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TNK-BP interessiert sich für EU-Raffinerien
Trotz Überkapazitäten gibt es Interessenten für zum Verkauf stehende Raffinerien in der EU. Einige dieser Werke dürften aber zu Tanklagern umfunktioniert werden.
TNK-BP möchte ihre Position in der Mineralölverarbeitung verbessern und schaut dabei auch nach Westeuropa:„Wir sind jetzt in einer Position, in der wir schauen können, welche der Möglichkeiten sich für anorganisches Wachstum bieten", sagte Volker Woyke, Leiter Raffineriegeschäft bei dem russisch/britischen Gemeinschaftsunternehmen, der „Financial Times Deutschland". Der Zeitpunkt für Raffinerieübernahmen in der Europäischen Union könnte für TNK-BP günstig sein, weil sich einige Verarbeiter angesichts der Überkapazitäten im europäischen Markt dringend von Werken trennen möchten und so niedrige Preise für diese Anlagen zu erzielen wären. TNK-BP ist in der EU im Verarbeitungssektor bisher nicht aktiv. Das Unternehmen betreibt vier Raffinerien in Russland und eine weitere in der Ukraine mit einer Jahreskapazität von zusammen 30 Millionen Tonnen, die nach Angaben von Woyke derzeit zu rund 90 Prozent ausgelastet sind.Während sich TNK-BP in der EU also anscheinend als Mineralölverarbeiter verdingen möchte, vermuten Marktbeobachter wie „Petroleum Argus" bei anderen potenziellen Raffineriekäufern andere Motive. Wahrscheinlicher sei, dass sie die erworbenen Werke angesichts des herrschenden Kapazitätsüberschusses als Tanklager weiter betreiben. Auch die indische Essar Oil, der Royal Duttch Shell ihre drei Raffinerien in Heide, Hamburg- Harburg und Stanlow verkaufen möchte, könnte solche Pläne haben. Denn auf dem Heimatmarkt baut das Unternehmen seine Verarbeitungskapazität derzeit massiv aus. So soll der Rohöldurchsatz der EssarRaffinerie Vadinar im westindischen Gujarat - derzeit die zweitgrößte Verarbeitungsanlage des Landes - von heute 14 Millionen Tonnen bis Ende 2011 auf 34 Millionen Jahrestonnen erweitert werden. Insbesondere die beiden deutschen Shell Anlagen könnten dem indischen Konzern als ideale Lager- und Distributionsterminals für die Versorgung des atlantischen Marktes mit Mineralölerzeugnissen aus indischer Produktion dienen, meint man bei „Petroleum Argus". Shell selbst denkt darüber nach, die drei zum Verkauf stehenden Raffinerien als Tanklager weiterzubetreiben, sollte deren Verkauf am Ende scheitern.
Momentan scheinen die Verhandlungen, die Shell derzeit exklusiv mit den Indern führt, aber eher positiv zu verlaufen. Laut der indischen „Economic Times" könnte sich Shell im Rahmen des Deals mit 10 Prozent an Essar Oil beteiligen, was nach derzeitigem Marktpreis einem Wert von 364 Millionen US-Dollar entspricht. Darüber hinaus müsste aber noch einmal mindestens dieselbe Summe in bar fließen, werden die drei Raffinerien aktuell auf rund 800 Millionen US-Dollar taxiert.Ein anderes Beispiel der Umwandlung einer Raffinerie in ein Lager ist das Werk der Petroplus in Teesport (5,85 Millionen Tonnen Jahresdurchsatz). Die Anlage ist für dieses Jahr stillgelegt worden. Inzwischen hat Petroplus verlautet, sie nicht wieder in Betrieb nehmen zu wollen, sondern nur die Tankanlagen weiter benutzen oder verkaufen zu wollen. Während in den USA einige integrierte Ölgesellschaften wie Marathon oder Motiva ihre Kapazitäten noch erweitern, verkünden immer mehr unabhängige Verarbeiter die Schließung von Raffinerien. Die Valero Energy Corporation, der größte „independent refiner" in Nordamerika, hat unlängst die dauerhafte Stilllegung ihrer Raffinerie in Delaware City bekannt gegeben. Grund auch hier der massive Einbruch der Nachfrage nach Mineralölerzeugnissen infolge der Wirtschaftskrise. Von der Schließung der Anlagen, in denen jährlich 9,5 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet werden können, sind 550 Mitarbeiter betroffen. Nach Angaben des Unternehmens können durch die Schließung die Kosten im nächsten Jahr um 450 Millionen US-Dollar gesenkt werden; darüber hinaus spart sich das Unternehmen eigentlich anstehende Investitionen in die Anlage in der Größenordnung von rund 200 Millionen US-Dollar. Valero hatte das Werk vor vier Jahren im Zuge der Übernahme der Premcor Inc. erworben. Delaware City ist die dritte und größte stillgelegte Raffinerie in den USA. Im November dieses Jahres hat Sunoco verkündet, ihre 7,15 Millionen TonnenAnlage Eagle Point in Westville, New Jersey, aus dem Markt zu nehmen. Western Refining kündigte die Schließung ihres Werks in Bloomfield, New Mexiko, an. Marktbeobachter erwarten weitere Raffinerie-Stilllegungen in den USA, vor allem von Unternehmen, die lediglich in der Mineralölverarbeitung tätig sind und über keine eigene Rohölförderung oder kein eigenes Vertriebsnetz verfügen.
- Energie Informationsdienst vom 30.11.2009 49/09 S. 19
- 30. November 2009