Aus den in den letzten Wochen veröffentlichten Geschäftsdaten der großen Ölgesellschaften geht hervor, dass sie zwar ihre Investitionen in letzter Zeit kräftig erhöht haben, aber nicht so viel Öl und Gas fördern, wie sie sich von ihren gestiegenen Aufwendungen erhofft haben. Die Folge ist, dass sie für die restliche Zeit der laufenden Dekade kaum mit einem Wachstum ihrer Öl- und Gasproduktion rechnen. Die Royal Dutch Shell will in diesem Jahr die Rekordsumme von 25 Milliarden Dollar investieren, ohne in den nächsten Jahren eine Produktionssteigerung zu erwarten. Das Unternehmen wird weniger Bohrungen als früher, aber zu höheren Kosten abteufen. Außerdem erleidet es durch ständige, teils bewaffnete Auseinandersetzungen im Niger-Delta Produktionseinbußen und musste seinen Anteil am Projekt Sachalin II zu Gunsten der Gazprom vermindern. Bei BP ist es neben Verkäufen von Lagerstätten zu Verzögerungen neuer Vorhaben im Golf von Mexiko gekommen. Ferner steht dem Unternehmen bei Production Sharing Abkommen wegen hoher Ölpreise weniger Öl zu. Chevron und ConocoPhillips werden in den kommenden Jahren ihre Öl- und Gasförderung zwar erhöhen können, aber nicht aufgrund organischen Wachstums, sondern infolge von Akquisitionen. Nur bei ExxonMobil kann man von business as usual sprechen. Das Unternehmen ist zuversichtlich, seine Produktion von Öl und Gas mit Hilfe von Investitionen von rund 20 Milliarden Dollar per annum in den kommenden Jahren um 4,5 Prozent jährlich erhöhen zu können. Im letzten Jahr hatten die fünf Unter
nehmen ihre Investitionen um 31 Prozent auf 92,4 Milliarden Dollar gesteigert. Im laufenden Jahr wollen sie für Investitionen 96 Milliarden Dollar ausgeben.
Ganz unnütz waren die Aufwendungen natürlich nicht. Die Unternehmen konnten ihre 2006 geförderten Mengen mehr als ersetzen. Zum ersten Mal seit 1999 hat Shell ihre Gewinnung durch neue Felder ausgleichen können. Das Unternehmen erreichte eine Ersatzrate von 150 Prozent. Bei BP lag die organische Ersatzrate bei 113 Prozent, und Marktbeobachter sind zuversichtlich, dass ExxonMobil in den nächsten Wochen ähnlich positive Ergebnisse melden wird. Chevron, die in den letzten Jahren beim Ersatz der Förderung hinterhergehinkt war, konnte im vergangenen Jahr die Rate von 59 auf 70 Prozent anheben. Rechnet man auch noch die Ölsandreserven des amerikanischen Unternehmens hinzu, kommt man auf 101 Prozent.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 09/07 vom 26. Februar 2007 Seite 9
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