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Negatives Deutschlandbild in den USA - Eindrücke von einer Reise durch die Staaten

Gespräche mit Amerikanern zeigen, dass die deutschen Widerstände gegen Großtechniken wie Kohlekraftwerke und Kernkraftanlagen nicht nachvollzogen werden können.

Wenn man bei einem Aufenthalt von fünf Wochen im Südwesten der USA am Ball bleiben will, müssen möglichst viele Zeitungen gelesen werden, denn die Fernsehkost bietet kaum etwas Informatives aus Europa. Anders sieht es bei überregionalen Zeitungen wie dem „Wallstreet Journal", der „New York Times" oder der „Washington Post" aus. In diesen Blättern finden die Ereignisse in Europa, speziell auch in Deutschland ihren aktuellen Niederschlag, insbesondere weil die Unternehmenskurse an der Wallstreet durch Europas Finanzkrise gedrückt werden. Es fällt auf, dass die Bundesregierung eine sehr negative Bewertung erfährt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird vorgeworfen, Deutschlands Wirtschaftskurs sei unkalkulierbar und egoistisch. Manches der US-Kritik spiegelt aber auch die eigene Lage einer gelähmten Weltmacht und schwächelnden Volkswirtschaft wider.

Wirtschaftspolitische Gegensätze

US-Präsident Barack Obama ist ein Beispiel für die widersprüchliche Haltung gegenüber allem, was aus dem Ausland kommt. Höchst unbeliebt mittlerweile und ohne Konzept bei der Bewältigung der längst nicht ausgestandenen Finanz- und Bankenkrise stürzt sich Washingtons ursprüngliches Idol nun auf den britischen Feind. Die BP soll für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko büßen und hart bestraft werden - mit angedrohten Strafen, die das Londoner Spitzenunternehmen in den Untergang treiben könnten. Gleichzeitig verspricht Obama eine energiepolitische Wende; nur lässt er völlig offen, wie der Umstieg auf nichtfossile Energieträger wettbewerbs- und standortverträglich erreicht werden soll. Sicher ist jedoch, dass der US-Präsident keine Mehrheit für ein Programm im Kongress findet, das auf eine massive Subventionierung der regenerativen Versorgungsquellen wie in Deutschland durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hinauslaufen würde. Bei allen ideologischen Unterschieden stimmt die Mehrheit der US-Bürger darin überein, dass die Bewährung im Markt als Auslesekriterium wirksam bleiben sollte und höchstens staatliche Einstiegshilfen toleriert werden dürfen. Das deutsche Unterstützungssystem mit Dauersubventionen seit den 90er Jahren wird in der Regel als verfehlt kritisiert. Ein Manager aus dem „grünen" Kalifornien sagte dem EID: „Staatliche Dauerhilfen verleiten zum Abkassieren und verringern unternehmerische Effizienzanstrengungen."

US-Bürger sehen Markt als Auslesekriterium

Was in der Einschätzung der Energieszene durchschlägt, ist die Erfahrung aus der Vergangenheit, dass dieser Sektor immer wieder Überraschungen auf Lager hat. Das „Wall Street Journal" veröffentlichte am 10. Mai einen langen Artikel „How Shale Gas is going to rock the World". In der Schiefergas-Gewinnung wird eine neue Energiebrücke gesehen. Das Fazit: Die Energiestory bietet ständig Überraschendes - neue Ressourcen wie „Shale Gas". Gaskartelle seien damit beerdigt. In den USA gibt es keine Akzeptanzkrisen für die Erprobung neuer Techniken, was für nüchternen Pragmatismus steht. Die Gespräche mit Amerikanern zeigen, dass die deutschen Widerstände gegen Großtechniken wie Kohlekraftwerke oder Kernkraftanlagen nicht nachvollzogen werden können. Die Sorge um Wirtschaftskraft und Jobs überwiegt; denn Washington gewährt keine Dauerhilfen für Arbeitslose.
Allerdings wächst in den USA auch die Sorge vor Wirtschaftskrisen. In einzelnen Regionen macht sich Pessimismus breit. Die Regionalzeitung „Reno Gazette-Journal" überschrieb eine große Reportage am 6. Juni sinngemäß mit „Die sich beschleunigenden Krisen lassen die Amerikaner ihren Sinn für Optimismus verlieren". Vor dem Hintergrund düsterer Wirtschaftsdaten - Verdoppelung der Arbeitslosigkeit auf 10 Prozent seit Ende 2007 - bröckelt der Optimismus; Obama wird immer öfter als politischer Blender bewertet; die Abneigung gegen den gesamten politischen Apparat in Washington steigert sich bis zum Hass - populistische Bewegungen wie die Anhänger der ultrakonservativen „tea party" bekommen starken Zulauf. Die Wahlen im November könnten viele neue Gesichter in den Kongress bringen, möglicherweise Republikaner.
Zurück zum Deutschlandbild der US-Medien. Tenor der amerikanischen Berichterstattung in Leitartikeln ist: „Germany versus Europe". Deutschland übernehme keinen „fairen Anteil" in der globalen Konjunktur-Stimulierung, zeige sich wenig kooperativ bis unsolidarisch und verzettele sich in Sonderwegen sowie Alleingängen - in der Finanz-, Wirtschafts-, Energie- und Klimapolitik. Und Merkel präsentiere sich als Einzelkämpferin ohne Bereitschaft zum Dialog und mit „nationalist illusions".
An allem mag etwas dran sein. Aber was wäre zu einem USA-Bild aus deutscher Sicht zu sagen, insbesondere wenn es um Energiepolitik geht? Seit Jahrzehnten versuchen sich US-Regierungen in der Rhetorik, die Ölimportabhängigkeit des Landes zu verringern. In dieser Zeit ist sie eher gestiegen, und Barack Obamas Klage „Jeden Tag überweisen wir eine Milliarde US-Dollar unseres Wohlstands an andere Länder, um sie für ihr Öl zu bezahlen", kommt nicht von ungefähr. Aber an ihrem „heiligen Recht" auf billigen Kraftstoff lassen die Wähler nicht rütteln, und es hat ganz den Anschein, als ob Obama trotz des Desasters im Golf von Mexiko und trotz seines rhetorischen Willens daran scheitern wird, eine Öl- und Klimaschonende Energiepolitik zu betreiben. Obamas Dilemma ist, dass, wenn er Tiefseebohrungen untersagt, die US-Ölimportabhängigkeit weiter steigen wird. Der deutsche Reisende in den USA ist sich trotz der Unterschiede in der Ausgangslage über die Interdependenzen klar. Im letzteren Fall wird auch für deutsche Autofahrer das Benzin teurer.

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