eid Die Biokraftstoffpläne der Bundesregierung erweisen sich immer mehr als Stückwerk. Zurzeit weiß keiner genau, wie die ab 2009 laut Biokraftstoffquotengesetz geforderte Gesamtquote von 6,25 Prozent bezogen auf den Energiegehalt zu erfüllen ist. Denn ausgehend vom zu erwartenden gesamten Benzin- und Dieselabsatz für 2009 reicht die Beimischung von 10 Volumen-Prozent Ethanol beim Benzin (E10) bzw. 7 Vol.-Prozent Biodiesel (B7) nicht aus, weil sie vom Energiegehalt deutlich niedriger liegen.
Doch damit nicht genug. Jetzt liegt auch noch die Novelle der 10. Bundes-Immissionsschutzverordnung auf Eis und mit ihr die neue Kraftstoffnorm, die aus E10 und B7 normgerechte Kraftstoffe machen soll. Aufgeschreckt durch Meldungen, dass wohl doch weit mehr als die vom Verband der Automobilindustrie genannten 375.000 Benziner hierzulande kein E10 vertragen, verkündete Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der wie kein anderer bei der Erhöhung der Biofuel-Quoten vorgeprescht ist, er werde die neue Kraftstoffnorm erst in Kraft setzen, wenn die Zahlen des VDA und auch der Importeure zu den potenziell betroffenen Fahrzeughaltern, deren Fahrzeuge nicht E10tauglich sind, überprüft wurden. Beim ADAC glaubt man weiterhin, dass einschließlich ausländischer Fabrikate mehrere Millionen Pkw im Falle des erhöhten Ethanolgehalts auf das teurere SuperPlus umsteigen müssen.
Wie viele Modelle E10-tauglich sind und wie viele nicht, muss nun schnell auf den Tisch, denn die im Gesetz geforderten höheren Biofuelquoten gelten weiter. Bis Ende März wollen deutsche und internationale Autobauer nun neue Zahlen vorlegen, die, so die Meinung im Markt, so ausfallen dürften, dass eine Verabschiedung der Norm zeitnah erfolgen kann.
Bleibt die Frage, wie die für das kommende Jahr geforderte Gesamtquote von 6,25 Energie-Prozent zu erreichen ist - für die beimischenden Unternehmen eine ganz wesentliche Frage, drohen ihnen doch laut Gesetz hohe Strafzahlungen, wenn sie die Quoten nicht erfüllen. Im Prinzip kann dies nur über eine schnelle Verabschiedung der Norm geschehen, denn dann könnte sofort mit der höheren Beimischung begonnen werden, was insofern hilft, als dass die in diesem Jahr erreichten Mehrmengen für 2009 anrechenbar sind. 2010 besteht dieses Problem nicht, wenn auf die dann geforderte Gesamtquote von 6,75 Energie-Prozent ein Anteil von 3 Prozent im Raffinerieprozess hydrierter Pflanzenöle, die einen hohen Energiegehalt haben, angerechnet werden können.
Ansonsten kann die Quotenerfüllung 2009 wohl nur über eine deutliche Steigerung der Absatzmengen von reinen Biokraftstoffen erfolgen, wovon angesichts der prekären Lage, in der sich der B100-Markt seit der Aufhebung der Steuerbefreiung befindet, kaum auszugehen ist. Und für E85 sind die Hoffnungen kaum größer, weil es noch viel zu wenige Flexi-Fuel-Pkw gibt, die diesen Kraftstoff tanken können.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 10/08 vom 03. März 2008 Seite 25
|