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HEIZÖL: Untergang eines Hoffnungsträgers


Dramatischer Karriereknick für Bioöl.


Der Chefökonom der Internationalen Energie Agentur (IEA), Fatih Birol, gab der Zeitschrift Internationale Politik eine aufrüttelnde Lagebeschreibung des Ölmarkts. Zwar enthielt sie nichts prinzipiell Neues gegenüber anderen Stellungnahmen der letzten Zeit, aber in der Wortwahl wird Birol zunehmend deutlicher. Mit seinen drastischen Worten rüttelt er derzeit mehr Spekulanten als Investoren auf. Gestern setzte sich der Aufwärtstrend mit unverminderter Kraft fort. Die Preise sind definitiv überhitzt. Aber eine Abkühlung ist bei anhaltender Übergewichtung der bullischen Faktoren kaum zu erwarten.

Birols Kernbotschaft lautet, der Welt gehen die fossilen Energien aus. Grund hierfür sind der stark steigende Bedarf der neuen Wirtschaftsmächte China und Indien sowie das unzureichend steigende Angebot der Förderländer. Insbesondere an die Förderländer des Mittleren Ostens mit ihren staatlichen Ölindustrien richtet sich die Kritik Birols. Ihnen wirft er eine zu zurückhaltende Investitionspolitik in Ölinfrastruktur vor. Heute ist bereits absehbar, dass in Kürze mindestens 12,5 Mio. Barrel pro Tag oder 15 Prozent des Weltbedarfs fehlen werden. Das kann selbst durch alle laufenden und bereits finanzierten Projekte nicht verhindert werden. Auch Riesenfunde wie die vor Brasilen ändern daran nichts. Der natürliche Schwund der bestehenden Ölquellen ist zu groß. In den nächsten Jahren wird es zu Versorgungsengpässen kommen. Deshalb drängt Birol darauf, die fossilen Energieträger zu verlassen, bevor sie uns verlassen. Als Ausweg aus dem Dilemma sieht er Effizienzsteigerung, alternative Kraftstoffe und mehr Ölprojekte.

Das klingt widersprüchlich. Ist es wohl auch. Genauso wie die Energiepolitik vieler Länder widersprüchlich ist u.a. auch die deutsche. Gerade mit dem Ruf nach alternativen Kraftstoffen, womit in erster Linie Biokraftstoffe gemeint sind, hat die Politik ein Desaster ausgelöst. Das Desaster wird plakativ mit dem Raub von Lebensmitteln zu Gunsten von Kraftstoffen betitelt. Der dramatische Preisanstieg für viele Grundnahrungsmittel wird unserem Energiehunger zugeschrieben. Dieser hat ohne Zweifel einen ursächlichen Anteil. Die Ursache allein ist er aber gewiss nicht. Lebensmittelpreise steigen auch, weil mehr Menschen und mehr Wohlstand mehr Bedarf verursachen und zwar Nahrungsbedarf. Wohlstand führt nicht zuletzt zum Wunsch, Fleisch zu essen. Die Herstellung von einem kg Fleisch verlangt 16 kg Getreide. Bisher hatten 1,2 Mrd. Menschen das Verlangen nach Fleisch. Nun wächst die Gemeinde der potenziellen Fleischesser mit der Bevölkerung Chinas und Indiens um weitere 2,4 Mrd. Menschen. Diese Steigerung übertrifft bei weitem die Steigerung der Energienachfrage. Die Preisbildung im Lebensmittelmarkt funktioniert ähnlich wie die des Ölmarkts. Sie erfolgt an Börsen. Damit ist sie spekulationsgetrieben. Und genau wie der Ölmarkt findet der Lebensmittelmarkt das Interesse von Banken, Investmentfonds und Spekulanten. Eine tendenzielle Knappheit von Ressourcen, seien es Öl und Gas oder Weizen und Soja, ist für anlagewillige Geldbesitzer immer interessant. Ganz besonders interessant wird diese, wenn andere Anlagemöglichkeiten für überflüssiges Geld fehlen. Die Immobilienkrise hat viel weiter reichende Folgen als üblicherweise diskutiert wird.

Die Kritik an einer einseitigen Ursachendarstellung für steigende Lebensmittelpreise ist kein Plädoyer für Bioöl. Bioöl als Mittel gegen Energieknappheit ist definitiv ungeeignet. Ungeeignet für permanent steigenden Energieverbrauch ist jeder Ersatzstoff. Die Idee, man müsse nur den richtigen Träger finden, und die Energieprobleme der Menschheit werden überwunden sein, ist ein Irrweg. Diese Idee folgt der Logik vom unbegrenzten Wachstum. Unbegrenztes Wachstum ist ein zeitgemäßes Ideal menschlichen Denkens. Als natürliches Phänomen kommt es nicht vor. Kein Lebewesen und kein Naturprozess können unbegrenzt wachsen. Im Fall der Erdbevölkerung leuchtet es den meisten Menschen sofort ein. Die Erde kann nicht beliebig viele Menschen beherbergen. Möglicherweise kann Wohlstand unbegrenzt wachsen. Das kann er aber nur, wenn er sich von natürlichen Ressourcen als Grundlage abkoppelt. Denn wie könnte ein auf begrenzten Ressourcen fußender Wohlstand unbegrenzt sein. Die Aufgabe besteht also darin, Wohlstand als menschliches Wohlergehen ohne Ressourcenplünderung zu schaffen. Der Weg hierzu ist zumindest energietechnisch vorgezeichnet. Er kann nur über Effizienz führen.

Dieser Weg wird bereits gegangen. In Deutschland wächst der Wohlstand und der Energieverbrauch nimmt ab. Die Veränderung erfolgt allerdings viel zu langsam. Ein warmes Haus mit minimalem Bedarf an fossiler Energie ist möglich. Auf 120 qm zu wohnen und nur 180 Liter Heizöl pro Jahr zu benötigen, ist keine Utopie. Autos mit einer Spitzengeschwindigkeit von 150 Stundenkilometern, die weniger als 2 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen, gibt es bereits. Sie werden in Kürze auf den Markt kommen. Wenn diese Schritte geschafft sind, kann man über Pflanzen und vor allen Dingen über Sonne als Energieträger weiter nachdenken. Grundlage dafür ist aber in jedem Fall die drastische Reduzierung von Verbrauch.

Einen hohen Bedarf an Hauswärme aus Holzpellets oder aus Wärmepumpen zu gewinnen, ist nicht umweltfreundlicher als Hauswärme aus Heizöl. Umweltfreundlich ist es hingegen, einen sehr geringen Bedarf zu haben. Die Investition in eine gute Dämmung ist der Investition in eine teure Heizung allemal vorzuziehen. Die neue Heizung sollte so günstig sein, dass Geld für die bessere Dämmung übrig bleibt. Gas- und Ölheizungen erfüllen diese Voraussetzungen besser als Wärmepumpen und Pelletheizungen.

Die Investition in die Zukunft muss beginnen. Sie muss nicht perfekt und endgültig sein. Sie kann in vielen Schritten erfolgen. Da Energie immer teurer wird, führt Abwarten nur zu Geldvernichtung. Wer mit der Investition in die Zukunft zu lange wartet, hat am Ende nicht mehr das Geld, diese zu tätigen. „Wer zu spät kommt, den straft das Leben.“

Heute Morgen straft uns die Börse wieder mit Höchstpreisen. Die Tonne Gasöl kostet 1.071,00 Dollar. Das Barrel Rohöl in New York kostet 117,83 Dollar.

Unsere Heizölpreise sind ganz oben. Sie folgen dem Weltmarkt. Ein Rückgang wäre fällig, da sich die Preise weit von einem mittleren Niveau entfernt haben. Die Marktstimmung lässt einen solchen Rückgang aber nicht erwarten. Mehr als auf deutlich sinkende Preise sollte man auf sinkenden Verbrauch setzen. Es gibt viele Maßnahmen, die nach und nach umgesetzt werden können. Um Möglichkeiten und Qualität von Maßnahmen beurteilen zu können, haben wir www.esytrol.com geschaffen.


22.04.08

Tiefpreis und Tageskommentar?
 

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Alle Kommentare:

misterdata schrieb am 2008-04-23 17:32:24 @Ronald: Pelletsheiz. sind zwar im Vergleich zu offenen, ungeregelten Holzheizungen mustergültig, beim Feinstaub aber Heizöl und Erdgas trotzdem weit unterlegen.

Die Betonung lag auf "hohen Bedarf an Hauswärme". Als Nischenlösung sind Pellets ok, für hohen Bedarf würden die Holzreste nicht ausreichen und es müsste gutes Bauholz verfeuert werden. Das kann nicht die Lösung sein. Für den weltweiten Heizbedarf würden die Wälder sowieso nicht ausreichen.

Und wenn man glaubt, C02-Emissionen vermindern zu müssen, darf man auch kein Holz verfeuern, sondern muss es langfristig in Form von Konstruktionsholz dem CO2-Kreislauf entziehen.

Ronald schrieb am 2008-04-23 09:26:47 interessant , aber das Pelletsheizungen nicht umweltfreundlicher sind als die , die mit fossilen Brennstoffen arbeiten, hätte doch einer Erklärung bedurft

misterdata schrieb am 2008-04-22 18:00:12 Auch von mir Lob und Zustimmung. Nur zwei kleine Anmerkungen:

Anstelle der leicht irreführenden deutschen Begriffe Bioöl/Biosprit sollte die international übliche Bezeichnung Agrosprit verwendet werden.

Bei offenen Holzfeuerstätten sollten die gesundheitsschädigenden Abgase erwähnt und berücksichtigt werden.

Sukram schrieb am 2008-04-22 15:05:38 Verfolge Ihre weisen Kommentare seit langem regelmäßig & will nun endlich mal meinen Dank dafür ausdrücken.

Hier natürlich auch uneingeschränkte Zustimmung.

Starke schrieb am 2008-04-22 10:25:32 Biotreibstoff verdrängt Lebensmittel in der dritten Welt
Das Thema haben wir Mitte März bei den Grünen in Baden-Württemberg diskutiert.
In den Industriestaaten kaufen Menschen weitgehend fertig verarbeitete Lebensmittel. Selbstgebackenes Brot ist Luxus. Eine Verdoppelung des Getreidepreises bedeutet, dass das Brötchen 10, das Brot 5 Prozent teurer wird. Das merkt der Harz IV Empfänger, der "Normalbürger" schimpft einmal und hat die Erhöhung dann eingepreist. Die Folge: Biokraftstoffe können in Industriestaaten nicht mit Lebensmitteln konkurrieren, es sei denn, sie werden massiv subventioniert.
Ganz anders in armen Ländern. Dort kaufen Menschen Grundnahrungsmittel. Bioenergie trifft die zweitärmsten, die Städter, die für Mehl oder Reis zahlen müssen.
Die Ärmsten, die Lebensmittel anbauen, haben von der Preissteigerung eventuell Vorteile. Wenn mehr Entwicklungshilfe bei Ihnen ankommt in Form von Information und Krediten.
Eine widersprüchliche, für viele dramatische Entwicklung. Eine Lösung der Energiekrise bietet entschlossene Energieeinsparung, Bioenergie ist ein bei gezielter Anwendung hochinteressantes Nischenprodukt.

Stefan Starke
Friedrichshafen



 
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