eid Die Union zur Förderung von Oel und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) fürchtet um die Zukunft des Biodiesels. Die 2006 eingeführte Besteuerung des Biodiesels, die im kommenden Jahr erhöht werden soll, könnte den von UFOP als „derzeit einzige sinnvolle umweltverträgliche Alternative zu Mineralöldiesel" angesehenen Kraftstoff finanziell so unattraktiv machen, dass Biodiesel wieder in die Ökonische zurückgedrängt wird, aus der es in den letzten Jahren so erfolgreich hervorgetreten war. Gegenwärtig wird Raps in Deutschland auf 1,5 Millionen Hektar angebaut. Auf dieser Fläche wachsen mehr als 5 Millionen Tonnen Rapssaat, die größtenteils im Inland verwendet werden. Aus den 3.600 Kilogramm Rapssaat, die je Hektar geerntet werden, lassen sich 1.600 Liter Rapsöl oder Biodiesel gewinnen, was im Fall des Kraftstoffs im Vergleich zu normalem Diesel aus Rohöl zu einer Einsparung von 3,5 Tonnen CO 2 führt. Rapsöl ist aber nicht nur ein „Kraftpaket", wie UFOP rühmt, sondern ein vielseitig anwendbares Erzeugnis. Da ist neben dem Biodiesel das aus Rapssaat gepresste Speiseöl, dem von Ernährungswissenschaftlern in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA Bestnoten gegeben werden. Im Asphalt, einem Gemisch aus Kies, Splitten, Sand und Gesteinsmehl mit Bitumen, können Beimischungen von 2 bis 6 Prozent Rapsöl einen Teil des aus Rohöl gewonnenen Bitumens und der Lösungsmittel ersetzen, ohne dass es bei den Straßendecken zu Qualitätseinbußen
kommt. Im Gegenteil, bei der Verwendung von Rapsöl bei Bitumendachbahnen widerstehen Straßen und Dächer unter anderem besser der sommerlichen Hitze. Rapsöl kann in der Bauwirtschaft Schalöle auf Mineralölbasis ersetzen wie in der Farbenherstellung Lösungsmittel wie das giftige Toluol.
Raps laugt auch den Boden nicht aus und führt nicht zu Monokulturen. Denn Raps wird mit mehrjähriger Pause stets in einer Fruchtfolge angebaut und hinterlässt den nachfolgenden Kulturen einen nährstoffreichen, gut aufgelockerten Boden. Wenn Weizen im Anschluss auf Raps folgt, fällt die Weizenernte um bis zu 10 Prozent höher aus. Sein frühes Sprießen schützt den Boden im Winter vor Erosion durch Niederschläge und Wind. In die Erzeugung von Biokraftstoffen hat sich nach Angaben von UFOP von den Ölgesellschaften bisher nur BP eingeschaltet. Zusammen mit DuPont und der Associated British Foods will das Unternehmen auf Zuckerrübenbasis Bioethanol erzeugen und gemeinsam mit einer anderen Firma Biodiesel aus dem Öl der Brechwurz herstellen, was den Vorteil hat, dass keine Feldfrüchte genutzt werden, die sonst als Nahrungsmittel dienen könnten. Die wachsende Verwendung von Biokraftstoffen hat bereits zu einem deutlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise geführt. Das ist auch ein Grund dafür, dass andere Ölgesellschaften wie Shell bei ihren Biokraftstoffaktivitäten als Rohstoff Pflanzenreste verwenden wollen.
Neben den industriellen Ölmühlen, die meist von größeren mittelständischen Unternehmen und internationalen Konzernen betrieben werden, haben in letzter Zeit auch landwirtschaftliche und genossenschaftliche Betriebe die Verarbeitung von Rapssaaten aufgenommen. Sie wollen damit die Wertschöpfung im eigenen Betrieb erhöhen. Schätzungsweise drei Viertel des in bäuerlichen Anlagen erzeugten Rapsöls wird als Kraftstoff verwendet, überwiegend als reines Rapsöl oder als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Rapsmethylester, also Biodiesel. Die zentralen Ölmühlen des Mittelstandes und der Konzerne verfügen über eine Jahreskapazität von über 11 Millionen Tonnen (...).
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 30/07 vom 23. Juli 2007 Seite 6
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