esyoil – einfach schlauer heizen
Preisbildung an der Börse
Ist die Spekulation auf „Paper Barrels“ ein Mittel, um den Preis stabil zu halten?
Es gibt 3 Möglichkeiten mit Rohöl zu handeln:
Durch langfristige Verträge sichern sich große Mineralölunternehmen den Preis von Rohöl ab um Planungssicherheit zu erhalten.
Auf Spotmärkten kann Rohöl zu festen Tagespreisen von Lieferanten bezogen werden. Hierbei wird der Vertrag inkl. Kauf, Lieferung und Abnahme innerhalb von zwei Tagen erfüllt.
An Warenbörsen durch Kaufen und Verkaufen von standardisierten Rohölkontrakten (Futures). Hierbei ist die physische Erfüllung des Handels meisten unerwünscht.
Spekulation auf börsennotierte Waren findet schon seit langer Zeit statt. Doch erst mit der Einführung des Heizölkontraktes im Jahr 1974 an der New York Mercantile Exchange (kurz NYMEX) können Spekulanten mit Ölpapieren handeln. Seinen Durchbruch hatte der Handel nach 1978 mit der Beendigung der bis dahin in den USA geltenden staatlichen Regulierung der Heizölpreise.
Bis zur Ölkrise im Jahre 1973 wurden 95 % der Ölgeschäfte durch langfristige Verträge zwischen den Erzeugern und Abnehmern abgewickelt. Zwischen 1973 und 1985 erlebte der Spotmarkt seinen Frühling. Während dieser Zeit stieg der Rohölhandel an den Spotmärkten von etwa 5 % auf fast 90 % des gesamten Handels.
Ölfutures an der NYMEX nennt man „Paper Barrels“, während man das physische Öl am Spotmarkt als „Wet Barrels“ bezeichnet.
Gehen Spekulanten von steigenden Preisen aus, so erwerben sie Ölfutures und erhalten dadurch eine so genannte „Long-Position“. Vermuten Spekulanten fallende Preise, so werden Leerverkäufe getätigt, bei denen sie Öl, das sie nicht besitzen, verkaufen. Gewinne erzielen die Spekulanten hierbei durch die Differenz zwischen dem hohen Verkaufspreis und dem niedrigeren Einkaufspreis bei Glattstellung der so genannten Short Position.
Ab dem Jahr 1985 ist der Anteil an „Paper-Barrel-Geschäften“ mit Rohöl am Gesamthandelsvolumen exzessiv gestiegen und der Handel an Spotmärkten im Gegensatz dazu proportional zurückgegangen. Um 1990 waren es noch etwa 50 % der Ölgeschäfte, die auf Spotmärkten getätigt wurden. Im Juni des Jahres 2008, als der Ölpreis seinen geschichtlichen Höhepunkt erreichte, wurde nur noch jedes 100ste Ölgeschäft auf dem Spotmarkt getätigt. Es lässt sich vermuten, dass die „Paper-Barrels“ den Spotmarkt in Gänze bald aus dem Weltölmarkt verdrängen werden.
Nachdem Allzeithoch im Juni 2008 stellt sich die Frage: Woher kommen Schwankungen und Preisanstiege, wie in diesem Sommer geschehen?
Einerseits bestimmt die 1960 gegründete OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) die Fördermenge durch die Vergabe von Erdölförderquoten und reduziert oder erhöht somit das Angebot auf dem Markt. Das Ziel der Förderquoten ist, den Ölpreis auf einem Niveau zu stabilisieren, welches den Förderländern einen möglichst hohen Preis garantiert, aber gleichzeitig das Wachstum in den Verbraucherländern nicht gefährdet. Klar ist, dass aufgrund der steigenden Nachfrage besonders durch das enorm starke Wirtschaftswachstum Chinas (11,9 % 2007 und etwa 10,3 % 2008) der Ölpreis steigen muss, da dass Angebot der OPEC nicht unbegrenzt ist. Allerdings stehen der Takt des weltweiten Wirtschaftswachstums und die Geschwindigkeit der Ölpreisbewegungen in keinem rationalen Verhältnis zueinander. Des Weiteren ist der tatsächliche Einfluss der OPEC auf den Ölpreis sehr gering. Dies beweist das von der OPEC im Jahre 2000 eingeführte Preisband, wonach sich der Ölpreis zwischen 22 und 28 US Dollar einpendeln sollte und die OPEC bei Überschreitungen von 28 $ die Förderquoten erhöht oder bei einem Preis von unter 22 $ das Angebot verringert. Nachdem sich der Ölpreis Im Verlauf des Jahres 2004 trotz der Intervention der OPEC zu keiner Zeit innerhalb des Preisbandes befand, wurde es als gescheitert erklärt. Abermals wurde die Machtlosigkeit der OPEC bei der Ölpreisgestaltung deutlich. Es muss also noch andere Gründe für die Volatilität des Ölpreises geben.
Den Preis bestimmen wirtschaftliche, politische und natürliche „Katastrophen“. Wie die jetzige Finanzkrise zeigt, ist die Angst vor der Rezession Auslöser für viele Spekulanten, ihre Futures zu verkaufen, da sie damit rechnen, dass aufgrund einer weltweiten Rezession die Nachfrage nach Rohöl sinken wird. Des Weiteren nutzen viele Spekulanten die Möglichkeit Leerverkäufe zu tätigen, da sie auf den sinkenden Ölpreis spekulieren.
Politische Gründe für einen starken Ölpreisanstieg sind historisch erfasst. 1979 nachdem sich die Weltwirtschaft scheinbar von der ersten Ölkrise im Jahr 1973 erholt hatte, führte die iranische Revolution und der darauf folgende Angriff des Iraks auf den Iran zu Förderungsausfällen bei zwei der wichtigsten Öllieferanten der Welt. Ausgelöst von einer Angebotsverknappung wurde der Ölpreis durch Spekulation in die Höhe getrieben.
Als Hurrikan Katrina im Jahre 2005 zunächst auf den Golf von Mexiko und dann auf New Orleans traf, stieg der Ölpreis auf ein neues Allzeithoch. Grund dafür war die Angst vor einer Ölknappheit in den USA, da Medien über starke Beschädigungen an den Raffinerien und an den Bohrinseln im Golf von Mexiko berichteten. Später wurde bekannt, dass die Beschädigungen geringer als ursprünglich vermutet waren. Der Preis stieg offensichtlich aufgrund von irrelevanten Schäden stark an.
Wie aus den drei geschichtlichen Ereignissen mit verschiedenen Hintergründen zu ersehen ist, liegt der wichtigste Grund für die starken Schwankungen des Ölpreises in der Angst der Welt vor den Schwankungen selbst begründet.
Die Spekulation auf „Paper Barrels“ ist kein Mittel, den Ölpreis stabil zu halten! Spekulationen fördern die Schwankungen zusätzlich und dienen somit als Volatilitätsmultiplikator.
Jascha Rübcke
Leuphana Universität Lüneburg
Seminarbeitrag im Modul "Wissenschaft trägt Verantwortung"
WS 2008/09
- 1. Juli 2010