Von der Freiheit die Preise hochzutreiben
Einschränkungen werden bisweilen zur Pflicht.
Nichts Neues am Ölmarkt. Das Handelsinteresse ist dünn. Die Preise befinden sich in einem kurzfristigen Aufwärtstrend, der wenig spektakulär verläuft und doch bemerkenswert ist, weil er losgelöst vom fundamentalen Marktgeschehen stattfindet. Der Grund ist hinlänglich bekannt. Banken, Hedge- und Pensionsfonds missbrauchen den Ölmarkt für Spekulationsgeschäfte. Solange die Preise bei diesen Geschäften steigen, sind Ölgesellschaften und Förderländer Begünstigte des Geschehens. Sie könnten die Gewinne einstreichen und schweigen. Sie schweigen indes nicht. Aus einigen Führungskreisen ist Kritik zu hören. Die jüngste Äußerung stammt von Shell-Chef Peter Voser. Während sich Verbraucher über hohe Preise ärgern, plagt Ölunternehmen die Uneinschätzbarkeit der Preisbildung. Das wirkt sich negativ auf Investitionen aus. Realwirtschaftliche Zusammenhänge, die über Angebot und Nachfrage zu Preiseinschätzungen führen, sind schwierig zu erfassen. Aber Ökonomen des Ölmarkts trauen sich das in einer für Planungen hinreichenden Genauigkeit zu. Indem die Preise durch Spekulationsgeschäfte der kapitalschweren Finanzindustrie verzerrt werden, reißt die gewohnte Planungssicherheit ab. Manager neigen dazu, die sichere Position einzunehmen. Und die ist im Zweifel ebenfalls mit Geld zu spekulieren statt es zu investieren.
Die Bildungssysteme der Industrieländer bringen seit Jahren mehr Fachleute hervor, die sich auf Erfindungen für die Finanzindustrie verstehen als auf Erfindungen, aus denen sich Arbeit und Wohlergehen der breiten Bevölkerung schaffen lassen. Solange die Grundlage für eine Fehlausrichtung nicht geändert wird, wird sich die Fehlausrichtung fortsetzen. In anderen Worten, wenn eine Gesellschaft einen Schwerpunkt auf die Ausbildung kampfbereiter Soldaten legt, wird sie Krieg führen müssen, um diese Ausbildung zu rechtfertigen. Den Soldaten kann man das nicht zum Vorwurf machen. Hochintelligenten aber einseitig programmierten Finanzjongleuren die Schuld an Finanzkrisen zu geben, führt auf der Suche nach einer menschenwürdigen Ausrichtung moderner Gesellschaften nicht weiter. Hier liegt ohne Zweifel Fehlverhalten vor. Das Abzustellen ist aber nicht allein Sache der sich Fehlverhaltenden, sondern der ganzen Gesellschaft.
Nach Jahren freien und weitgehend unreglementierten Experimentierens mit dem Finanzsystem, das anfänglich durchaus positive Ergebnisse brachte, scheint nun der Zenit des allgemeinnützlichen Erfolgs überschritten zu sein. Man sollte die Freiheit beenden und diese stattdessen anderen gesellschaftlichen Bereichen geben. Dort, wo Freiheit herrscht, sind Menschen erfinderisch. Man darf hoffen, dass die Erfindungsgabe zur raschen Fortentwicklung führt, die der Menschheit dient. In der Anfangszeit neuer Freiheiten entstehen oft positive Gesellschaftsströmungen. Im weiteren Verlauf erhöht sich die Komplexität freier Systeme. Das führt nach und nach zum Ausschluss vieler Teilnehmer, weil sie den intellektuellen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Am Ende der Entwicklung kommt es zur Machtübernahme durch spezialisierte Eliten. Das ist dann der Punkt, an dem die Freiheit der Betätigung abgeschafft werden muss. Dann, wie gesagt, sollte sie in einem anderen gesellschaftlichen Feld neu beginnen. Die Beendigung von Freiheit löst aufgebaute Komplexität auf. Ein unfreies System ist ein einfaches System, indem sich Menschen leicht zurechtfinden. Die Energiewirtschaft ist übrigens ebenfalls ein System, in dem spezialisierte Eliten das Kommando übernommen haben. Demokratische Spielregeln sind dort weitgehend ausgeschaltet. Diese Aussage gilt ausdrücklich nicht für das Endverbrauchergeschäft mit Heizöl. Hier gibt es viele gleichberechtigte Wettbewerber.
Der Ruf nach Abbau von Freiheiten im Finanzsystem kommt übrigens auch aus dem Inneren dieses Systems selbst. Managern, Wissenschaftlern und Regierungsvertretern ist durchaus bewusst, dass sie nur durch Reduzierung von Freiheit und damit von Komplexität zu einer angemessenen Stabilität zurückfinden können. Statt sich um die Frage nach Schuldigen von Krisen zu kümmern, sollte der Abbau von Freiheiten mutig angegangen werden. Die größte Behinderung in diesem Zusammenhang ist eine überkommene neoliberale Debattenführung, die Freiheit selbst zur obersten Maxime erklärt.
Eine Diskussion über Grenzen von Freiheit ist derzeit allemal spannender als der Ölmarkt und die Preisbildung. Die ist heute Morgen geradezu langweilig. Die Preise dümpeln seitwärts. Etwas anderes ist momentan nicht in Sicht. Die Tonne Gasöl kostet 648 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 81,83 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,41 Eurocent gehandelt.
Unsere Heizölpreise legten gestern abermals zu. Auf die letzten zwölf Monate gesehen beschreiben sie eine schwingende Aufwärtsbewegung. Sie haben ein neues Hoch markiert. Dem Trend folgend müssten sie in den nächsten Tagen nachgeben. Das würde auch der fundamentalen Marktlage entsprechen. Dass Finanzjongleure die nötige Angst für die Einstellung ihres Aufwärtstreibens erschleicht, ist allerdings nicht zu erahnen. Insofern wird die Entwicklung überraschend verlaufen. Wir hoffen auf tiefere Heizölpreise in naher Zukunft. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.
- 9. März 2010
Leser-Kommentare
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schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 9:54 Uhr:
Bei diesem Kommentar entsteht der Eindruck dass der Ölpreis vom Umstand der "Freiheit" abhängig ist, das kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Öl ist ein Knappheitsgut geworden, deshalb werden wir in Zukunft auch einen Knappheistpreis haben, dabei spielt die Spekulation genau die Rolle die sie schon seid Jahrhunderten spielt, sie weitet die Preisschwingungen nach oben so wie auch nach unten aus. -
schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 12:37 Uhr:
öl ist nicht knapp, es soll knapp werden. das ist die spekulation die jetzt die preise hochtreibt, obwohl es jetzt noch keinen mangel gibt.
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schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 12:40 Uhr:
zu Schrott Ernst :
-Öl ist ein Knappheitsgut geworden-, kann ich nicht ganz nachvollziehen. So lange die Tanklager und -flotte brechend voll sind und ihren Kram nicht loswerden.
Grundprinzip der Marktwirtschaft : Angebot und Nachfrage. Wenn ich nichts mehr loswerde, muss ich am Preis was machen, dann kaufen die Leute auch wieder. Oder?
MfG Berwi -
schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 14:51 Uhr:
Öl ist ein Knappheitsgut geworden weil die Alarmglocken schon überlaut klingen (ich weiss dass dies die meisten nicht warhaben wollen). Die Trägheit des Menschen verhinder aber eine vernünftige Vorbereitung auf die Zeit der Knappheit.
Wir verpuffen und vergeuden immer noch Unmengen an dem kostbaren Gut, anstatt dass wir uns zuerst mal richtig Gedanken machen würden was man tun könnte, um dann die Weichen für die Zukunft zu stellen.
Ich behaupte dass die Menschheit ein riesiges Problem mit dem Öl kriegen wird, die Preise gehen jetzt schon in diese Richtung. -
schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 15:11 Uhr:
zu Schrott Ernst:
Bei den Beiträgen handelt es sich um die Peak Oil Debatte. Die hatten wir bereits 2008 auf die Spitze getrieben. Wie in den esyoil-Kommentaren zu lesen ist, ist diese Debatte real. Sie hat aber nichts mit der aktuellen Preisentwicklung zu tun. Diese ist durch wetteifrige Spekulanten getrieben, die mit Öl nichts anderes verbindet als die Idee, Geld zu gewinnen. Wie hatte Herr Bergmann so treffend formuliert. Sie „könnte(n) auch auf die Katzenpopulation Roms setzen.“ -
schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 15:26 Uhr:
Na tolle Wurst, Oel wird also knapp. Das hör ich schon seit Jahrzehnten.
Ich bin mir sicher, immer weniger brauchen es noch !
Es wird den Weg der Holzkohle und Kohle allgemein gehen.
Benzinmotoren haben einen Wirkungsgrad wie eine
Dampfmaschine, wer will denn sowas noch.
Im Dieselmotor kann prima Oel verbrennen, am besten
Rapsoel. Aber dennoch zuviele bewegliche Teile
und zu geringe Lebenerwartung. Einfach nicht Okonomisch.
Es bleibt der Elektromotor, aus Wind oder Solarstrom
gefüttert. das ist die Lösung.
Aber wo bleibt der Rohstoffhandel ?
Vielleicht könnte man mit Windbeuteln oder ähnlichem
handel treiben. Aber wer ist eigentlich Eigentümer der Sonne ?
Die Bänker werden sich noch einiges einfallen lassen
müssen, um uns weiter das tiefe Mittelalter zu verkaufen.
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schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 16:07 Uhr:
Öl wird auch in 100 Jahren nicht knapp. Alles dummes Geschwätz zur Preistreiberei. Ständig werden neue riesige Ölvorkommen gefunden und der Erdball hat noch genug Reserven. Lasst euch nicht wieder für dumm verkaufen. Da waren wir schon so oft. Wer ein wenig googelt findet auch die Wahrheit zum schwarzen Gold.
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schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 16:24 Uhr:
Jeder hat das Recht zu glauben was er will, Aussagen wie Das Öl wird auch in 100 Jahren nicht nicht knapp gehen an der Realität meilenweit vorbei, das bestreitet eigentlich kein vernünftiger Mensch auf dieser Welt.
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schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 16:33 Uhr:
@Schrott Ernst
Hier mal ein Beispiel, wie wir alle für dumm verkauft werden. Und Haiti ist nur ein Zipfel auf der Landkarte:
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/01/h...-uran.html -
schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 17:03 Uhr:
An Horst:
Wenn man Märchen gerne hat dann mag das eine nette Lektüre sein, ich bin aber nicht so der Märchen Typ.
Meine Einschätzung zum Artikel: Unsinn hoch drei -
schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 18:50 Uhr:
@Schrott Ernst
Märchen gibt es im Media..... -
schrieb am Dienstag, 9. März 2010 - 21:27 Uhr:
Interessanter Link im Post unten.....! Die Website ist zwar "reißerisch", aber der Kern der Aussage ist richtig und wir hatten ihn schon vor 25 Jahren in der Kollegstufe debatiert: Die Amerikaner verbrauchen erst das Öl anderer Staaten und behalten ihre Reserven für sich selbst. Damals sagte man, das das Öl noch 30 - 50 Jahre reichen wird; mit den riesigen Funden und noch unentdeckten Feldern wird das nun wohl noch für 100 Jahre und mehr reichen!
Die ganze Spekulation hat aber zumindest im Ölmarkt insofern ihr Gutes, als daß man sich etwas mehr Gedanken um alternative Energien machen sollte, die, außer der Anfangsinvestition, gratis sind (Sonne, Wind, etc.). Aber welchen Energiekonzernen und Regierungen, die von Steuereinnahmen abhängig sind, würde so etwas passen?
Mein Tipp: Haus isolieren, Solarpanel aufs Dach, einen Schwedenofen für die Übergangszeit (warum wohl wird von unserer Regierung die Nutzung durch strenge Emissionswerte bald eingeschränkt??) und dann ist es mir doch fast schon egal, ob das restlich benötigte Heizöl 60 Cent oder 1,30 € kostet....! -
schrieb am Mittwoch, 10. März 2010 - 1:14 Uhr:
Ihre Einschätzung, dass „spezialisierte Eliten" z.B. der Finanzwirtschaft die Macht übernommen haben, beschreibt die bestehenden Verhältnisse recht zutreffend. Etwas überspitzter könnte man auch formulieren, einige Finanzinstitutionen hätten ihre eigene Krise dazu genutzt, die Staatskasse an sich zu reißen.
Diese mächtigen und nun so verhängnisvollen finanzwirtschaftlichen Strukturen wurden bisher – u.a. neoliberalem Gedankengut folgend - von den Staaten bereitwillig zugelassenen.
Sie abzuschaffen, indem man – wie von Ihnen vorgeschlagen - unterlässt, sich „um die Frage nach den Schuldigen der Krisen zu kümmern“ und stattdessen lediglich „den Abbau der Freiheiten mutig anzugehen“ indem man „unfreie und daher einfache Systeme“ aufbaut „in denen sich Menschen gut zurechtfinden“ erscheint allerdings wenig realistisch.
Denn tatsächlich sind die Krisen – sowohl die von 1929 als auch die gegenwärtige Krise - nicht durch die Komplexität freier Finanzsysteme, sondern - höchst simpel - durch das Platzen von Spekulationsblasen bzw. massenhaften Betrug mit tatsächlich wertlosen Schuldversprechen entstanden.
Wenn man in der gegenwärtigen Situation – Sie selbst sprechen von Fehlverhalten - effektiv vorgehen will, bedarf es sehr wohl einer Untersuchung der Frage nach den Schuldigen. Diese Schuldigen und ihr Verhalten sollten auch klar benannt werden, anstatt – wie in Ihrem Artikel geschehen - lediglich der Gesellschaft aufzuerlegen, Abwehrmaßnahmen für die Zukunft zu ersinnen sowie ferner den gerade eben maßlos gescheiterten angeblichen Eliten der Finanzwirtschaft neue Freiräume – welche immer dies sein mögen - zu eröffnen.
Vermutlich kann die Politik nur durch sachverständig fundierte Untersuchung und anschließende öffentliche Klarstellung des Fehlverhaltens in der Finanzwirtschaft die erforderliche Machtbasis zurückgewinnen, um der Finanzwirtschaft die zweckmäßigen Beschränkungen und entsprechende staatliche Kontrollen aufzuerlegen.
Nachdem allein durch Verhaltensweisen in der Finanzwirtschaft - sowohl 1929 wie derzeit - Weltwirtschaftskrisen und damit Schädigungen des Gemeinwohls in ungeheurem Maßstab ausgelöst worden sind, müssen diese Beschränkungen offensichtlich weit tiefer als man sich das heute vorstellen kann in das bisher übliche Spekulationsgebaren in der Finanzwirtschaft eingreifen. Ansonsten ist das nächste Desaster oder die Fortsetzung des gegenwärtigen absehbar.
Im übrigen wird heute wie 1929 besonders deutlich, dass staatliche Regelungen und Beschränkungen im Sinne eines volkswirtschaftlich sinnvollen Ausgleichs zwischen den naturgemäß gegensätzlichen Interessen am Gemeinwohl und den betriebswirtschaftlich bestimmten Verhaltensweisen der Unternehmen unverzichtbar ist.
Die Abhängigkeit ist gegenseitig: Ohne Gemeinwohl haben Unternehmen keine Kunden, ohne Unternehmen gibt’s kein Gemeinwohl. Die derzeitige Zurückhaltung der Neoliberalisten aus Politik und Wirtschaft kann wohl nur bedeuten, dass selbst der letzte diese simple Wahrheit verstanden hat.