HEIZÖL: Aufgeschoben
Am Freitag wurde die Preisbewegung des Vortags rückgängig gemacht. Damit entspricht die Ausgangslage am Beginn der neuen Woche derjenigen vom Mittwoch, dem letzten Handelstag in New York. Wieder zeigt sich, dass ohne die Amerikaner nichts geht. Die Ölpreise werden in den USA gemacht.
Als übergeordnete Bewegung war bis letzten Dienstag ein kurzer aber kräftiger Abwärtstrend dominant. Der erhielt am Mittwoch einen Dämpfer. Inzwischen gibt es Argumente, die den Fortgang des Abwärtstrends weiter aufschieben können.
In Venezuela nimmt der x-te Versuch, den Präsidenten loszuwerden, seinen Lauf. Dabei werden sofort Erinnerungen an den letzten Januar wacht. Damals gelang es der Opposition im Land, die Ölproduktion zur Unterstützung ihrer Forderungen empfindlich zu treffen. Später ließ Hugo Chavez viele gewerkschaftlich organisierte Ölarbeiter aus ihren Jobs entfernen. Dass er inzwischen nur noch loyale Arbeiter im Dienst hat, darf angesichts des Unmuts über seine Politik bezweifelt werden.
Gerade wachsen die Hoffnungen, dass das Land wieder zu einem mächtigen Ölproduzenten aufsteigen kann. Da ist die Gefahr groß, dass die auflodernden alten Probleme für eine besonders bewertete Enttäuschung sorgen.
Der Irak schafft es wieder, das Maß an Verunsicherung zum Gang der Geschichte zu erhöhen. So etwas ist Gift die fallende Ölpreise.
Am Donnerstag treffen sich die Ölminister der OPEC-Staaten, um die neue Quotendirektive auszugeben. Bis Klarheit über den Inhalt herrscht, werden die Händler kaum in die eine oder andere Richtung vorpreschen. Verhaltenes Taktieren ist wahrscheinlich.
Es gibt aber auch Argumente für einen weiteren Preisrückgang. Offensichtlich schafft die OPEC derzeit keine Quotendisziplin. Die Novemberproduktion wird von unabhängigen Beobachtern als um 1 Mio. Barrel pro Tag überhöht eingeschätzt. Das unterstützt die Meinung, dass genug Öl im Markt ist. Das Argument könnte sich allerdings als untauglich erweisen. Wenn die OPEC am Donnerstag keine Quotenänderung beschließt, statt dessen aber für eine Einhaltung der aktuellen Quoten sorgt, könnte der alte Beschluss aus dem September eine zweite Wirkung zeigen. Die fiele sicher nicht so krass aus wie damals, für Preisauftrieb wäre sie aber geeignet.
Charttechnisch sieht es derzeit recht gut für einen Fortgang des Preisrückgangs aus. Allerdings befinden sich die Linien in einer sensiblen Zone, in der schnelle Wechsel möglich sind.
Der beste Freund europäischer Verbraucher bleibt der Dollar. Er findet immer neue Rekordtiefs. Damit ist zumindest die Sorge, dass steigende Ölpreise am Weltmarkt für teures Heizöl sorgen können, gedämpft.
Der Gasölpreis geht heute Morgen nahezu unverändert in die Woche. Er befindet sich mit 253$ pro Tonne innerhalb der Handelsspanne der letzten Tage.
Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Vermutlich bekommen sie in der ersten Wochenhälfte auch wenig Anlass dazu. Kleine Anstiege der Weltmarktpreise werden durch einen fallenden Dollar kompensiert. Wäre die Dollarparität zum Euro so wie vor zwei Jahren, kostete Heizöl statt heute 33 Cent etwa 43 Cent pro Liter. Der Preis ist für notwendige Käufe also gut. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass er in absehbarer Zeit sinken wird.
01.12.03
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