Spekulanten schauen wieder auf Öl
Die Finanzwelt will höhere Ölpreise sehen. Goldman & Sachs wirbt für entsprechende Investments. Die Preischarts für Rohöl der Sorte Brent, für Gas Oil (Europa) und für Heating Oil (USA) fiebern dem langfristigen Aufwärtstrend entgegen. Lediglich Rohöl der Sorte WTI (West Texas Intermediate) fällt aus dem Rahmen. Sein Auslieferungslager in Cushing Oklahoma ist gut gefüllt. Das wird bis Ende Mai so bleiben. Danach kann das Öl durch eine Pipeline zur Südküste der USA abfließen und von dort in die Welt verschifft werden. Die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI wird dann verschwinden. Der Angleichungsprozess wird den WTI-Preis stärker nach oben als den Brent-Preis nach unten ziehen.
Noch wird die neue Spekulationslust auf Öl zurückhaltend ausgelebt. Die Unsicherheit zum Geld- und Finanzsystem lässt Investoren zaudern. Jeder Tag, der ohne apokalyptische Äußerungen über den Fortgang der Finanzwelt vorübergeht, dämpft die Sorgen und fördert die Gier. Die Tatsache, dass der Zusammenbruch des Systems mittlerweile selbst bei einer Pleite Griechenlands nicht mehr befürchtet wird, zeugt vom Aufwind, den die alten Spekulationsgeister spüren. Substanziell hat sich selbstverständlich nichts geändert. Deshalb ist die Zockerei mehr denn je ein Spiel mit dem Feuer auf dem Pulverfass.
Beim Öl wird dieses Spiel durch diverse geopolitische Unruheherde und durch das Wissen um knappe Ressourcen befruchtet. Das Angebot, das derzeit unproblematisch ist, kann jederzeit in Knappheit umschlagen. Der Mangel ist grundsätzlich die wahrscheinlichere Alternative als der Überfluss. Für die globale Versorgung ist selbst ein so bemerkenswerter Umstand wie der Nachfragerückgang in den USA kein Entwarnungssignal mehr.
Die jüngsten Daten aus den US-Tanklagern belegen diesen Rückgang. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) melden unisono gestiegene Produktenvorräte. Die müssen nun über Exporte abgesteuert werden. Die Rohölversorgung beschreiben die berichtenden Institutionen allerdings unterschiedlich. Die Zahlen lauten wie folgt:
Rohöl: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,4 Mio. Barrel (API)
In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,1 (DOE) bzw. 0,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist zwar auf 83 Prozent gestiegen. Der Wert ist gleichwohl weiterhin schwach. Die Gesamtbestände sind vier Prozent geringer als vor einem Jahr.
Heute Morgen lässt sich den Ölnotierungen noch nicht entlocken, wo die Preisreise hinführen soll. Es herrscht vornehme Zurückhaltung in einem fiebernden Markt. Anders sieht es beim Dollar aus. Der wird entgegen unserer Erwartungen abgewertet. Die Eurokrise verschwindet ohne ihre Lösung aus den Köpfen der Finanzszene. Die Tonne Gasöl kostet 1.010 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,03 Dollar und in London zu 117,46 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,30 Eurocent.
Unsere Heizölpreise ziehen weiter an. Dieser Umstand ist weniger dem Finanzzirkus als den Verhältnissen im Binnenmarkt geschuldet. Die kalten Temperaturen im Allgemeinen, das Raffinerieproblem in Bayern im Speziellen und ungewöhnlich viele Leerstände in den Verbrauchertanks treiben die Preise deutlich über die übliche Relation zu den Weltmarktpreisen. Hier ist keine Finanzspekulation im Spiel. Hier regieren Angebot und Nachfrage. Selbst wenn man die gigantisch anmutenden Gewinne von Ölkonzernen zu Gunsten der Verbraucher auflösen würde, hätte das höchstens einen Rückgang von rund fünf Prozent des Heizölpreises zur Folge. Das ist ungefähr die Differenz, die seit dem vergangenen Wochenende aufgelaufen ist. Derzeit ist keine Entlastung für die Heizölpreise in Sicht. Sie werden ihrem Aufwärtstrend folgen. Der bietet immerhin eine typische Spanne für etwas tiefere Preise an. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.
- 9. Februar 2012
Leser-Kommentare
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schrieb am Donnerstag, 9. Februar 2012 - 9:59 Uhr:
1996 bezahlte ich für 3000 Liter 1500€, heute soll ich 2750€ zahlen.
Das ist eine Preissteigerung in 6 Jahren von über 80% !!! Egal was hier für Gründe aufgeführt werden, es ist eine Frechheit was hier passiert. Mir fällt da nichts mehr ein, ich spüre nur noch Zorn in mir !
Ich gehe sparsam um, vergeude nix,
aber ich muss heizen um zu überleben. -
schrieb am Donnerstag, 9. Februar 2012 - 11:36 Uhr:
sorry 2006 muss es heissen
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schrieb am Donnerstag, 9. Februar 2012 - 13:15 Uhr:
Herrn Bergmanns Kommentare sind nach wie vor lesenswert, doch sie werden immer beängstigender und ich traue mich schon gar nicht mehr, sie zu Ende zu lesen. Auch die Charts schaue ich mir nicht mehr an. Die Hoffnung schwindet, in Zukunft sich noch ein warmes Zuhause leisten zu können. Zum Trost wird ein Peilstab angeboten, mit dem man sich überzeugen kann, dass der Tank tatsächlich leer wird. Er ist nicht teuer, deshalb besitze ich ihn seit Jahren und bewundere seine unbarmherzige Genauigkeit, die mir ermöglicht, ganz schnell im Kopf auszurechnen, was jeder Zentimeter weniger Öl kostet, wenn die Ölpreise so bleiben würden wie sie sind. Das aber wird nicht sein weil es nicht sein darf.
Herr Bergmann glaubt offenbar auch nicht mehr an sinkende Preise. Er hat Ahnung von den Zusammenhängen und kann das Spiel der Kräfte sehr wohl einschätzen. Die Macht des Geldes wird dieses Spiel entscheiden und wer es hat, der wird Gewinner sein ohne auf die Ohnmacht der anderen Rücksicht nehmen zu müssen. Das ist kriminell und dagegen gibt es Gesetze, doch niemand traut sich sie anzuwenden. Wen muss es dann wundern, wenn die bekannten Großgeldvermehrer in eigener Sache auf Kosten anderer ebenso gierige Nachahmer finden? Denen können die Meldungen, dass Öl in Zukunft knapp wird nur gelegen sein, weil sich Meldungen wirksam ausschmücken lassen, so wie man sie braucht. Man kann auch Horrormeldungen erfinden und als Gerüchte in die Welt setzen um Angst zu schüren. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Dass Rohöl wie andere Rohstoffe nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, weiß man, seit nach Öl gebohrt wird. Trotzdem waren die Preise für Benzin und Heizöl viele Jahre lang moderat und die Konzerne machten trotzdem Riesengewinne. Das Öl war seit jeher der Motor für das Wirtschaftswachstum
und alle profitierten davon, auch die Arbeiter und Normalverdiener. Sie konnten sich wenigstens ein warmes Zuhause leisten.
Jetzt plötzlich machen die Öl-Akteure in Panik und treiben innerhalb eines Jahrzehnts die Preise um das vierfache in die Höhe weil die Quellen nicht mehr sprudeln und kurz vor dem Versiegen sind, sagen sie. Wir sollen es glauben. Haben die Ölbohrer und Geologen jahrzehntelang geschlafen und nicht gesehen wie schlimm es mit der Ölversorgung steht? Dass die Menschheit wächst und mehr Öl gebraucht wird, das weiß man auch nicht erst seit heute. Für mich ist die Panik hausgemacht, um die unverschämten Wucherpreise zu rechtfertigen. Alle machen mit und kassieren ab. Auch den staatlichen Steuereinnehmern kommt es sehr gelegen, dass die Verbraucher jetzt noch mehr bluten müssen. Ein nicht sehr intelligenter Politiker, aber mit Herz für seine Wähler soll einmal gesagt haben, hohe Steuereinnahmen kämen ja uns, den Verbrauchern indirekt wieder zugute. worauf alle, Täter und Opfer wieder glücklich und zufrieden ihren Geschäften nachgingen. Ein Gerücht, über das man nachdenken sollte.
Was ist zu tun? Fachleute bieten ihre Hilfen an, aber die kosten viel Geld. Wir können die Bauwirtschaft ankurbeln und unsere Häuser hermetisch abdichten lassen, dann werden auch andere Witschaftszweige wie die Elektroindustrie oder die Stromversorger an dieser gut gemeinten, aber nicht zu Ende gedachter Idee verdienen. Wenn sich nämlich Feuchtigkeit und Schimmel in den Häusern ausbreitet, dann werden Raumentfeuchter gebraucht und die gibt es schon in allen Größen für alle Räume. Aber die kosten viel Geld und den Strom, den sie verbrauchen kriegt man auch nicht umsonst. Wo ist da ein Spareffekt zu erkennen? Industrie und Staat sind wieder die Gewinner. Auch die Pharmaindustrie wird nicht zu kurz kommen. Egal wie man sich entscheidet , frierende Menschen werden krank und Moder und Schimmel sind auch nicht gesundheitsfördernd. Es wäre die Pflicht der Politik, das zu verhindern, aber Bankn zu retten ist attraktiver als Menschen zu helfen.
Was erzählt man dem normalverdienenden Familienvater, der sein Haus mit seinen letzten Ersparnissen hat abdichten lassen und das Geld alle ist,
der Öltank noch leer und der Mann mit dem Kuckuck vor der der Türe steht? Soll er sich jetzt an den neuen Styroporplatten wärmen, die das Haus verschönern und größer machen oder hätte er für das Geld doch lieber Heizöl kaufen sollen, egal für welchen Preis? Der beste Rat wird bei diesen Aussichten sein, den Ölbrenner samt dem Tank schnellstens hinauswerfen und mit Holz heizen in der vagen Hoffnung, dass die erfinderischen Finanzjongleure nicht auch noch über unsere Wälder herfallen. Dort gibt es närmlich nicht nur Holz, mit dem man spekulieren und Money machen kann. Gegen Bezahlung kann auch die Schonzeit für Hirsche, Hasen und Rehe gerne abgeschafft werden. Wem das alles nicht gefällt, der darf die nördliche Halbkugel verlassen und in eine wärmere Gegend auswandern -
schrieb am Donnerstag, 9. Februar 2012 - 13:36 Uhr:
Nun, bei der Preissteigerung hat sich dann ein ergänzender Kaminofen im Wohnzimmer mit zusätzlicher Unterstützung des Warmwassers doch schnell bezahlt gemacht ... Mittelfristig muss der Verbauch runter, langfristig muss man einfach weg von diesem Brennstoff.
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schrieb am Donnerstag, 9. Februar 2012 - 16:30 Uhr:
Bei den Preisen kann man sich bald auch das Heizoil in Kanistern an der Tanke holen.......wenn ich doch nur wüsste wo man sich Heizoil "Wulffen" könnte....
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schrieb am Donnerstag, 9. Februar 2012 - 16:58 Uhr:
So isses, Björn- auch Holz wächst nämlich nicht unbegrenzt auf diesem Planeten.
Letztes Jahr sind wir 7 Milliarden geworden, 2025 sollen's 9 sein...
Was die vorigen Verschwörungstheorien betrifft- erste Warnungen gab's ungefähr ab den 60ern (Suchwort Hubbert's Peak"); Daß diese nicht von heutigen demokratischen Politikern realisiert werden- dasliegt an deren Wählern, die sie abstrafen, sobald sie es wagen, ihren Wählern (Verbrauchs)Beschränkungen aufzuerlegen; s.a.
"Standpunkt: Die Vogel-Strauß-Energiepolitik"
http://www.mainpost.de/ueberregional/politik/zeitg...98,6492125 -
schrieb am Donnerstag, 9. Februar 2012 - 17:22 Uhr:
Genauso mach ich's auch: Zuerst waren meine Kaminöfen nur für kuschelige Optik und Gemütlichkeit da. Bei diesen Ölpreisen heize ich sie ständig durch.
Ergebnis: von sonst 3000 Litern Ölverbrauch pro Jahr liege ich in dieser Saison bis jetzt bei 600 Litern.
Bis zum Ende werden es wohl nochmal 600 sein.
Fazit: Öl als Brennstoff ist schon OK, ich werde allerdings in der kommenden Saison noch eine vollwertige zusätzliche Heizquelle installieren um flexibel zu sein..... -
schrieb am Donnerstag, 9. Februar 2012 - 19:58 Uhr:
@Björn: Aber dann wohl auch am Filter gespart und die Umwelt mit krebserregendem Feinstaub verpesten. Denn davon will unsere Politik nichts wissen, die Schuld am Feinstaubproblem liegt alleinig beim Auto, nicht bei den massenhaft wuchernden Feinstaubschleuder welche die Häuser "günstig" heizen sollen. Bevor man hier wirklich etwas unternimmt streicht man lieber erst mal die gelbe Plakette.
PS: Ich selbst habe nur Benziner, habe aber Mitleid mit den Dieselfahrer die sich kein neues Fahrzeug mit grüner Plakette leisten können und nur unter dem Schw... mit der Feinstaubplakette leiden müssen. -
schrieb am Donnerstag, 9. Februar 2012 - 20:58 Uhr:
Die Ölpreise passen zum Weltgeschehen. Wo man hinschaut nur noch zum kotzen. Was für Vorbilder gegenüber unseren Kindern.