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IEA: Scheitelpunkt der Ölförderung nicht vor 2030, bei Gas viel später
Der Rohölpreis für die Nordseequalität Brent schwankt zzt. um die Marke von 50 $/b. Nach einer Spitze von über 52 ist er gerade wieder auf unter 50$/b gefallen. Damit ist Rohöl seit Jahresbeginn um rund 70% teurer geworden. Die Analysten von Merrill Lynch machen darauf aufmerksam, dass der bisherige Anstieg des Ölpreises derzeit nur etwa die Hälfte des Weges auf seiner Teuerungsstrecke bis hin zum Endverbraucher zurückgelegt hat. Diese Einschätzung wird auch dadurch gedeckt, dass die an den Heizölpreis gekoppelten Gaspreise erst im kommenden Jahr bei den deutschen Verbrauchern richtig ankommen werden - mit einem kräftigen Zuschlag. Allein die Ölpreissteigerung seit Jahresbeginn entzieht den Verbraucherländern eine Kaufkraft von rund 300 Mrd. Dollar. Bei einer Weltwirtschaftsleistung von derzeit 30 Billionen Dollar entspricht das einem Anteil von 1%. je nachdem, wie (psychologische) Wirkungen auf Verbrauch und Investitionen einschließlich der Rückflüsse aus den Ölförderländern insgesamt eingeschätzt werden, können zzt. Abstriche von den weltweiten Wachstumsprognosen für 2005 von 0,3% bis hin zur Erwartung einer Rezession (Morgan Stanley misst dem eine Wahrscheinlichkeit von 40% zu) beobachtet werden.
Unterdessen hat die Internationale Energie Agentur (IEA) ihren "World Energy Outlook 2004" vorgelegt. Wenn die Regierungen bei der derzeit verfolgten Politik bleiben, wird der weltweite Primärenergieverbrauch wie auch der Ölbedarf aus der Sicht der Agentur bis zum Jahr 2030 um fast 60% steigen und sich der Erdgasverbrauch verdoppeln. Fossile Energieträger müssen 85% des Zuwachses decken. Zwei Drittel des Mehrbedarfs werden von Entwicklungsländern, insbesondere von China und Indien ausgehen. Um die steigende Nachfrage zu decken, müssten bis 2030 rund 16 Billionen Dollar in die Energieversorgung fließen. DieCO2-Emissionen würden um mehr als 60% zunehmen.
Unterstellt wird bei diesem Referenzszenario neben dem Verharren der Politik auf dem Status quo ein durchschnittlicher Ölpreis von 25 Dollar je Barrel in Preisen des Jahres 2000. "Unsere Analyse zeigt, dass die Welt durch entschlossenes staatliches Handeln auf einen deutlich anders verlaufenden Energienutzungspfad gebracht werden könnte", sagte IEA Exekutivdirektor Claude Mandil. Das alternative Politikszenario setzt den globalen Energieverbrauch um 10% und die CO2-Emissionen um 16% niedriger an als im Referenzszenario. Die Mittel zum Erreichen dieses umweltfreundlicheren Wegs sind nach Meinung der IEA vor allem ein stärkeres Drängen auf Energieeffizienz sowie eine Umstellung im Energiemix zur Stromerzeugung zu Gunsten erneuerbarer Energien und Kernenergie. "Doch selbst nach diesem Alternativszenario wären die Energieimporte und die Emissionen im Jahr 2030 noch immer höher als heute und würden weiterhin zunehmen", betonte Mandil. Der alternative Weg sei viel sinnvoller und müsse angegangen werden, gleichzeitig stehe fest, dass mehr getan werden müsse. "Wir brauchen technologische Durchbrüche." Mandil nannte hier unter anderem die Atommüll-Endlagerproblematik, die CO2-Sequestrierung sowie Alternativen zum Öl im Verkehr.
Die Energieressourcen stellen für die weltweite Energieversorgung nach IEA-Einschätzung bis 2030 und darüber hinaus kein Hemmnis dar. "Der Welt geht das Öl bislang nicht aus", betonte Mandil. Der Scheitelpunkt der konventionellen Ölförderung werde nicht vor dem Jahre 2030 erreicht. Bei Erdgas und Kohle liege dieser Zeitpunkt in noch fernerer Zukunft. Doch das Thema Versorgungssicherheit treibt die IEA um. Beim Referenzszenario würde sich der überregionale Netto-Ölhandel auf 65 Millionen Barrel pro Tag mehr als verdoppeln. Versorgungsstörungen an wichtigen Verkehrskanälen wie der Straße von Hormuz oder der Malakkastraße könnten nach IEA-Einschätzung schwerwiegende Auswirkungen auf die Ölmärkte haben. Dadurch erhöhe sich die Dringlichkeit zur Sicherung der internationalen Seewege und Pipelines.
Auf längere Sicht kann die OPEC nicht von hohen Öl-Preisen profitieren. Sollten die Importpreise für die IEA-Mitgliedsländer bis 2030 im Schnitt bei 35 Dollar und damit um zehn Dollar höher als im Referenzszenario liegen, würden die Gesamteinnahmen der OPEC bis 2030 um rund 750 Milliarden US-Dollar niedriger ausfallen. Die Gründe: der Ölverbrauch läge um 15% niedriger als bei moderaten Preisen, und die Nicht-OPEC-Länder würden ihre Produktion deutlich erhöhen und somit den Marktanteil der OPEC schmälern.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 45 vom 01. November 2004 Seite 001

