Das OPEC-Sekretariat hat den Mitgliedern der Organisation zur Vorsicht bei Investitionen in die Öl- und Gaserschließung geraten, wie sie von den Verbraucherländern zur Wiederherstellung ausreichender Reservekapazitäten in letzter Zeit wiederholt nachdrücklich gefordert werden. Die
derzeitigen Unsicherheiten erfordern nach Ansicht des OPEC-Forschungsdirektors Adnan Shihab Eldin Behutsamkeit hinsichtlich Ausmaß und Tempo solcher Aufwendungen. Ungewiss seien zurzeit die künftige Wachstumsrate der Weltwirtschaft, die regulatorischen Auflagen in den Abnehmerländern, der technische Fortschritt und die Entwicklung der Ölpreise. Diese Unsicherheiten zusammen mit den langen Vorlaufzeiten von Ölinvestitionen machten es schwierig, den Umfang der Investitionen zu bestimmen und die Stabilität des Ölmarktes aufrecht zu erhalten.
Auch der OPEC ist klar, dass zur Deckung des künftigen Ölbedarfs der Welt und für eine ausreichende Reservekapazität im Falle unerwarteter Ereignisse Investitionen vorgenommen werden müssen. Doch hält es die Organisation nicht für erforderlich, ihre Investitionen über das normale Maß hinaus zu steigern. In ihrem "Reference Case" rechnet die OPEC mit Aufwendungen von 382 Milliarden Dollar bis 2025. Im "Low Economic Growth Case" wären es aber lediglich 258 Mrd. Dollar (...). Es könnten also Überinvestitionen von 124 Milliarden Dollar drohen. Die Fähigkeiten und das Know-how der nationalen Ölgesellschaften der OPEC-Länder seien unterschiedlich. Trotzdem gebe es, so Eldin, in jedem Land Möglichkeiten zu einer Zusammenarbeit zwischen den nationalen und internationalen Ölgesellschaften, aber sie müssten immer den jeweiligen lokalen Umständen entsprechen.
Seinen Rat zur Vorsicht bei Investitionen begründet Eldin mit seiner Überzeugung, nach der die Ölpreise wieder sinken werden. Beispielsweise könnte der Ölverbrauch durch Verringerung des spezifischen Kraftstoffverbrauchs bis 2025 um 250 Mill. t im Jahr (5 Mio. b/d, Anm. esyoil) zurückgehen. Kurzfristig wären die Preise durch eine überraschend hohe Nachfrage, "Spekulation" und Furcht vor Versorgungsengpässen in die Höhe getrieben worden. Dort würden sie jedoch nicht bleiben.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 45 vom 01. November 2004 Seite 008
|