esyoil – einfach schlauer heizen
Bullen und Bären sehen unterschiedliche Preisentwicklung
Die Bullen bei den Banken, angeführt vom größten Rohstoffhändler der Welt, Goldman Sachs, sehen einen Anstieg des Rohölpreises und erwarten, dass er gegen Ende 2011 wieder 100 US-Dollar je Barrel überschreiten wird. Begründet wird dieser Trend mit einem schwächer werdenden US-Dollar und dem weltweit stärksten Anstieg der Mineralölnachfrage in drei Jahrzehnten ausgelöst durch das weltweite Wirtschaftswachstum. Das werde zu einem Abbau der Ölbestände führen und die OPEC zur Anhebung der Förderquoten veranlassen. Ähnlich wie Goldman Sachs sehen das auch Barclay Capital, Societe General, Deutsche Bank oder JPMorgan, die in hohem Maße im Termingeschäft tätig sind und mit „Papieröl" handeln.
Dagegen erwarten die internationalen Handelsfirmen wie Glencore, Vitol oder Trafigura, die „richtiges" Öl ein- und verkaufen, für die nächste Zeit einen stabilen Ölpreis zwischen 70 und 85 US-Dollar je Barrel, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind, wie die letzte OPEC-Konferenz gezeigt hat. Diese Auffassung über die kurzfristige Entwicklung des Ölpreises teilt auch die Internationale Energie-Agentur (IEA). Sie und die Bären verweisen dabei auf die hohe Reserveförderkapazität der OPEC von rund 300 Millionen Tonnen jährlich, mit der sich sogar Ausfälle eines Förderlandes wie dem Iran ersetzen ließe. Ebenso gäbe es freie Kapazitäten in der Mineralölverarbeitung, so dass längere Stillstände von Raffinerien wie durch die Streiks in Frankreich nicht zu Engpässen zu führen brauchen. Und schließlich sieht die IEA in den kommenden zwölf Monaten eine geringere Zunahme des Weltölverbrauchs als im laufenden Jahr.
Einig aber sind sich Bullen und Bären darin, dass der Dollarkurs einen entscheidenden Einfluss auf den künftigen Ölpreis haben wird. So hat die jüngste Dollarschwäche zum Ausbruch des Ölpreises aus dem 70 bis 80 US-Dollar-Band geführt, das in diesem Jahr für eine relative Preisstabilität beim Öl gesorgt hat. Es hat sich gezeigt, dass fundamentale Marktbedingungen, die für Preisstabilität sprechen, von den Schwankungen des Dollars außer Kraft gesetzt werden können.
- Energie Informationsdienst 44/10 vom 01.11.2010 S.22
- 30. November 2010