Shell Energie-Dialog: Energiepolitik ist Außenpolitik
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"Shell Energie-Dialog: Energiepolitik ist Außenpolitik"

Maximal 120 Interessenten hatte die Deutsche Shell Holding zum Start der Veranstaltungsreihe „Shell Energie-Dialog" erwartet. Bei 500 Anmeldungen wich man auf einen neuen Veranstaltungsort aus. „Noch vor wenigen Jahren hätte man sich eine Veranstaltung dieser Dimension mit einem Leitthema Energie' kaum vorstellen können", sagte Deutsche ShellChef Kurt Döhmel. „Kein Wunder, denn Energie war billig - vielleicht auch zu billig, wie wir aus heutiger Sicht sagen müssen. Und Energie war reichlich vorhanden; eine sichere Versorgung mit Energie schien aus Sicht der großen Verbraucherregionen jedenfalls unproblematisch."

Die deutsche Energiedebatte leide darunter, dass die globalen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen weitgehend verschlafen worden seien, meinte Frank Umbach vom Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Partner des ersten Dialogs „Strategische Herausforderungen für die europäische Energiepolitik". Hierzulande sei man erst aufgewacht durch den russisch-ukrainischen Gaskonflikt 2006, der die zunehmende Bedeutung der Versorgungssicherheit im Zieldreieck mit Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit aufgezeigt habe. Die Energienachfrage sei unterschätzt, die Reserve-Förderkapazität überschätzt worden.

Als eigentliche Problematik sieht Umbach neben den geopolitischen Risikofaktoren wie z.B. die Konzentration der verbleibenden Öl- und Gasressourcen im „Größeren Mittleren Osten" den riesigen und politisch unsicheren Investitionsbedarf sowie die Renationalisierungstrends. „Das Machtverhältnis hat sich verlagert zugunsten eines Verkäufermarkts." Im Verhältnis zu Russland z.B. werde von deutscher Seite immer die gegenseitige Abhängigkeit betont. Umbach hält dies aber eher für einen „Mythos", er spricht von „asymmetrischer Interdependenz". Eine Energiepartnerschaft mit Russland und Gazprom sei bis zu einem gewissen Grade alternativlos, müsse aber weniger quantitativ als qualitativ ausgebaut werden.

Um die künftige Energieversorgung abzusichern, müssten Deutschland und die EU beim Energiemix, den Importländern und -routen weiter diversifizieren, meinte Umbach. „Es wird eine Energieaußenpolitik geben müssen", so sein Fazit. In diesem Zusammenhang plädiert er auch für einen EU-Regulierer, 27 nationale Regulierer seien nicht sinnvoll.

Eine „neue Energie-Architektur" mit neuen Akteuren, neuen Regeln und Institutionen sieht Karl Rose, Senior Strategy Advisor der Royal Dutch Shell. „Wir kommen wieder in eine Phase, in der die Politik die Energiewirtschaft bestimmt." Er erwartet eine zunehmende Kooperation der Staatsbetriebe, woraus auch er ableitet: „Energiepolitik wird in gewissem Maße auch zur Außenpolitik."

Nach Einschätzung von Rose stellen die Herausforderungen für die Energiepolitik - Versorgungssicherheit, schnell wachsende, energieintensive Weltwirtschaft und die CO2-Problematik - ein „Trilemma" dar. „Es gibt derzeit keine Lösung, die alle drei Herausforderungen gleichermaßen abdecken kann." Lösungsansätze könnten Bewusstseinsbildung durch Dialog sowie die Flexibilität durch Investitionen in neue Technologien bieten. Zudem gehörten stabile Rahmenbedingungen sowohl politisch als auch wirtschaftlich dazu und als Begleitmaßnahmen CO2Management, Stimulation und Anreize zur Innovation, Steuerung des Verbrauchs sowie die Bildungspolitik. Rose: „Wir brauchen dringend hochqualifizierte Fachleute."

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 08/07 vom 19. Februar 2007 Seite 13





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