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Steigende Preise pflegen die Nachfrage zu dämpfen. Bisher ist
dieser Effekt auf dem Weltölmarkt nicht spürbar geworden. Im Gegenteil, im laufenden Jahr
dürfte der Ölverbrauch der Welt um 125 Millionen Tonnen höher ausfallen als 2003 und auch
im nächsten Jahr wird ein weiterer Anstieg des Ölverbrauchs erwartet. Zu tun hat das mit
dem wirtschaftlichen Wachstum in den USA und in Asien, mit der vermehrten Verlagerung der
Produktion in Länder mit relativ geringer Energieeffizienz und der im Vergleich zu
anderen unübertroffenen Flexibilität des Energieträgers Öl. Das zeigt sich besonders
in China. Dort hat Öl in diesem Jahr Kohle als den am schnellsten wachsenden
Energieträger abgelöst. Während die Zunahme des Kohlekonsums im laufenden Jahr von 16 auf
9 Prozent zurückgehen dürfte, rechnet man mit einer von 12 auf 14 Prozent zunehmenden
Nachfrage nach Öl. Der Verbrauch von Dieselkraftstoff und Heizölen ist in den ersten
Monaten 2004 um mehr als ein Drittel bzw. um ein Viertel gestiegen. Erstmals seit 1998
ist China wieder zu einem Nettoimporteur von Dieselkraftstoff geworden. An der
chinesischen Ostküste musste Diesel rationiert werden, und in manchen Provinzen haben
lokale Behörden Fabriken zur Energieeinsparung eine VierTage-Woche verordnet. Ausgelöst
wird diese Entwicklung von Kapazitätsengpässen in der Stromerzeugung. Sie haben Fabriken
veranlasst, sich durch Dieselgeneratoren in der Stromerzeugung unabhängig zu machen, um
Produktionsunterbrechungen durch Stromabschaltungen zu vermeiden. Mit Öl lassen sich
solche Engpässe schneller überwinden als mit dem Bau von Kohle- und Gaskraftwerken und
das auch noch zu relativ geringen Kosten. Nach Schätzungen der Internationalen Energie
Agentur (IEA) muss China bis 2030 in die Stromerzeugung 2.000 Mrd. Dollar investieren.
Das ist das Fünfzigfache dessen, was das Land derzeit für die Einfuhr von Öl ausgibt.
Zur Vermeidung weiter zunehmender Importe von Mineralölprodukten, die chinesischen
Raffinerien arbeiten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze, hat das Land das Verbot von
Raffineriebauten gelockert. Die China National Offshore Oil Company (CNOOC) will 1,9 Mrd.
Dollar in eine 12 Mill.-t-Raffinerie investieren, die 2008 neben der gemeinsam mit Shell
im Bau befindlichen Ethylenanlage in Betrieb gehen soll. Bis spätestens 2010 will Sinopec
für 1,2 Mrd. Dollar ein Werk errichten, das jährlich rund 10 Mill. t erzeugen soll. Vom
Weltmarkt kann China nämlich kaum zusätzliche Produktmengen erwarten. Nach IEA-Angaben
lasten US-Raffinerien ihre Kapazität zur Zeit zu 97% aus, und die Werke in Europa haben
ihr Durchsatzvermögen in den letzten zwölf Monaten zu mehr als 90% genutzt. Hohe
Nachfrage und erfreuliche Margen lassen die Raffinerien größere
Produktionsunterbrechungen zur Instandhaltung und Überholung so weit wie möglich
hinausschieben. Das aber erhöht die Gefahr ungeplanter Stillstände, wie sie in
Deutschland, Japan und den Niederlanden in den letzten Wochen eingetreten sind.
Viele Fachleute halten deshalb das gegenwärtige hohe Ölpreisniveau nicht wie der Chef der
US Federal Reserve Alan Greenspan für einen "Transitory Factor", der schnell vorbei gehen
dürfte. Sie glauben auch nicht an die Prognose der IEA, die einen Rückgang der Ölpreise
erwartet. Pessimisten sehen sogar eine drohende Energiekrise. Deutsche BP-Chef Dr. Uwe
Franke erwartet innerhalb eines Jahres eine Preisbandbreite zwischen 35 und 25 $/b.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 35 vom 23. August 2004 Seite 4
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