Ab Januar 2006 soll der Energiebedarfsausweis - kurz "Energiepass' - die energietechnisch relevanten Daten von Gebäuden erfassen und für die Interessenten - Käufer, Mieter, Nutzer - zu Vergleichszwecken bereithalten. Eine entsprechende EU-Richtlinie über die "Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden" ist bereits in Kraft und muss bis 2006 in nationales Recht umgesetzt werden. Ziel ist neben der Dokumentation der Daten auch die Einleitung von Energieeinsparmaßnahmen und die Entwicklung objektspezifischer Handlungen. Für Haushaltsgeräte gibt es bereits eine entsprechende Kennzeichnung.
Die Bundesregierung bereitet zurzeit eine Rechtsverordnung vor. Über Form und Inhalt dieses Passes gibt es noch erhebliche Diskussionen. Während die Wohnungswirtschaft dafür schlicht den Durchschnittsverbrauch der letzten Heizperioden erfassen will - das ginge praktisch ohne zusätzliche Kosten -, plädieren die Bundesregierung, die Deutsche Energie-Agentur "dena", die sich als Kompetenzzentrum in Sachen Energieeffizienz versteht, und Wissenschaftler wie Prof. Gerd Hauser von der TU München für einen am rechnerischen Bedarf orientierten Energiepass. Damit könnte ein Gebäude unabhängig vom Nutzerverhalten und von meteorologisch schwankenden Bedingungen bewertet werden. Laut EU-Richtlinie muss ein Energiepass bei Bedarf auch Sanierungs- und Verbesserungsvorschläge für die Gebäudeenergieeffizienz enthalten. Diese Vorgabe, so Hauser in München, sei überhaupt nur mit einem bedarfsorientierten Zertifikat zu erreichen.
Diesen Energiepass könnten in Zukunft Architekten, Heizungsbauer, Schornsteinfeger und Fachleute mit ähnlicher Vorbildung ausstellen. Für diese Zusatzaufgabe ist eine Zusatzqualifikation erforderlich, für die Hauser bei gegebener Vorbildung etwa 120 bis 200 Unterrichtsstunden ansetzt. Für die reine Berechnung des Energiebedarfs eines Gebäudes steht bereits Software in ausreichendem Umfang und ausreichender Qualität zur Verfügung. Für die Erfassung der Daten einschließlich der notwendigen Begehung der Gebäude und die Ausstellung des Energiepasses wird mit einem Aufwand von drei bis vier Mannstunden gerechnet, sofern die Maße des Gebäudes aus Plänen übernommen werden können. Ohne Pläne - bei sehr alten Gebäuden - kann sich der Aufwand auch beträchtlich erhöhen.
In einem Pilotversuch testen gegenwärtig mehrere 100 Energieberater für "dena" die Erstellung des Energiepasses für viele 1.000 Gebäude. Für etwa ein Viertel der Pässe wurden dabei Kosten von weniger als 150 Euro errechnet, für weitere 50% Kosten von 150 bis 250 Euro. Größere Gebäude sind dabei in der Regel nicht wesentlich teuerer als kleine. Die "dena" strebt an, die Kosten weiter zu senken. Vor allem bei einheitlich gebauten Siedlungen und großen Gebäuden sieht sie dafür Potenzial.
Wie groß das Potenzial für die Energieeinsparung bei Gebäuden tatsächlich ist, wurde auf einer Tagung von "Bayern Innovativ", einer Initiative des Münchner Wirtschaftsministeriums, in München deutlich: Rund ein Drittel des Endenergieverbrauchs geht in die Gebäude, aber nur ein Drittel der Immobilienbesitzer denken bei ohnehin fälligen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten überhaupt daran, auch den Energieverbrauch zu optimieren. Dabei läge bei älteren Bürogebäuden, berichteten übereinstimmend die Professoren Gerhard Hausladen (Haustechnik) und Thomas Herzog (Architektur), beide TU München, der Energiebedarf bei bis zu 1.000 kW/h je qm und Jahr, wo energieoptimierte Bauten mit weniger als 100 kWh auskämen. Durch eine integrierte Betrachtung von Architektur, Bau- und Maschinentechnik und Gebäudenutzung könnten enorme Sparpotenziale gehoben werden.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 48 vom 22. November 2004 Seite 010
|