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In China hat die Sicherheit der Energieversorgung oberste Priorität

Dabei setzt das Land auf heimische Quellen mit Erneuerbaren, Kernkraft und Kohle. Der Klimaschutz spielt im Energieprogramm nur eine untergeordnete Rolle.
Die USA und China sind dabei, ihre Energiepolitik zu formulieren. Während US-Präsident Barack Obama dabei, wie aus seiner jüngsten Ansprache aus dem Oval Office des Weißen Hauses hervor-geht, die Expansion der erneuerbaren Energien und die Unabhängigkeit des Landes von Energieimporten als natio¬nale Mission bezeichnet und Milliarden für die Solarförderung ankündigt, nimmt in China die Sicherheit der Energiever¬sorgung den ersten Platz ein. Und damit auch die Kohle, wie Li Junfeng, stellver¬tretender Generaldirektor für Energiefor¬schung der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, der „New York Times" erklärte. Das zeigt sich unter an-derem darin, dass dem 21-köpfigen Ko¬mitee, das das Energieprogramm ausar¬beitet, der Minister für Staatssicherheit und der stellvertretende Chef der Volks¬armee angehören, aber nicht Xie Zhen-hua, Chinas oberster Klimadiplomat.

In dem Programm, das nach dreijähriger Beratung zu Beginn des nächsten Jahres verkündet werden soll, geht es darum, den Energiebedarf des Landes so weit wie möglich aus heimischen Quellen zu decken. Deshalb setzt auch China auf die erneuerbaren Energien, wie die jüngsten Vorhaben zum Ausbau der Wasserkraft zeigen. Das Land ist bereits zum größten Hersteller von Windturbinen und Solarzellen geworden und investiert fast doppelt so viel in erneuerbare Energien wie die USA. Daneben will China aber auch in den nächsten zehn Jahren zum weltgrößten Erbauer von Kernkraftwerken werden. Die hohe Bedeutung, die der sicheren Energieversorgung und den heimischen Energieträgern beigemessen wird, erklärt auch die große Rolle, die Kohle in China spielt. Das Land verfügt nach den USA und Russland über die drittgrößten Kohlereserven der Welt. 80 Prozent des Stroms stammen aus Kohlekraftwerken, was China zum größten Treibhausgasemittenten der Welt gemacht hat mit wachsendem Vorsprung vor anderen Ländern. Trotzdem hat bei den Beratungen des Energieprogramms nur der saure Regen eine Nebenrolle gespielt. Das Erdklima war nicht von Relevanz.

China, das sich in den 90er Jahren von einem Ölexporteur in einen Ölimporteur verwandelt hat, bezieht große Mengen Öl aus Nahost. Im letzten Jahr löste es die USA als größter Abnehmer saudi-arabischen Öls ab und wird in fünf Jahren Amerikas Abhängigkeit von Ölimporten übertreffen. Diese Abhängigkeit bereitet der Regierung große Sorgen, zumal der größte Teil der Ölimporte die Straße von Malakka zwischen Malaysia und Indonesien passiert, die von den Chinesen als zur amerikanischen Einflusszone gehörend angesehen wird. Zunehmend Sorgen machen auch die Piraten aus Somalia. Deshalb versucht China, mehr Öl durch Pipelines z.B. aus Russland und Kasachstan zu beziehen, als per Tanker. Unklar ist noch, ob chinesische Ölgesellschaften weiter erhebliche Mittel in Ölvorkommen im Ausland investieren sollen, oder ob sich das Land auf die Liquidität des Weltölmarkts verlassen soll. Es gibt Stimmen, die sagen, dass die Auslandsinvestitionen chinesischer Ölgesellschaften wenig mit der Sicherheit der Versorgung zu tun haben, aber viel mit dem Gewinn der Unternehmen. Unklar ist ferner, in welchem Maß ausländische Unternehmen in Chinas Energiewirtschaft vertreten sein sollen. Gegenwärtig ist das nur im Rahmen von Gemeinschaftsunternehmen möglich. Damit verbunden ist die Frage, wie viel Wettbewerb es auf Chinas Energiemarkt geben soll. Gegenwärtig wird der Markt fast vollständig von staatlichen Unternehmen beherrscht.

Der beste Weg für eine saubere, bezahlbare und sichere Energieversorgung ist noch nicht gefunden. Und wie soll ein sparsamer Umgang mit Energie erreicht werden? Steuern auf Benzin und Diesel würden sicherlich den Verbrauch dämpfen. Doch in den ländlichen Gebieten sind die Einkommen viel geringer als in den Städten. Dort würden Kraftstoffe fast unerschwinglich.

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