HEIZÖL: Preise unter Druck
Der Höhenflug der Preise hat einen Dämpfer bekommen. Für Verbraucher ist er bisher kaum spürbar. Das Stimmungsbild an den Börsen reagiert hingegen schnell. Es büßte an bullischer Stärke ein. Erneut werden Zweifel an der US-Konjunkturentwicklung als ursächlich für die Kursschwäche genannt. Noch liegt die Bewegung voll in der Bandbreite des Aufwärtstrends. Dennoch ist es nicht abwegig, über ein vorläufiges Ende der Preisblase zu sinnieren. Der Dollar lief dem sinkenden Ölpreis mit einem Kursanstieg voraus. Analysten geben Gewinnmitnahmen nach dem starken Kurszuwachs des Euros als Grund an.
Gewinnmitnahmen dürften für den Ölmarkt mehr als für den Devisenmarkt gelten. Dass der Kurs des Dollars fällt, folgt vor dem Hintergrund der gewaltigen Verschuldung der USA sowohl im Staats- als auch im Privatsektor einer fundamentalen Logik. Dass der Kurs der Ölpreise steigt, ist auf dem erreichten Niveau fundamental nicht mehr zu rechtfertigen. Insofern ist eine Kursumkehr fällig. Ob diese nun bereits eingesetzt hat oder erst in einigen Wochen vollzogen wird, ist Gegenstand von Spekulation. Für Contrarians, das sind Spekulanten, die gegen den Mainstream agieren, wäre es jetzt der richtige Moment, in Papiere auf fallende Kurse einzusteigen. Denn noch steht die breite Mehrheitsmeinung für steigende Ölpreise.
Dass fallende Ölpreise mit einer zu erwartenden Schwäche der US-Konjunktur begründet werden, ist zwar eine populäre Story. Eine brauchbare Begründung ist sie nicht. Die USA sind zwar nach wie vor der größte Ölverbraucher weltweit. China wird dem Mutterland des Ölkonsums diesen Rang aber bereits in drei Jahren streitig machen. Für die Nachfrageentwicklung ist die Steigerungsrate entscheidender als die aktuelle Menge. Bei der Steigerungsrate hat China absolute Dominanz. Die USA sind entgegen ihres schlechten Rufs als Energieverbraucher mittlerweile in der Lage nicht nur bei rückläufiger Konjunktur den Mineralölverbrauch zu drosseln. Sie werden ihn zukünftig sogar bei wachsender Wirtschafsleistung senken. Für die Entwicklung der Weltnachfrage ist das unerheblich. Die wird aus anderen Regionen der Erde getrieben. Insofern entbehrt der gern konstruierte Zusammenhang zwischen US-Konjunktur, Nachfrage- und Preisentwicklung der fundamentalen Logik.
Logischer ist hingegen die Begründung, dass Spekulationspositionen deshalb aufgegeben werden, weil die Finanzmärkte verunsichert sind. Nach der ersten Verunsicherungswelle durch die US-Immobilienkrise im Spätsommer begann der aktuelle Hype der Ölpreise. Spekulanten strömten aus den Aktienmärkten in den Ölmarkt. Zwar änderten sich die Anlageobjekte. Die Motivlage, den schnellen Gewinn zu machen, änderte sich aber nicht. Mittlere zeigt sich, dass die Immobilien- oder besser die Hypothekenkrise ein deutlich größeres Ausmaß hat, als man sich bis dato eingestehen wollte. Die Verwunderung darüber ist verwunderlich. Schließlich wurde seit Jahren von einer US-Immobilenblase gesprochen, die, wenn sie platzen würde, zu erheblichen Turbulenzen an den Finanzmärkten führen und die US-Wirtschaft, ja sogar die Weltwirtschaft in ernsthafte Nöte treiben wird. Das, was lange bekannt war, scheint nun einzutreten. Es wird Investoren veranlassen, vorübergehend jedweder Spekulation auf schnellen Gewinn den Rücken zu kehren und Geld in sichereren Gefilden zu parken. Das ist die Chance für eine Ölpreisanpassung auf ein „normales“ Niveau. Das könnte 15 bis 20 Dollar tiefer liegen.
Langfristig wird der Ölpreis dennoch solange weiter steigen, wie die Weltkonjunktur wächst oder bis die Menschheit einen grundsätzlich neuen Umgang mit dem Thema Energieverbrauch gefunden hat. Bei dem gegenwärtigen Verbrauchsverhalten ist der Bedarf in einigen Jahren nicht mehr zu decken. Die prognostizierte Nachfrageentwicklung läuft auf einen Mehrbedarf von 50 Prozent innerhalb von 20 bis 30 Jahren hinaus. Die benötigte Tagesmenge von 130 Mio. Barrel Rohöl kann weder durch fossile noch durch biogene Energieträger bereitgestellt werden. Schätzungen zu folge dürfte bei einer Tagesproduktion von gut 100 Mio. Barrel das Machbare erreicht sein. Es ist heute bereits sicher, dass ein positiver Verlauf der Weltkonjunktur nur möglich ist, wenn Effizienz und Energiesparen als Energiequelle verstanden werden. Erfreulicherweise bricht sich diese Erkenntnis in jüngster Zeit in den Industriekulturen Bahn. Nun müssen Taten folgen.
Heute Morgen gibt sich der Gasölpreis unentschlossen, ob er dem gestrigen Abgang oder dem längerfristigen Aufgang folgen soll. Die Tonne kostet zur Stunde 811,75 $.
Unsere Heizölpreise geben leicht nach. Der große Wurf in Form eines spürbaren Rückgangs ist noch nicht in Sicht. Der Dollar bremste gestern einen Teil des Preisrückgangs aus. An einzelnen Tagen kann der Effekt des Dollars Gewicht bekommen. Insgesamt beträgt sein Einfluss auf den Heizölpreis aber nur 20 Prozent, während der internationale Ölpreis mit 80 Prozent zu Buche schlägt. Für den Winterverlauf sind wir weiterhin optimistisch, dass die Heizölpreise attraktiver werden.
13.11.07
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