es wenig, im Büßergewand zu verharren, weil wir ja alle irgendwie ein wenig gierig sind (Kommentar von Schrott Ernst), oder fatalistisch auf die Katastrophe aufgrund irgendwelcher Verschwörungstheorien zu warten (Kommentar von witok), nein, politisches Engagement ist gefragt.
    Dass eigene Betroffenheit am ehesten zu Aktivität führt, und das Hoffnung macht, zeigte sich in der vergangenen Woche ja auch auf Regierungsebene aufgrund der Euro-Griechenland-Krise. Herr Bergmann fragte am 2.3. zurecht, ob Frau Merkel noch wüßte, wovor sie selbst vor der Finanzkrise 2008 gewarnt hätte. Ich glaube, síe hat sich jetzt wieder erinnert, da sie gegen die Spekulation gegen Griechenland wettert. Ich glaube nach ihren Äußerungen, dass sie - obwohl sie als Physikerin finanzpolitischer Laie ist - sogar weiß, was "credit default swaps (CDS)" (vereinfacht: Kreditversicherungen) sind, die 2008 maßgeblich zum Finanzcrash beigetragen haben. Und genau diese "Finanzprodukte" (wenn ich diesen Begriff schon höre, oder "Finanzinnovationen", sträuben sich mir schon die Haare) spielen jetzt bei Griechenland schon wieder eine Hauptrolle. Frau Merkel hat die Gefahr wohl erkannt und ist als Regierung und Mithüterin des Euro wohl auch betroffen, da darf man schon hoffen, dass die Betroffenheit auch Regulierungsaktivität fördert.
    Es gibt noch mehr Hoffnungsschimmer, denn immerhin will die Bafin die gerade erst wieder freigegebenen Leerverkäufe von Aktien ab Ende des Monats wieder beschränken.
    Aber diese Hoffnungen werden nur befördert, wenn "von unten" immer mehr Druck aufgebaut wird, und dazu kann jeder Bürger beitragen.

  • Schrott Ernst

    Menschen brauchen Sündenböcke, wer eignet sich nicht besser als Banker und die Finanzwirtschaft im allgemeinen dafür?

    Die wirklich Schuldigen sind aber:
    Die amerikanischen Politiker die durch den Erlass von Gesetzen den Kauf von Immobilien für jedermann ermöglicht hat, auch von Mittellosen, angefangen hat dies mit Charter, und dann später von Clinton noch ausgebaut zu werden. Dass ein solches System langfristig zum Kollaps führen muss versteht sich von selbst, es ist mir schleierhaft wie diese Politiker das tun konnten.
    An zweiter Stelle sehe ich dann die Ratingagenturen, sie halfen die faulen Papiere zu verbriefen und bewerteten diese faulen Verbriefungen wissentlich viel zu hoch.
    An dritter Stelle sehe ich die Notenbanken und Aufsichtbehörden, sie liesen diese Papiere zu, sie drückten beide Augen zu, unverantwortlich.

    Die Banken und sonstigen Akteure im Finanzsystem arbeiteten mit den Papieren die zugelassen wurden, so wie es eben immer ist. Das Volk verteufelt die Banker und das Finanzsystem, ihre Analyse ist aber falsch.


  • Gerhard

    Vielleicht kann mich jemand aufklären:
    Durch den Finanzcrash, verursacht durch Spekulationen durch Banken, mußten Staaten zur Stützung von Banken zig-Milliarden Kredite aufnehmen und dafür Zinsen bezahlen.
    Wo werden denn diese Kredite aufgenommen?
    Etwa wiederum bei Banken die für die Finanzkrise verantwortlich waren bzw. von den Staaten vor dem Zusammenbruch gestützt wurden?

  • Schrott Ernst

    Also die Behauptung dass die Finanzkrise durch die Spekulation der Banken verursacht worden ist ist nicht treffend, die Finanzkrise hatte Ihre Ursache bei den faulen Papieren die die Immobilienbranche in Amerika hervorbrachte.

    Das Geld das die Staaten für die Stützung (es waren zum grössten Teil Garantien, also nicht Geld das die Banken direkt bekamen - von Ausnahmen mal abgesehen) bekamen leihen sich die Statten eben über Anleihen, die sogenannten Staatsanleihen oder Bonds, so wie es eben die Staaten schon seid Jahrhunderten tun.

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