Neue Zuckerrübe aus Indien für den Tank
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"Neue Zuckerrübe aus Indien für den Tank"

eid Sogar Cargill, der größte Getreidehändler der Welt, sieht das Programm der US-Regierung zur Förderung von Biokraftstoffen skeptisch. Denn Vorstandschef Bill Veazey fürchtet, dass der Konflikt zwischen Nahrungsmittelerzeugung und Kraftstoffgewinnung weiter eskaliert. Der US-Agrarhandels-Konzern verdient bei den stark gestiegenen Getreidepreisen zwar glänzend: Bei einem um 17 Prozent auf jetzt 88,3 Milliarden Dollar erhöhten Umsatz stieg der Nettogewinn von Cargill 2006 um 52 Prozent auf 2,34 Milliarden Dollar. Doch wenn die amerikanische Regierung an ihrem Ziel festhalte, bis 2017 die Produktion von Biokraftstoffen in den USA auf 35 Milliarden Gallonen pro Jahr auszuweiten, drohe ein Krieg um Biomasse. Obwohl Cargill schon selbst 5 Prozent seines Umsatzes mit Bio-Kraftstoffen, vor allem Ethanol, erzielt, mahnt er, andere Wege zu suchen.

Ganz ähnliche Töne kommen von Jacques Diouf, dem Generaldirektor der FAO, der Agrar- und Nahrungsmittelorganisation der Vereinten Nationen. Mit ihrer Biokraftstoff-Strategie riskierten die Industrieländer weltweit wachsende Armut und schlimmere Umweltschäden. Brasilien, Europa und die USA stehen bisher für 95 Prozent der Biokraftstoff-Produktion weltweit, der kleinere Rest verteilt sich auf China, Indien und Kanada. Diouf ermahnte vor allem Europa und die USA, ihre Importbarrieren gegen Bio-Kraftstoffe aus Drittländern zu senken. Wenn Ethanol aus in den USA angebautem Mais und Biodiesel aus in Europa produziertem Raps stammt, treibt das die Preise für Nahrungsmittel weltweit in die Höhe. Darunter leiden dann vor allem die Entwicklungsländer. Wenn sich aber die Produktion von Biokraftstoff in Entwicklungsländer verlagern ließe, könnte das sogar Chancen bieten, Hunger und Armut zu mindern.

Eine solche Chance testet der weltweit führende Schweizer Agribusiness-Konzern Syngenta gerade in Indien: Zucker für Treibstoffe. Syngenta, mit der Monsanto-Gruppe in etwa gleichauf an der Spitze der größten auf Agrarchemie und Grüne Gentechnik spezialisierten Konzerne, hat in Indien spezielle Zuckerrüben entwickelt, die nicht nur unter tropischen Bedingungen wachsen, sondern auch mit wenig Wasser auskommen. Sie reifen überdies schneller als herkömmliche Zuckerrüben und können schon nach fünf Monaten geerntet werden. Damit konkurriert die Zuckerproduktion nicht mehr mit dem Anbau anderer Pflanzen wie Getreide für Nahrungsmittel. Denn schließlich können die Landwirte auf der gleichen Fläche noch eine zweite Pflanzenart anbauen und so ihr Einkommen steigern.

In Kalas, in der Nähe des indischen Pune im BaramatiDistrikt, arbeitet Syngenta mit über 12.000 Bauern und der Harneshwar Agro Products Power & Yeast India zusammen, Abkürzung Happy India. Deren Bioethanol-Anlage verarbeitet die Syngenta-Rüben zu Ethanol. Die Reste der Rüben lassen sich noch als Basis für Viehfutter oder als Kompost nutzen und können so helfen, den Boden in der ariden Zone zu verbessern.

Laut Sharad Pawar, dem indischen Minister für Ernährung und Landwirtschaft, ist „die Regierung an den neuen technologischen Chancen sehr interessiert und will die Einführung der Syngenta?Rübe in ganz Indien vorantreiben". Projekte wie das von Syngenta in Indien liegen genau auf der Zielgeraden zu der neuen Arbeitsteilung, wie sie der FAO-Generaldirektor Diouf anpeilt, um den Konflikt zwischen der Erzeugung von Nahrungsmitteln und der Produktion von Bio-Kraftstoffen mildern zu helfen, wenn nicht ganz aufzulösen. Doch dazu dürften Europa und die USA die Importe von Biokraftstoff aus Drittländern nicht länger aussperren.

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 41/07 vom 08.Oktober 2007 Seite 7





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