Die Vorräte an unkonventionellen Rohölen, das sind Öle mit einem Dichtegrad zwischen 0 und 10 Grad API (American Petroleum Institute), haben Kanada in der Weltrangliste der Länder mit den größten bestätigten Reserven ganz nach vorne gebracht. Unter einer Fläche von 70.000 Quadratkilometern liegen in der westkanadischen Provinz Alberta rund 400 Milliarden Tonnen Öl gebunden an Sande, von denen nach neuesten Erkenntnissen bei Preisen von heute und gegebenen technischen Möglichkeiten knapp 28 Mrd. t als wirtschaftlich gewinnbar angesehen werden können.
Ein weiteres großes Vorkommen ähnlich unkonventioneller Rohöle liegt, wie Dr. Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe bei einer DGMK Veranstaltung in Hamburg ausführte, im venezolanischen Orinoco-Becken. Die dortigen Vorräte werden auf bis zu 290 Mrd. t geschätzt, von denen derzeit 10 Mrd. t als wirtschaftlich nutzbar gelten. Ölsande oberflächennahe Gemische aus Bitumen, Sanden und Tonen - sind in 70 Ländern der Welt bekannt.
In Kanada gibt es zwei Verfahren zur Nutzung der Ölsande. Bei Deckschichten bis zu 75 Meter Mächtigkeit lohnt sich der Abbau im Tagebau. In größeren Tiefen kann man das Öl nur durch Bohrungen gewinnen, wenn man die ölführenden Schichten entweder mit heißem Wasser oder Dampf erhitzt, um das Fließvermögen des Öls zu erhöhen. Beim Tagebau, aus dem heute etwa zwei Drittel allen Öls aus Sanden stammen, kann man rund 90% des in ihnen enthaltenen Öls gewinnen. Allerdings müssen für eine Tonne Öl 12 t Sand abgebaut werden. Bei der Produktion mit Hilfe von heißem Wasser sind es 15 bis 20% und bei dem Steam Assisted Gravity Draining-Verfahren bis zu 60%. Dabei legt man zwei horizontale Bohrungen übereinander an. In die obere wird Dampf geleitet, aus der unteren wird das Öl gefördert. Für ein Kubikmeter Öl werden 3 t Dampf benötigt. Die Förderkosten sind bei den kanadischen Ölsanden von anfangs 20 auf 10 Dollar je Barrel gesunken, dazuzurechnen sind dann allerdings noch Aufbereitungskosten in der Größenordnung von rund 6 Dollar je Barrel.
Auch die Nutzung der Schwerstöle in Venezuela erfolgt mit Horizontalbohrungen. Auf Grund der dort herrschenden hohen Temperaturen von über 50 Grad C braucht man die Lagerstätte nicht zu erhitzen. Auf diese Weise lassen sich 5 bis 10% des in der Lagerstätte vorhandenen Öls mit Kosten zwischen 2 bis 4 $/b gewinnen. Hinzu kommen noch Kosten für die Aufbereitung des Öls von etwa 7 $/b, bevor es wie konventionelles Rohöl in Raffinerien verarbeitet werden kann. Unkonventionelle Rohöle lassen sich auch durch Verbrennung von Teilen des Öls in der Lagerstätte zu deren Erhitzung oder unter Verwendung von Lösungsmitteln erschließen. Diese Verfahren befinden sich jedoch noch in der Entwicklung.
Unkonventionelle Rohöle sind zurzeit zu 1,6% an der Ölförderung der Welt beteiligt - so werden in Kanada 50 Mill. t produziert. Ihr Potenzial reiche nicht aus, um einen dämpfenden Einfluss auf die Rohölpreise ausüben zu können, denn selbst wenn die Gewinnung unkonventioneller Öle in den nächsten Jahren auf 200 Mill. t ansteigen sollte, werde dies voraussichtlich nur einem Anteil von 5% an der gesamten Weltölproduktion entsprechen. Zu den wesentlichen Nachteilen zähle zudem der hohe Flächenbedarf beim Tagebau, ein hoher Wasserbedarf für Förderung und Aufbereitung, ein hoher Energiebedarf und damit eine erhebliche CO2-Emission.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 49 vom 29. November 2004 Seite 008
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