"Energie aus Biomasse ist nicht per se gut"
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""Energie aus Biomasse ist nicht per se gut""

Gehört Biomasse tatsächlich in den Tank? Oder doch besser in die Heizung? Der Wirtschaftsbeirat Bayern diskutierte das auf eine Veranstaltung in München.

eid Die Frage, ob Bioenergie rundum gut ist, ist nicht nur für Rainer Elsässer, Leiter des Fachausschusses für Rohstoff- und Energiepolitik beim Wirtschaftsbeirat Bayern und ehemaliger Vorstand von E.ON Energie, kaum mit einem klaren Ja zu beantworten. Elsässer hatte zu einer Vortragsveranstaltung Mitte Februar im Münchner Hotel Bayerischer Hof zwei prominente Wissenschaftler eingeladen, die die Möglichkeiten, aber auch Risiken von "Energie aus Biomasse" aufzeigen sollten.

Der eine war Martin Faulstich, Inhaber des Lehrstuhls für Rohstoff- und Energietechnologie an der Technischen Universität München und zugleich Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), einem wissenschaftlichen Beratungsgremium der Bundesregierung. Zweiter Referent in München war Peter Michaelis, Professor für Umwelt- und Ressourcenökonomie an der Universität Augsburg.

Faulstich stellte auf der Informations-und Diskussionsveranstaltung des Wirtschaftsbeirates vor über 150 Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft das neue SRU-Sondergutachten "Klimaschutz durch Biomasse" vor. Er betonte, dass Biomasse zweifelsfrei unter den regenerativen Energien eine herausgehobene Stellung einnehme, was vor allem auf der guten Lagerfähigkeit und der Möglichkeit beruhe, sie als festen, flüssigen und gasförmigen Energieträger zur Verfügung zu stellen. Dadurch lasse sich Energie aus Biomasse zeitlich und räumlich flexibel bereitstellen.

Jedoch setze die Flächenverfügbarkeit und die Beachtung ökologischer Erfordernisse der Verwendung von Biomasse zur Energiegewinnung dem Ausbau gewichtige Grenzen. Von den 17 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche in Deutschland entfielen im vergangenen Jahr 2 Millionen Hektar oder 13 Prozent auf den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen und 5 Millionen Hektar auf Grünland. Eine verstärkte und intensivierte Nutzung der Flächen zu Gunsten des Anbaus von Energiepflanzen berge das Risiko, dass die Biodiversität verloren gehe, das Grundwasser verschmutzt werde und die Treibhausgasemissionen steigen, darunter neben Kohlendioxid auch Lachgas und Methan. Gerade der Umbruch von Grünland gehe laut Faulstich mit einer erhöhten Freisetzung von Treibhausgas einher.

Demgegenüber lasse sich das Potenzial der Nutzung von Reststoffen zur Energie erzeugung noch nachhaltiger ausschöpfen. Verschiedenen Studien zufolge, die auch in das Sondergutachten der SRU Eingang gefunden haben, sei das Potenzial der Energiehektarerträge bei der Verbrennung von biogenen Festbrennstoffen zur Wärmegewinnung und die Kraftwärmekopplung in der Stromgewinnung aus Biogas (Mais) gegenüber dem Kraftstoffsektor - Diesel aus Raps - um mehr als das Dreifache höher. Außerdem ließen sich beim Einsatz von Biomasse in der Wärme- und Stromerzeugung Treibhausgase wesentlich besser reduzieren als im Kraftstoffsegment. Wie sich das mit dem Ziel der Bundesregierung, bis 2020 17 Prozent Biokraftstoff beizumischen, während bei der Wärmeerzeugung ganze 14 Prozent eingeplant sind, vereinbaren lässt, ist unter anderem Gegenstand der laufenden politischen Diskussion.

Das andere große Thema im Zusammenhang mit Biomasse ist die Nachhaltigkeit. Ihm, Faulstich, bereite die soziale Verträglichkeit von Biomasseimporten aus Afrika oder Brasilien Anlass zu großen Bauchschmerzen, da der verstärkte Anbau von Biomasse in diesen Ländern eine unmittelbare Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und nachteilige Klimaeffekte durch flächendeckende Brandrodungen mit sich bringen. Hier sind nach Faulstich und Michaelis, ebenfalls Mitglied des SRU, dementsprechende Zertifizierungen nötig.

Um die Treibhausgasemissionen wirklich effektiv zu vermindern, empfahl Michaelis den Emissionshandel auf der ersten Handelsstufe, um einseitig belastende Auswirkungen aus einer selektiven Förderung wie etwa bei der Kraftstoffbeimischungsquote auszuschließen. Zudem sei eine Einsparung von Kraftstoff von zum Beispiel 10 auf 8 Liter allemal technisch einfacher und umweltschonender als eine Beimischung von 20 Prozent Biokraftstoff unter Beibehaltung des 10-Liter-Verbrauchs. Die Beimischungsquote zeige, so Michaelis, "wie politisches und ökonomisches Kalkül auseinanderdriften". Kfz-Industrie und Landwirtschaft gingen hier eine Allianz ein, die der ökologischen und ökonomischen Effektivität entgegen stehe (...).

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 10/08 vom 03. März 2008 Seite 15





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