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Irak steigert Ölreserven um ein Viertel
Die Ölvorkommen im Irak sind größer als bisher angenommen. Wie Iraks Ölminister Hussein al-Schahristani mitteilte, belaufen sich die bestätigten Ölreserven des Iraks auf rund 143 Milliarden Barrel oder 19,3 Milliarden Tonnen. Das ist fast ein Viertel mehr als bisher angenommen. Mit diesen Reserven ist der Irak nach Saudi-Arabien das zweitölreichste Land im Nahen Osten. Wenn man die schwierig zu gewinnenden Ölsände hinzunimmt, nimmt der Irak nach Saudi-Arabien, Venezuela und Kanada weltweit unter den Ländern mit den größten Ölvorkommen den vierten Platz ein.
Ausgelöst wurde die neue Reservenschätzung durch Erkenntnisse der internationalen Ölmultis, die sich das Recht zur Erschließung der enormen Ölvorkommen des Irak ersteigert hatten wie z.B. die Felder West Qurna, Rumaila oder Zubair im Süden des Landes. Insgesamt sind 16 Ölfirmen in verschiedenen Konsortien auf elf Vorkommen tätig geworden, z.B. BP mit der China National Petroleum Corporation, ExxonMobil mit Shell oder Statoil mit Lukoil. Wenn diese Unternehmen ihre vertraglichen Verpflichtungen einhalten, wird die Ölproduktion des Iraks von heute 125 Millionen auf 600 Millionen Tonnen im Jahr steigen und die derzeitige Förderkapazität Saudi-Arabiens erreichen. Fachleute zweifeln allerdings, dass diese Menge in kurzer Zeit zu erreichen ist, da es im Irak an Infrastruktur, Exportkapazität - und Sicherheit fehlt. Es gibt aber Pläne für neue Rohölleitungen an die Küsten und neue Umschlaganlagen am Persischen Golf sowie an den Küsten Syriens und der Türkei.
In der Branche war man von der Erhöhung der irakischen Ölreserven nicht überrascht. Seit langem war bekannt, dass der Irak über enorme Ölreserven verfügt, die eventuell sogar die Saudi-Arabiens übertreffen. Und ohne begründete Hoffnung auf erhebliche Ölmengen hätten sich die internationalen Ölgesellschaften kaum um Modernisierung und Ausweitung der irakischen Felder bemüht. Doch war es wegen der Verstaatlichung der irakischen Ölindustrie in der zweiten Hälfte der 70er Jahre, die Saddam-Diktatur, das Öl-gegen-Lebensmittel-Programm der Vereinten Nationen und die Sanktionen um die Ölwirtschaft des Landes still geworden. Das hat sich in den letzten Jahren und vor allem nach Abschluss der Dienstleistungsverträge mit den Ölmultis geändert.
OPEC-Auguren sehen auch einen Zusammenhang zwischen den neuen Angaben über die Ölreserven des Irak und dem bevorstehenden OPEC-Treffen am 14. Oktober. Zu Zeiten des UN Öl-Lebensmittelprogramms und der Sanktionen unterlag die Ölförderung des Landes nicht den OPEC-Quoten, mit denen die Produktionsmenge jeden Mitglieds der Organisation je nach Lage des Weltölmarkts festgelegt wird. Über die Quoten will die OPEC eine gewisse Stabilität beim Ölpreis erreichen.
Mit dem neuen Auftritt des Iraks auf dem Weltölmarkt muss die OPEC die irakische Förderung in ihr Quotensystem einbeziehen, und bei der Festlegung der Quoten spielt auch das Ausmaß der Ölreserven eines Landes eine Rolle. Ein Land im Wiederaufbau wie der Irak ist sicherlich an einer möglichst hohen Produktionsquote interessiert.
- Energie Informationsdienst 41/10 vom 11.10.2010 S.20
- 12. November 2010