In Deutschland ist Rapsöl wegen der Zwangsbeimischung zu Dieselkraftstoff zu teuer für die Stromerzeugung geworden China begrenzt die Ethanolproduktion auf Maisbasis. Damit genug Mais für die Ernährung übrig bleibt soll für die Ethanolgewinnung vermehrt auf Hirse und Maniok zurückgegriffen werden. In Mexiko ist es wegen der Verteuerung von Mais zu einem „Tortilla-Krieg" gekommen, weil wegen steigender Ethanolherstellung in den USA billige Maisüberschüsse verschwunden sind. Inzwischen verwenden die USA ein Viertel ihrer Maisernte zur Produktion von Biokraftstoffkomponenten. In den Augen des Chefs der Royal Dutch Shell, Jeroen van der Veer, sind das Beispiele dafür, dass gut gemeinte Maßnahmen unerwünschte Folgen haben können, an die man nicht früh genug gedacht hat. Zur Vermeidung solch unerwünschter Folgen müsse man neue Wege zur Herstellung vor Biokraftstoffen gehen. Sein Unternehmen beispielsweise entwickelte zusammen mit Choren und logen als Partnern Verfahren, mit denen sich Biokraftstoffe aus pflanzlichen Abfällen gewinnen lassen, um die Konkurrenz Nahrungsmittel/Energie nach Möglichkeit zu vermeiden. Außerdem sollte man Energiepflanzen überall auf der Welt vor allem dort anbauen, wo es noch ungenutzte Ackerflächen gibt und dafür die den Klimabedingungen am besten entsprechenden Saaten verwenden.
Eine Tatsache ist für van der Veer, dass fossile Energien noch für Jahrzehnte die Hauptlast bei der Energieversorgung tragen werden. Selbst mit einschneidenden weltweiten Maß nahmen wird sich ihr Anteil an der Weltenergiebilanz bis 2030 nur von heute 80 bis 85 Prozent auf etwa 77 Prozent senken lassen. Sonnen- und Windenergie decken zurzeit 0,15 Prozent und Biokraftstoffe 0,2 Prozent des Primärenergiebedarfs der Welt. Bis 2050 könnte ihr Beitrag bis zu 25 Prozent des Weltenergiemixes ausmachen. Wie schwer dieser Anteil zu erreichen ist, zeigen ein paar Beispiele. Selbst wenn man in Großbritannien 20 Millionen Dächer mit Solarpannels von j e 4 m ² versieht, erhält man dauerhaft nur soviel Strom wie ein einziges übliches Gas- oder Kohlekraftwerk erzeugt. Auch die größte Windfarm der Welt, London Array, kann mit ihren 341 Windturbinen nur ein Prozent des britischen Strombedarfs decken. Hingegen hat China im letzten Jahr neue Kraftwerke in Betrieb genommen, deren Leistung der des ganzen britischen Kraftwerksparks entspricht.
Für van der Veer ist der Schlüssel für eine saubere, sichere und erschwingliche Energieversorgung die Steigerung der Energieeffizienz. Damit das geschieht, braucht es ein weltweites CO2-Spar-und Handelssystem. Der Shell-Chef wünscht sich ein Post-Kyoto-Abkommen, das erstens global ist, um Wettbewerbsgleichheit zu erreichen, das zweitens über Treibhausgasemissionen hinausgeht und die CO2-Lagerung mit umfasst sowie drittens Versorgungssicherheit einschließt.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 09/07 vom 26. Februar 2007 Seite 5
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