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HEIZÖL: Heizölvorräte besser als ihr Ruf


Die US-Vorratsdaten, neue Terrorwarnungen und Lieferprobleme im Irak sorgten gestern für kräftig anziehende Preise. Der Anstieg bringt die Preisentwicklung vollständig in den Aufwärtstrend zurück. Der Dollar verliert zwar etwas an Wert. Er kann dem starken Anstieg der Ölpreise aber nicht nennenswert Paroli bieten.

Aus den Schlagzeilen verschwunden ist zunächst das Thema Yukos und die Gefahr eines insolvenzbedingten Lieferausfalls großer Mengen aus Russland. Aber auch ohne ein solches Negativszenario fanden die Händler gestern ausreichende Gründe, die Preise um über 3% in die Höhe zu treiben. Nach Angaben des krisengeschüttelten FBI gibt es handfeste Indizien für geplante Terrorangriffe auf amerikanische und Saudi arabische Öleinrichtungen. Nähere Informationen blieben selbstverständlich aus. Aus dem Irak wurden Verladeprobleme gemeldet. Tanker mussten das Land unbeladen verlassen.

Für eine handfeste Überraschung mit starkem Preisauftrieb sorgten die Daten, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gestern über die Entwicklung der US-Vorräte präsentierten. Sie lesen sich wie folgt:

Rohöl: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergeben sich Zuwächse von 0,4 bzw. 2,3 Mio. Barrel. Auffällig ist die große Unsicherheit bei Benzin. Hier werden zwei verschiedene Tendenzen sichtbar. Erfreulich ist die Entwicklung bei Heizöl, die über den Erwartungen liegt. Absolut schockierend wirkten allerdings die Zahlen bei Rohöl, die vollkommen gegen die Erwartungen ausfallen. Nun machen sich offenbar die durch Bombenanschläge bedingten Lieferausfälle des Iraks bemerkbar. Die Importzahlen sind weiterhin sehr hoch. Die Raffinerieverfügbarkeit ist mittelmäßig.

Insgesamt sind die Vorratszahlen besser als ihr erster Anschein. Sie zeigen, dass es um die Heizölversorgung besser steht als in den letzten Wochen prognostiziert. Leider nützt dieser Umstand den Preisen wenig, da sie von der eigentlich gut aufgestellten Rohölseite nun ihr Futter bekommen. Die Situation ist typisch für den Markt, der sich seit September des letzten Jahres im Aufwärtstrend befindet. Aus einer Ansammlung von unterschiedlichen Nachrichten werden tendenziell diejenigen verarbeitet, die bullischen Charakter haben. Es ist nicht zu erwarten, dass sich diese Grundeinstellung in absehbarer Zeit ändert.

Mehrfach haben wir erwähnt, dass wir im Herbst mit weiteren Preissteigerungen für Heizöl rechnen. Die Situation könnte in ähnlicher Weise eskalieren wie im Jahr 2000 als die Heizölpreise hierzulande Allzeithochs erreichten. Diese Erwartung basiert mehr auf nationalen als auf internationalen Umständen. Die US-Vorratszahlen sehen heute etwas besser aus als Anfang Juli 2000. Das dämpft das Anstiegspotential des Weltmarktes. In Deutschland sind die Verbrauchertanks aber so leer wie nie zuvor. Daher ist mit einer Nachfragewelle zu rechnen, die die nationale Leistungsfähigkeit der Transportflotte überfordern könnte. Und das sorgt unabhängig vom Weltmarkt unweigerlich für hohe Preise.

Der Gasölpreis holt heute Morgen den späten Anstieg des US-Marktes nach. Er legt um fast 10$ auf 346,25$ pro Tonne zu.

Unsere Heizölpreise wurden mit dem Weltmarkt in die Höhe gezogen. Sie befinden sich wieder in der Nähe des Jahreshochs. Trotz dieses Umstands raten wir Verbrauchern, die mit ihrem Vorrat nicht wenigstens bis zum Jahresbeginn kommen, zum Kauf, da wir von weiter steigenden Preisen ausgehen. Versuchen Sie so zu agieren, dass Sie auf keinen Fall im Herbst kaufen müssen. Wenn Ihnen der Preis jetzt zu hoch erscheint, Sie aber Gefahr laufen, noch vor Wintereinbruch bestellen zu müssen, sollten Sie eine kleine Menge ordern, die bis in den Februar reicht, und hoffen, dass die Preise dann wieder etwas besser sind.

15.07.04

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