Heizöl von esyoil

esyoil Special:

Ölvorräte sollen aufgestockt, Erdgasvorräte angelegt werden


Die EU-Kommission schlägt vor, die Ölvorräte "von 90 auf 120 Verbrauchstage" aufzustocken. Außerdem sollen erstmalig Erdgasreserven angelegt werden. "Die Mitgliedstaaten werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um insbesondere die Versorgung der auf die Versorgung unbedingt angewiesenen Verbraucher, die das Gas durch keinen anderen Brennstoff ersetzen können, sechzig Tage lang bei durchschnittlichen Witterungsbedingungen zu gewährleisten, falls es bei der wichtigsten Gasalleinversorgungsquelle zu einer Störung kommt. Darüber hinaus werden weitere Maßnahmen getroffen werden, um auf außergewöhnlich niedrige Temperaturen reagieren zu können", heißt es in einem Memorandum der Kommission zur Verbesserung der Versorgungssicherheit.

Den derzeitigen Richtlinien zufolge, die vor mehr als 30 Jahren eingeführt wurden, müssten die 15 Mitgliedstaaten Vorräte an Erdöl und Erdölerzeugnissen in einer Höhe halten, die 90 Verbrauchstagen entspricht, heißt es weiter. Ferner müssten sie über die Interventionspläne für den Fall einer Versorgungsunterbrechung verfügen. Diese Mechanismen seien jedoch angesichts des energiepolitischen Umfeldes nicht geeignet:

- Im Krisenfall verfüge die Kommission über keinerlei Befugnis für die Verwendung der Sicherheitsvorräte. Abgesehen von großen Störungen im Binnenmarkt würden die von jedem Staat für sich getroffenen Maßnahmen angesichts der Größe des Marktes keine Auswirkungen haben.

- In einigen Ländern gebe es eine Bevorratungsstelle. In anderen Staaten würden die Vorräte von den Erdölunternehmen gehalten. Dieses zersplitterte Bevorratungssystem führe zu Wettbewerbsverzerrungen. Zudem sei keineswegs sicher, in welcher Höhe die Vorräte im Krisenfall tatsächlich in Anspruch genommen werden können.

- Die derzeitigen Rechtsvorschriften sehen abgestimmte Regeln für die Verwendung der Vorräte nur für den Fall einer physischen Versorgungsunterbrechung vor. Es gebe kein Instrument für eine abgestimmte und solidarische Verwendung der Vorräte, um auf eine starke Volatitität der Märkte zu reagieren.

- Im IEA-Vertrag (Internationale Energie Agentur, Anm. esyoil) sei die Verpflichtung der Teilnehmerstaaten verankert, Erdölsicherheitsvorräte zu halten, ferner sei in ihm ein Reaktionsmechanismus für den Fall einer Versorgungskrise vorgesehen. Für die Länder der Europäischen Union seien diese Mechanismen nicht ausreichend:

Der derzeit von der IEA verwendete Krisenmechanismus setze die Einstimmigkeit der 26 Teilnehmerländer voraus. Dieser Mechanismus binde folglich die Verwaltung der Erdölvorräte der Europäischen Union an die zahlreicher externer Partner, deren Prioritäten nicht notwendigerweise mit denen der Union übereinstimmen, insbesondere mit dem Ziel der Schaffung eines integrierten Binnenmarktes.

In dem neuen liberalisierten Gasmarkt werde künftig kein Akteur zwangsläufig allein für die sichere Erdgasversorgung verantwortlich sein. In einem vom Wettbewerb geprägten Markt sei nicht sicher, ob die Gaslieferanten die Versorgungssicherheit als strategische Priorität betrachten werden, da die Wettbewerbsfähigkeit immer mehr zum Hauptziel der Gasfirmen werde.

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 38 vom 16. September 2002 Seite 009