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DLR-Studie: Erneuerbare können 2050 80 Prozent des Weltenergiebedarfs decken

Bei gleichzeitiger Steigerung der Energieeffizienz könnte der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid bis zum Referenzjahr auf eine Tonne sinken.

Die globalen CO₂-Emissionen um über 80 Prozent bis zum Jahr 2050 zu mindern, ist möglich - 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs könnten dann durch erneuerbare Energien gedeckt werden, in der Stromerzeugung könnte der Regenerativanteil bis zu 95 Prozent ausmachen. Das jedenfalls glaubt man beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das jetzt die Studie „Energie [R]evolution: Ein nachhaltiger Weltenergieausblick" im Auftrag von Greenpeace und dem Europäischen Dachverband der Industrie für Erneuerbare Energien (EREC) erarbeitet hat.

„Unser Energiekonzept führt zu mehr Versorgungssicherheit. Es macht unabhängig von stark schwankenden Weltmarktpreisen für Öl, Gas und Kohle sowie deren umweltzerstörenden Förderungen. In Menschen und Arbeitsplätze zu investieren statt in Brennstoffe, zahlt sich mehrfach aus: Es schützt das Klima, spart Anpassungskosten und nutzt der Wirtschaft", sagte Sven Teske von Greenpeace International.

Nach den DLR-Berechnungen würden die Brennstoffkosten für Öl, Kohle, Uran und Gas bis 2030 allein im Strombereich um rund 5,3 Billionen Euro sinken. Damit ließen sich die Mehrkosten für den Umbau der Stromversorgung finanzieren. Insgesamt müssten für regenerative Kraftwerke zwischen 2007 und 2030 insgesamt 14,7 Billionen Euro investiert werden, 5,5 Billionen Euro mehr als im Referenzszenario, das auf Annahmen des IEA World Energy Outlook 2009 der Internationalen Energie-Agentur (IEA) basiert.

Greenpeace und EREC verstehen ihre Studie als „ökologischen Gegenentwurf" zum IEA-Szenario. Ausgehend vom Zwei-Grad-Ziel für die Begrenzung der Erderwärmung und einem globalen Emissionspeak zwischen 2015 und 2020 wurden die notwendigen Handlungen und Investitionen ermittelt, erläuterte Thomas Pregger vom DLR. Dabei werde der Ausstieg aus der Kernenergie, der Verzicht auf Carbon Capture and Storage (CCS), die begrenzte Nutzung „großer" Wasserkraft und der Einsatz nachhaltiger Biomasse unterstellt. Hinsichtlich der Technologien setze man auf Vorhandenes, spekulative Technologieoptionen seien nicht eingeflossen. Die Zunahme der Weltbevölkerung und die wirtschaftliche Entwicklung basiere auf den UN-Erwartungen. Auf dieser Basis sei ein Zehn-Regionen-Modell entwickelt worden, das auch die wirtschaftliche Entwicklung der Boom-Regionen einschließe. Danach könne der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß an CO₂ im Jahr 2050 bei einer Tonne liegen, ein Wert, der heute in Indien emittiert werde. „Es ist keine Frage der Verfügbarkeit von Techniken, lediglich eine Frage des politischen Willens und der politischen Rahmenbedinungen", sagte EREC-Geschäftsführerin Christine Lins. „Um eine Energierevolution zu erreichen, müssen die gegenwärtigen Wachstumsraten bei den erneuerbaren Energien zehn Jahre aufrecht erhalten werden." Bereits 2009 hätten in Europa 61 Prozent der neu installierten Stromerzeugungskapazitäten auf erneuerbaren Energien basiert. „Wir befinden uns schon auf dem Weg zur Energierevolution."

Bis 2020 werden die Strompreise laut der DLR-Studie im Vergleich zum Referenzszenario zunächst minimal um 0,4 Cent je Kilowattstunde steigen. Diese Mehrkosten würden jedoch nach 2020 deutlich absinken. Im Jahr 2050 lägen die Stromkosten dann um 3,3 Cent je Kilowattstunde niedriger als im Referenzszenario. Bis zum Jahr 2030 werde sich die Zahl der Beschäftigten im Erneuerbare-Energien-Bereich auf 8,5 Millionen vervierfachen. Das wären dann 3,2 Millionen mehr Arbeitsplätze als im Referenzszenario. Bei einem Weltmarktanteil im Sektor Regenerativenergie auf heutigem Niveau könnten dann mehr als eine Million dieser Arbeitsplätze in Deutschland liegen. Im Energiesektor insgesamt gäbe es dann 12 Millionen Arbeitsplätze. Die Umsätze der Erneuerbaren-Energien-Branche würden von derzeit 80 Milliarden auf über 480 Milliarden Euro im Jahr 2050 steigen.

Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist nach diesem Konzept eine zweite Säule unverzichtbar: Ohne gleichzeitige Anstrengungen für mehr Energieeffizienz und Energiesparen sei es nicht möglich, den Anteil der Erneuerbaren am weltweiten Energieverbrauch derart auszubauen, räumt Greenpeace ein. In den Berechnungen sind die von Greenpeace und EREC beauftragten Energiewissenschaftler nur noch von einer zwanzigjährigen Betriebsdauer für Kohlekraftwerke ausgegangen, also die Hälfte der für Kohlekraftwerke üblichen Lebensdauer. Für die Praxis hieße das, so Greenpeace, dass alle zwischen 2005 und 2020 installierten Kohlekraftwerke sukzessive bis 2040 durch erneuerbare Energiequellen ersetzt werden müssen - auch in China und Indien. Dieser Prozess werde nicht ohne finanzielle Unterstützung aus den Industrieländern möglich sein.

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