eid Christof Rühl, der bereits im vergangenen Jahr BP´s Statistical Review of World Energy in Deutschland vorgestellt hatte, konnte in diesem Jahr die Präsentation der Energiezahlen als designierter Chef-Volkswirt der BP Gruppe übernehmen: Ab 1. September wird er Peter Davies in London als Chief Economist ablösen. Davis bleibt dem Unternehmen als Berater erhalten.
Aber auch der aktuelle Bericht zu jüngsten Entwicklungen im Energiebereich wartete mit neuen Entwicklungen auf. Starkes globales Wirtschaftswachstum, ein beschleunigter Primärenergieverbrauch, stark angestiegene Energiepreise, zunehmend CO2?intensiverer Energieverbrauch und der immer größer werdende Einfluss Chinas, das sind die markantesten Eckpunkte der letzten fünf Jahre.
Die Preise für Öl haben sich im Durchschnitt der letzten fünf Jahr mehr als verdoppelt, die für Gas sind um 75 Prozent nach oben gegangen, und auch Kohle ist durchschnittlich um 46 Prozent teurer geworden.
Gleichzeitig beschleunigte sich der globale Energieverbrauch ? allein China hat fast die Hälfte des Weltenergiewachstums in den letzten fünf Jahren erzeugt.
Allerdings zeigte sich 2006, dass sich das Wachstum des Energieverbrauchs in den OECD?Ländern verlangsamt hat. Für Rühl ein Indiz dafür, dass die Energienachfrage inzwischen auf die Preise reagiert. „Die Energieintensität hat
2006 dort abgenommen, wo die Preisanstiege am größten waren, wie beim Öl." Mit 78 Dollar je Barrel gab es im August vergangenen Jahres beim Öl einen historischen Höchststand. Gleichzeitig ging in den OECD?Ländern 2006 der Ölverbrauch um 400.000 Barrel pro Tag zurück, der stärkste Rückgang seit 20 Jahren.
Kohle hingegen erlebt weiterhin eine Renaissance und verzeichnete auch im achten Jahr in Folge das weltweit stärkste Wachstum unter den Brennstoffen. Vor allem China beeinflusst mit seinem Verbrauchsverhalten die Zahlen. Lässt man China aus der Betrachtung heraus, so nimmt Erdgas die Rolle des am schnellsten wachsenden Brennstoffs ein, der weltweite Gasverbrauch erhöhte sich im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent.
Der gestiegene chinesische Kohleeinsatz macht 70 Prozent des weltweiten Anstiegs der Verbrauchszahlen aus. China kann sich dabei aus billigen heimischen Kohlequellen bedienen und ist inzwischen für 39 Prozent des globalen Kohleverbrauchs verantwortlich. Der stetig wachsende Bedarf Chinas nach Kohle hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass die Nettoexporte des Landes um 45 Prozent zurückgegangen sind.
Das beschleunigte Wirtschaftswachstum, der steigende Energieverbrauch und der forcierte Kohleeinsatz blieben nicht ohne Auswirkungen auf die C0 2 ?Emissionen. In den vergangenen fünf Jahren stieg der CO 2?Ausstoß um 3,4 Prozent pro Jahr, drei mal mehr als in der Fünfjahresperiode zuvor. Problematisch ist dabei vor allem, dass der Energieverbrauch der letzten Jahre C0 2 intensiver geworden ist. Seit 2001 steigt die durchschnittliche CO 2?Intensität der Energie wieder kontinuierlich an und das „trotz des wachsenden internationalen Konsenses, dass etwas dagegen getan werden muss", so Rühl.
Allerdings sieht er auch „einen Schimmer der Hoffnung". Die Daten aus 2006 zeigten, dass das globale
Energiesystem durchaus auf Preisänderungen reagiere. „Gebe es einen globalen Preis für CO 2-Emissionen, dann könnte der Schadstoffausstoß zurückgefahren werden."
Auch bei den nachgewiesenen Öl- und Gasreserven sieht Rühl positive Vorzeichen: „Es gibt kein Anlass zu der Vermutung, dass der Welt in den nächsten Jahren die fossilen Brennstoffe ausgehen", bewertete er die aktuellen Daten. „Beim Wettlauf zwischen technischem Fortschritt und den Reserven hat bislang der technische Fortschritt immer noch die Oberhand."
Die Öl- und Gasreserven sind auch 2006 weitgehend konstant geblieben. Die nachgewiesenen Ölreserven liegen weiterhin bei über 1,208 Billionen Barrel, wobei die Ölreserven um 1 Milliarde Barrel unter der Vorjahreszahl lagen. Reserverückgänge in Mexiko und Norwegen konnten durch Steigerungen in Russland und Brasilien ausgeglichen werden. In dem diesjährigen Statistical Review sind zum ersten Mal in die Reservezahlen auch die kanadischen Ölsände mit eingeflossen. Der Anteil der Ölsände von 164 Milliarden Barrel ist allerdings unter „Sonstige" ausgewiesen und nicht unter den nachgewiesenen Reserven erfasst worden.
Die weltweiten Gasreserven betragen 181 Billionen m ³, was einer Steigerung von einer Billion Kubikmeter gegenüber Vorjahr entspricht, wobei der Großteil der Erhöhungen durch die OPEC-Mitglieder erreicht wurde.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 26/07 vom 25. Juni 2007 Seite 4-5
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