Zum wiederholten Male haben verschiedene OPEC-Mitglieder angekündigt, die angespannten internationalen Ölmärkte mit mehr Mengen entlasten zu wollen. Und auch dieses Mal wird darüber gerätselt, welches Kartellmitglied eigentlich über ausreichend freie Kapazitäten verfügt, die in Produktion gebracht werden können. Die Vereinigten Arabischen Emirate z.B. wollen kurzfristig 300.000 b/d oder gut 15 Mio. t/a Rohöl mehr fördern, und auch OPEC-Primus Saudi-Arabien hat erneut bestätigt, die Produktion jederzeit von aktuell 9,5 Mill. b/d (...) auf mindestens 11 Mill. b/d ausweiten zu können, das entspräche dann einer Jahresproduktion von gut 540 Mill. t. Die gesamte OPEC-Produktion dürfte gegenwärtig bei rund 30,5 Mill. b/d oder knapp 4,2 Mill. t/d liegen.
Doch damit hat es nach Meinung vieler Experten auch schon ein Ende. Investitionen in neue Kapazitäten gerade in den OPEC-Staaten seien längst überfällig. Die Zeiten, in denen z.B. Produktionsausfälle problemlos aus Überkapazitäten bedient werden konnten, seien lange vorbei. Heute bedeute ein Nachfrageanstieg bei einem mehr oder weniger gleichbleibenden Angebot sogleich steigende Preise.
Darauf wollen diverse Kartellmitglieder nun reagieren und haben umfangreiche Investitionspläne angekündigt. Die Mittel dafür scheinen zur Verfügung zu stehen, dürften die Umsätze der OPEC-Staaten in diesem Jahr dank der hohen Ölpreise doch um fast 20% zulegen. Die OPEC selbst schätzt den Investitionsbedarf, der zur Befriedigung der steigenden Nachfrage bis 2020 auftreten dürfte, auf rund 400 Mrd. Dollar (…).
Einer der Ersten, der konkrete Schritte in diese Richtung angekündigt hat, ist Abu Dhabis Ölminister Obaid Al Nassiri. Sein Land werde bis 2006 rund 5 Mrd. Dollar ausgeben, um die Produktion von heute 120 Mill. t/a auf dann 150 Mill. t/a zu erhöhen. Dabei sollen in begrenztem Umfang auch ausländische Gesellschaften zum Zuge kommen.
Kuwait hat seinen aktuellen Planungshorizont bis zum Jahr 2020 ausgedehnt. Bis dahin soll die Ölproduktion von heute 120 Mill. t/ auf 200 Mill. t/a oder mehr gesteigert werden. Die ersten 7 Mrd. Dollar sollen in die Ölvorkommen im Norden des Landes fließen, auch hier erwägt man die Beteiligung internationaler Ölkonzerne. Interesse an einer Zusammenarbeit haben BP, ChevronTexaco, ConocoPhillips ExxonMobil, Royal Dutch/Shell und Total gezeigt. Noch besteht allerdings Unklarheit über Umfang der zu erschließenden Reserven sowie die zu erwartende Verzinsung des eingesetzten Kapitals.
Auch Iran arbeitet an einer Erweiterung seiner Förderkapazitäten, wobei hier zunehmend heimische Firmen zum Zuge kommen sollen. Schon 2005 soll die Förderung von 215 Mill. t/a möglich sein, knapp 8% mehr als heute. Bislang wurden ausländische Firmen nach dem so genannten" Buy back"-Verfahren an bestimmten Projekten beteiligt. Dabei bringt der ausländische Partner gegen einen bestimmten Anteil an der Öl- und/Gasförderung die gesamten Investitionen für das betreffende Projekt auf, das er auch eine Zeitlang betreibt, bevor er es der National Iranian Oil Company übergibt. Über diese Formel gab es aber auch oft Streit zwischen den Partnern. Zu häufig forderte der Iran Nachverhandlungen, die ausländischen Firmen monierten die zu niedrige Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Saudi-Arabien hat sich bei konkreten Investitionen bislang bedeckt gehalten, allerdings seien einige Vorhaben angeschoben worden, um die Produktion der besonders gefragten leichten Rohöle zu erhöhen. Außerdem will die Staatsgesellschaft Saudi Aramco mehrere Milliarden Dollar für Material und Dienstleistungen bereitstellen, heißt es.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 43 vom 18. Oktober 2004 Seite 004
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