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2009 wird ein sehr mageres Jahr für die deutsche Mineralölindustrie
Nach einer Reihe von guten Jahren fällt die Profitabilität im Bereich Verarbeitung und Vertrieb im Jahr 2009 wieder auf das Niveau der 90er Jahre zurück.
Wie heftig die Profitabilität der deutschen Mineralölindustrie in diesem Jahr gesunken ist, lässt sich aus einem Vergleich der NIS-Ergebnisse des ersten Halbjahres 2009 mit denen des zweiten Halbjahres 2008 erkennen. Auf der Basis des Nationalen Informationssystems, NIS, für das die deutschen Mineralölkonzerne halbjährlich ihre Ergebnisse im Bereich Vertrieb und Verarbeitung (Downstream) dem Bundeswirtschaftsministerium melden, wurden in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres nach Sonderposten und vor Steuern 5 Euro/Tonne verdient, operativ, das heißt vor Sonderposten, waren es 9 Euro/Tonne. Im zweiten Halbjahr 2008 waren es noch jeweils rund 30 Euro/Tonne. Das bedeutet, dass das Ergebnis der deutschen Mineralölindustrie von einem Halbjahr zum anderen von rund 1,5 Milliarden Euro auf etwa 250 Millionen Euro geschrumpft ist. Hätten die Mineralölgesellschaften ihre Verwaltungs- und Vertriebskosten nicht deutlich gesenkt, wäre das Ergebnis noch schlechter ausgefallen. Für die Deutsche BP, Shell, Esso, Total usw. ist gewissermaßen eine neue Zeitrechnung angebrochen, wobei der EID schon mehrfach auf den Hauptgrund hingewiesen hat: den Einbruch im Verarbeitungsgeschäft. Betrugen die Raffineriemargen der zweiten Jahreshälfte 2008 vor allem in Folge der Knappheit von Mitteldestillaten wie Heizöl und Dieselkraftstoff durchschnittlich noch rund 60 Euro/Tonne, hat die Wirtschaftskrise mit dem Nachfrageeinbruch und der Entstehung weltweiter Raffinerieüberkapazitäten vor allem durch den Zubau in Nahost und Asien die Verarbeitungsmargen im ersten Halbjahr 2009 auf 29 Euro/Tonne und damit auf weniger als die Hälfte zusammenfallen lassen.Gegensätzliche Entwicklung von Raffinerie- und Tankstellenmargen
Stellt man diesen Bruttomargen Verarbeitungskosten in der Größenordnung von 25 Euro/Tonne gegenüber, ergeben sich Gewinne von 35 Euro/Tonne in der zweiten Jahreshälfte 2008 und nur noch 4 Euro/Tonne in den ersten sechs Monaten 2009.Gegensätzlich zu den Raffineriemargen haben sich die Tankstellenmargen entwickelt, dem zweiten großen Standbein der Mineralölindustrie. Wenn es im zweiten Halbjahr 2008 noch 6,94 Cent/Liter fürBenzin und 8,38 Cent/Liter für Dieselkraftstoff waren, stiegen die Bruttomargen in der ersten Jahreshälfte 2009 auf 8,96 Cent/Liter (Benzin) bzw. 9,22 Cent/ Liter (Diesel). Auch wenn berücksichtigt werden muss, dass sich die Kosten für das Blending von Biobestandteilen, die in den Margen nicht enthalten sind, etwas erhöht haben, das Geschäft an der Tankstelle hat für die deutsche Mineralölindustrie die Einbußen in der Verarbeitung, wenn auch nur relativ geringfügig, abmildern können.Wirft man einen Blick auf die ersten zehn Monate des Jahres 2009, so stellt sich heraus, dass die Raffineriemargen kumulativ in etwa auf das Niveau der Verarbeitungskosten gesunken sind, während die Tankstellenmargen im Durchschnitt weiterhin recht stabil geblieben sind. Vor diesem Hintergrund ist für das Gesamtjahr 2009 nur mit einem geringen Plus im Downstreamgeschäft der deutschen Mineralölindustrie zu rechnen, dessen Niveau bereits durch die schwachen NIS-Ergebnisse des erstenHalbjahres vorgegeben ist. Im Vorjahr hat man noch 20 Euro/Tonne eingefahren.
Wieder zurück auf das Niveau der neunziger Jahre
Sollten im Bereich Verarbeitung und Vertrieb in diesem Jahr rund 5 Euro/Tonne herauskommen, dann wäre man wieder in etwa auf das Niveau der neunziger Jahre zurückgefallen, als das durchschnittliche NIS-Ergebnis 3 Euro/Tonne betrug.In den 80er Jahren lagen die Durchschnitts-NIS-Ergebnisse wegen der katastrophalen Raffinerieprofitabilität sogar im Minus. Erst im neuen Jahrhundert begann eine, wie sich immer mehr herausstellt, kurze Zeit attraktiver Verarbeitungsmargen, die das durchschnittliche NIS-Niveau zwischen 2000 und 2008 auf 14 Euro/Tonne, in den letzten fünf Jahren sogar auf 20 Euro/Tonne hochschnellen ließ. Diese Zeit ist nun vorerst vorbei.
- Energie Informationsdienst vom 23.11.2009 48/09 S. 1f.
- 23. November 2009