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Die energietechnische Revolution braucht umfangreiche staatliche Eingriffe

Die IEA hat ein Szenario entwickelt, in dem die C0₂-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent gesenkt werden müssen. Geschätzte Kosten: 316 Billionen US-Dollar.

Die derzeitige weltweite Entwicklung von Energieverbrauch und CO₂-Emissionen steht im Widerspruch zu den Warnungen des Weltklimarates (IPCC), nach denen das Erdklima bis 2050 im Vergleich zum Jahr 2000 um nicht mehr als 2°C steigen soll. Dazu müssen die CO₂-Emissionen um mindestens 50 Prozent unter das Niveau im Jahr 2000 gesenkt werden. Tatsächlich hat sich nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur (IEA) der Anstieg der Treibhausgasemissionen von 1,1 Prozent pro Jahr zwischen 1990 und 2000 auf mittlerweile 3 Prozent jährlich beschleunigt. Eine Fortsetzung dieses Trends ist weder für die Umwelt, noch für die Sicherheit der Energieversorgung, noch für die wirtschaftliche Entwicklung tragbar, wie das Basisszenario der IEA zeigt, bei dem sich die energiebedingten Treibhausgasemissionen bis 2050 in etwa verdoppeln würden. Die IEA hat daher das BLUE-Map-Szenario aufgestellt, bei dem diese Emissionen bis 2050 um 50 Prozent gesenkt werden. Erreicht wird das u.a. dadurch, dass im Gegensatz zum Basisfall der Primärenergieverbrauch der Welt um ein Viertel geringer ausfallen und die CO₂-Intensität des Energieverbrauchs um fast zwei Drittel zurückgehen wird. Im Einzelnen wird die Nachfrage nach flüssigen Brennstoffen um 4 Prozent abnehmen und zu einem Fünftel durch Biokraftstoffe gedeckt werden, der Verbrauch von Kohle um 36 Prozent und der von Erdgas um 12 Prozent abnehmen, so dass erneuerbare Energieträger den Primärenergieverbrauch zu 40 Prozent befriedigen müssen.

Ein großer Teil der erwünschten CO₂-armen Energietechnologien ist gegenwärtig noch teurer als die bisher üblichen Optionen. Staat und Wirtschaft müssen die energietechnische Revolution über eine Reihe paralleler und miteinander verknüpfter Entwicklungspfade vorantreiben. Dabei spielen die Regierungen eine entscheidende Rolle, indem sie Grundlagen und Rahmenbedingungen für Forschung, Entwicklung, Demonstrationsprojekte und Markteinführung schaffen, auf denen andere Akteure aufbauen können. Daher werden die Regierungen in den nächsten zehn Jahren in beispiellosem Umfang in den Markt eingreifen müssen, um ineffiziente und mit hohen CO₂-Emissionen verbundene Investitionen zu verhindern. In diesem Zusammenhang werden Maßnahmen eine große Rolle spielen, die CO₂-Emissionen mit einem Preis belegen. Aber die Verminderung der CO₂-Emissionen wird auch davon abhängen, in welchem Ausmaß Industrie, Unternehmen und Verbraucher die CO₂-armen Technologien verwenden. Diese stärker von sozialen und verhaltenspsychologischen Faktoren abhängigen Verbraucherentscheidungen können von den Regierungen ebenfalls beeinflusst werden.

Die IEA schätzt in ihrem Papier „EnergieTechnische Perspektiven 2010" die Kosten für das BLUE-Map-Szenario auf 316 Billionen US-Dollar. Das sind zwar 17 Prozent mehr als im Basisszenario vorgesehen, aber die IEA geht davon aus, dass durch die verminderte Nachfrage auch die Energiepreise nicht so stark steigen, so dass den Mehrkosten Minderausgaben gegenüberstehen. Während die Ölpreise im Basisszenario bis 2030 auf 120 $/b steigen können, erwartet man beim BLUE-Map-Szenario dann nur einen Ölpreis von etwa 70 $/b. Voraussetzung ist allerdings eine kräftige Erhöhung der Investitionen in CO₂-arme Technologien. In den letzten drei Jahren wurden dafür im Durchschnitt 165 Milliarden US-Dollar jährlich aufgewendet. Bis 2030 müssen es Jahr für Jahr 750 Milliarden und dann bis 2050 1,6 Billionen US-Dollar sein. Ursache des Anstiegs ist die steigende Nachfrage nach Pkw und anderen Konsumgütern in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Von den derzeitigen CO₂-Emissionen sind etwa 84 Prozent energiebedingt. Ungefähr 65 Prozent der Treibhausgasemissionen können der Energieversorgung und dem Energieverbrauch zugeschrieben werden.

Deshalb muss in allen Sektoren die CO₂-Intensität erheblich verringert werden, vor allem aber in der Stromerzeugung. Ihre derzeitigen Emissionen, die am energiebedingten Treibhausgasausstoß zu 41 Prozent beteiligt sind, würden sich im Basisszenario wegen der anhaltenden Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bis 2050 verdoppeln. Im BLUE-Map-Szenario wird dagegen die CO₂-Intensität der Stromerzeugung bis 2050 um 90 Prozent reduziert, weil fast die Hälfte des Stroms mit erneuerbaren Energieträgern und ein Viertel durch Kernenergie produziert wird. Der restliche Strom wird aus fossilen Kraftwerken mit CCS-Technik stammen. Rund 33 Billionen US-Dollar wird es laut IEA kosten, den Umbau der Stromerzeugung zu realisieren, wovon mehr als die Hälfte für neue Kraftwerke bestimmt sein muss. Hinzu kommt eine Anpassung der Stromnetze an die neue Art der Stromerzeugung, bei der fluktuierende Energieträger wie Wind, Wellen und Sonne eine große Rolle spielen werden. Insgesamt können unter diesen Umständen die Treibhausgasemissionen der Stromerzeugung bis 2050 um 76 Prozent gesenkt werden. In den vergangenen Jahrzehnten ist in der Industrie die Energieeffizienz gestiegen und die CO₂-Intensität gesunken. Wegen des steilen Anstiegs der weltweiten Industrieproduktion hat sich das aber nicht auf den CO₂-Ausstoß der Industrie, die heute für 20 Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich ist, ausgewirkt. Mit der Verwendung der jeweils besten CO₂-armen Technik wie z.B. CCS wird ihre Entkarbonisierung fortschreiten. Allerdings ist eine weltweite Lösung der Maßnahmen zur Förderung C0₂-freier Technologien erforderlich.

23 Prozent der derzeitigen globalen CO₂-Emissionen entfallen auf den Verkehrssektor. Immer mehr individuelle Mobilität und ein Bevölkerungs- und Einkommenszuwachs in Nicht-OECD-Ländern wird den Treibhausgasausstoß auf Well-to-Wheel-Basis in Nicht-OECD-Ländern um 60 Prozent steigen lassen, denen in den OECD-Ländern ein 2007 begonnener Rückgang der Treibhausgasemissionen gegenüber steht, der bis Mitte des Jahrhunderts 60 Prozent erreichen wird. Durch höhere Wirkungsgrade bei Verbrennungsmotoren und Einführung unterschiedlicher Arten des Elektroantriebs bestehen gute Chancen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der C02-Emissionen. Im BLUE-Map-Szenario geht die IEA davon aus, dass der Kraftstoffverbrauch im Verkehr 2050 zu 50 Prozent durch Strom, Wasserstoff und Biokraftstoffe und zu 50 Prozent durch fossile Kraftstoffe gedeckt wird. Die Nachfrage nach Biokraftstoffen wird 2030 infolge einer Umorientierung bei Pkw zur Elektromobilität und Wasserstoff abnehmen. Die IEA schätzt im BLUE-Map-Szenario, dass 2050 rund 80 Prozent aller neuen Pkw über einen derartigen Antrieb verfügen werden, bei Lkw, Schiffen und Flugzeugen werden es Biokraftstoffe sein, die die fossilen Mitteldestillate ablösen werden.

Um die verknüpften Herausforderungen von Versorgungssicherheit und Klimawandel und den zugleich steigenden Energiebedarf der Entwicklungs- und Schwellenländer zu bewältigen, so das Fazit der IEA, ist eine integrierte energietechnologische Revolution unerlässlich, bei der ein enormer Finanzbedarf anfällt und Maßnahmen zur beschleunigten Markteinführung CO2-armer Technologien ergriffen werden müssen, deren rasche Entwicklung durch einen drohenden Mangel an Fachkräften verzögert werden könnte.

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