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HEIZÖL: Die Politik soll es richten
Einflussnahme gegen Spekulation gefordert.
Die Ölpreise konsolidieren auf höchstem Niveau. Ein Ende der Hochpreisphase ist nach wie vor nicht in Sicht. Marktlage und Marktstimmung sind kaum verändert zur Vorwoche. Die aktuelle Versorgung läuft reibungslos. Als angespannt aber nicht als kritisch wird die Lage für Heizöl und Diesel angesehen. Diese Produkte sind weltweit am stärksten gefragt. Die zu dieser Jahreszeit übliche Dominanz des Benzinpreisauftriebs als Folge der zu erwartenden US-Nachfrage während der beginnenden Fahrsaison wird kaum thematisiert. Komfortable Vorräte und eine sinkende Benzinnachfrage in den USA nehmen dem Thema die Spitze. Benzin ist in diesem Jahr kein Preistreiber des Ölmarkts. Der Benzinpreis wird vom Ölmarkt getrieben. Die Versorgung mit Rohöl ist auskömmlich. Verbraucher und Politik wünschen sich mehr. Sie möchten einen deutlichen Überschuss sehen. Davon erhofft man sich eine abschreckende Wirkung auf die Hochpreisspekulation.
Die Förderländer sind zu keinem über die gegebenen Zusagen hinausgehenden Angebot bereit. Sie nehmen den hohen Ölpreis gerne mit. Er hilft ihnen, dem noch vor wenigen Jahren drohenden Staatsbankrott zu entkommen. Um alte Schulden abbauen zu können, benötigt Venezuela einen Rohölpreis von über 94 Dollar pro Barrel. Selbst das mit Reichtum assoziierte Saudi Arabien, das in Wirklichkeit keine reiche Gesellschaft ist, muss rund 60 Dollar pro Barrel erlösen, damit es seinen Haushalt sanieren kann. Heute sieht die Lage für diese Länder blendend aus. Lange haben sie aber noch nicht das Vergnügen von Haushaltsüberschüssen. Vielmehr blicken sie auf zwei Jahrzehnte finanziellen Desasters zurück.
Der Zweifel, dass die Förderländer mehr Öl produzieren könnten, ist Teil der durch Spekulation aufgetriebenen Preise. Eine abschließende Erkenntnis zum Sachverhalt gibt es nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass bei höheren Investitionen in Infrastruktur mehr drin wäre. Gleichzeitig findet die Meinung, dass wir an der Grenze des Fördermaximums operieren, eine breite Basis. Daraus ein Ende des Ölzeitalters zu konstruieren, ist allerdings unseriös und dient mehr der weiteren Preistreiberei. Die bekannten und erreichbaren Reserven waren selten höher als heute.
Die Vorgänge in Russland zeigen exemplarisch, wie schwierig eine Lageeinschätzung ist. Der Vizechef von Lukoil hat vor Kurzem Peak Oil für sein Land verkündet. Lukoils Chef hält die russische Förderung dagegen für steigerbar. Beide Aussagen sind politischer Natur. Sie zielen auf die als Problem empfundenen sehr hohen Steuern und Zölle auf Rohöl. Diese sorgen dafür, dass fast der gesamte über 50 Dollar pro Barrel erzielte Außenhandelserlös an den Staat fließt. Damit ist es vollkommen unattraktiv, mehr Öl für den Export zu fördern. Ein Aufbau der Förderkapazitäten bleibt also aus. So wird in der Tat Peak Oil festgeschrieben aber nicht natur- sondern staatsbedingt.
Das nehmen Spekulanten dankend auf, um die Preise weiter aufwärts zu treiben. Zu den üblichen Verdächtigen, den Banken und Investmentfonds, gesellen sich als größte Gruppe die Ölfirmen selbst. Die privaten Gesellschaften geben mehr Geld in das Finanzsystem als in die Entwicklung neuer Ölvorkommen. Damit sind sie Teil einer möglichen Verknappung. Diese zeigt sich in einem Förderrückgang gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent bei ExxonMobil, um 5 Prozent bei Shell und um 3 Prozent bei BP. Das System der wundersamen Geldvermehrung durch Nichtinvestition in Produktion funktioniert ausgezeichnet. Unangenehmer Nebeneffekt ist nur, dass viele Kunden sauer sind. Ihre Stimmungslage ruft den von niederen Instinkten getriebenen Populismus vieler Politiker auf den Plan. Die schwadronieren über Steuersenkungen und sogar über die Einflussnahme auf die Börsen.
Nun wäre ein deutscher Politiker gut beraten, seinen Einfluss auf den internationalen Börsenhandel als gegen Null gehend einzuschätzen, wenn selbst der US-Präsident nicht in der Lage ist, die Spekulation einzudämmen. Außerdem muss sich jeder Einflussnehmer fragen, der nicht der Linkspartei angehört, ob er die freie Preisbildung aushebeln kann, ohne den Kapitalismus aufzugeben. Ein wesentlicher Teil der hoch gelobten freien Marktwirtschaft ist ihre zerstörerische Kraft, aus der Neues geschaffen wird. Diese konstruktive Selbstzerstörung findet derzeit an den Rohstoffbörsen und besonders an den Ölbörsen statt. Ihre Kraft geht weit über die Möglichkeiten des Fiskus hinaus. Bis hierzulande ein eventueller Steuernachlass Wirkung zeigte, wäre dieser von weiteren Preissteigerungen längst überholt. Das wissen Politiker sehr wohl. Daher ist dieser Teil ihrer Reden nur und ausschließlich Opium für das Volk.
Die Geister, die man mit den Börsen rief, muss man nun ertragen. Es bleibt nur der Blick in eine weniger öl- und rohstoffabhängige Zukunft, die erst durch die hohen Preise möglich wird. Damit diese richtig in Gang kommt, werden die Preise noch weiter steigen müssen. Wem diese systemimmanente Tatsache nicht gefällt, sei an die 1970er Jahre erinnert. Damals stieg der Ölpreis noch stärker als heute und das sogar ohne eine Rohölbörse. Nach der Episode ist der Wohlstand in Deutschland erneut rasant gestiegen und das nicht zuletzt, weil die Abhängigkeit vom Öl reduziert wurde.
Heute Morgen ist noch nicht zu erkennen, wohin die Preisreise gehen wird. Konsolidierung scheint weiterhin angesagt zu sein. Die Tonne Gasöl kostet 1.198,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 127,58 Dollar.
Unsere Heizölpreise laufen seitwärts. Wie der Weltmarkt zeigen auch sie eine Konsolidierung. Das lässt weiterhin wenig Hoffnung auf einen kräftig sinkenden Preis. Dieser wird am Ende einer Rallye kommen. Die Frage ist nur, wann und auf welchem Niveau die aktuelle Rallye zu Ende sein wird. Derzeit macht sie lediglich Pause. Nach unserer Meinung ist es allemal besser, sich mit verbrauchssenkenden Maßnahmen zu beschäftigen, als sein Wohl an die Hoffnung auf einen sinkenden Ölpreis zu knüpfen. Unser Gratisinstrument zum Thema ist esytrol.
von Klaus Bergmann
20.05.08
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Alle Kommentare:
schrieb am 2008-07-10 13:02:18
@ U. Durchholz
Der Gedanke ist sehr gut. Von den 6,7 Mrd. Menschen der Erde, brauchen mehr als die Hälfte Energie zum Heizen. Die muss für alle bezahlbar sein. Heute kann sich höchstens ein Viertel der Weltbevölkerung Heizenergie in einer Form leisten, die man als bescheidenen Wohlstand bezeichnen könnte.
Was wird wohl mit unserer Energieversorgung passieren, wenn sich die Zahl der Heizer verdoppelt? Welche Wirkung hätte das auf die Preise?
schrieb am 2008-07-10 00:16:17
Öl,Gas ,Kohle ,eigentlich egal .
Heizen ist ein Grundbedüfnis wie Essen und Trinken und sollte von jeden Bürger Bezahlbar sein ohne das man eine Bank anpumpen muß,um seine Wohnung warm zu bekommen .
Da kann ich nur Pfui -
Sozialstaat sagen.
der reibt sich mit jeder Öl-Gas Verteuerung die Hände und kassiert Kräftig mit.
von daher meine Forderung an die Politik -Hände weg von Grundversorgungsgütern denn der Schuß könnte nach hinten los gehen.Heizen ist kein Luxus,sondern eine Notwendigkeit die für jeden sozialen Status gewerleistet sein sollte.
schrieb am 2008-05-23 13:03:11 Wer die Möglichkeit hat (finanziell) sollte auf andere Engergieformen umsteigen. Wer noch über eine Ofenheizung verfügt hat jetzt gute Chancen preiswert Kohle zu erstehen (t 135,-€ z.Z.). Zumindest können damit die Räume geheizt werden. Aber woher das heiße Wasser bekommen. Sitzen wir bald alle wieder mit einer Badebütte in der Küche und erhitzen das Wasser auf dem Herd, weil man sich das Öl nicht mehr leisten kann? Zumindest könnte ein Entgegenkommen seitens der Politik erfolgen, in dem in einem Zeitfenster drastisch die Besteuerung auf Öl gesenkt wird. Aber die Regierung freut sich und kassiert kräftig mit. 1 €/l Benzin ist modernes Raubrittertum. Italien reagiert entsprechend "zurück zur Atomkraft". Minister Gabriel hingegen wohnt noch hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen und die Umweltpolitik läuft ins leere. In meinem Umfeld argumentiert man inzwischen dahingehend, daß man es warm haben möchte für so viel Ökosteuer.
schrieb am 2008-05-21 22:34:51 Einsparungen von Öl ist richtig, kostet aber Geld, welches viele derzeit nicht haben. Wer weiß, welches Vermögen die nächste Tankfüllung kostet. Auf jeden Fall sind die Preise vollkommen überzogen und es kommt die Zeit, wo sich das bitter rächt.
schrieb am 2008-05-21 14:30:52
Bezug auf rene kaiser:
Heute gibt es noch keine Knappheit. Die kommt erst noch, wenn wir so weitermachen wie bisher. Insofern ist der vorauseilende Preis spekulativ.
Die Basis für das spekulative Handeln legen natürlich alle Verbraucher, indem sie Öl in viel zu großen Mengen verbrauchen bzw. verschwenden.
Ihr esyoil-Team
schrieb am 2008-05-21 10:58:43
Nicht wirklich, Griese. Alleine das Pelletslager hätte schon mehr gekostet. Von Komfortverlust und Platzbedarf zu schweigen.
Und als Rache gegen die Nachbarn mit hren Giftgas-Holzkaminöfen taugt Pellets auch nicht, dafür sind Pellets zu sauber.
schrieb am 2008-05-21 09:24:40 Sehr geehrte Damen und Herren, seit 6 Jahren erzählt man uns von Spekulanten. Bitte erstmal googeln ! Um dem Markt Öl zu entziehen muss dieses irgendwo gelagert werden. Später wird es dann mit Gewinn verkauft. Bei der Menge des dann wegspekulierten Öls müsste der Preis zusammenbrechen. Dies tut er seit 6 Jahren nicht. Was nun läuft nennt sich einfach Verknappung. Bitte lassen Sie sich nicht weiter belügen. Angebot und Nachfrage sind der Grund des hohen Ölpreis.
schrieb am 2008-05-21 08:40:48 Misterdata hätte sich bei seinem Niedrigenergiehaus einen einfachen Pelletofen ins Wohnzimmer gestellt, mit dem er gleichzeitig das ganze Haus heizen kann. Kostenpunkt ca. 4.000 €. Dann würde er sich aber über die Kosten wundern.
schrieb am 2008-05-21 07:29:56
@Raimund Schmiderr
Ich bin mit meiner Ölheizung von 2003 sehr zufrieden. Diese war im Vergeich zu Pellets oder gar WP so günstig, dass ich auf noch viele Jahre allein aus der Investitionsersparnis die Öl-Rechnung bezahlen kann. Mein Verbrauch ist dank Niedrigenergiehaus so gering, dass ich selbst mit einer Verfünffachung des heutigen Spekulantenpreises kein Problem hätte.
Zur Wärmepumpe: das funktioniert nur gut bei optimaler Auslegung des Hauses und ertragreicher Wärmequelle auf dem eigenen Grundstück. Andernfalls kann eine Wärmepumpe ganz schnell zum finanziellen Supergau werden.
schrieb am 2008-05-20 14:44:59
Ich beobachte die Heizöl-Preisentwicklung nun schon längere Zeit und bin der Meinung, dass die Preise völlig unkalkulierbar weiter steigen werden.
Heizöl wird deshalb für den Privatmann definitiv unbezahlbar. Wer heutzutage eine neue Heizung braucht, soll nicht den Fehler wie ich machen und eine neue Ölheizung einbauen, sondern zB. auf Pellets-Heizung und Solaranlage umrüsten.
Was im obigen Komentar richtig und gut ist sind natürlich Effizienz-Steigerungen durch Wärmedämmung usw. Man bedenke auch, dass eine simple Wärmepumpe 4 mal mehr Wärmeenergie abgibt, als elektrische Energie verbraucht wird!
schrieb am 2008-05-20 13:46:20 Unsere Politiker könnten endlich die Steuern auf Heizöl senken, denn heizen muß jeder, wenn er im Winter nicht erfrieren möchte. Mehr einsparen als die Heizung modernisieren und maximal bei 20 °C heizen geht wohl kaum. Also wir warten auf unsere gierigen Volksvertreter, ob sie außer sich die Diäten mit zusätzlich 1150 Euro rückwirkend zum Januar zu erhöhen auch noch etwas für den "schnöden Pöbel" übrig haben in Form von z.B. kräftigen Steuersenkungen für Normal-bzw. Wenigverdiener. Es wird Zeit zu handeln, wenn sie das politische Feld nicht extremen politischen Strömungen überlassen wollen !!
schrieb am 2008-05-20 11:03:59 Die ganzen schönen Erklärungen nutzen dem Verbraucher leider wenig. Die Spekulationen erinnern an die Kriegsgewinnler vor 100 Jahren. Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit, asoziales Unternehmertum.












