Weltweite Landwirtschaft brummt dank Bioenergie
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"Weltweite Landwirtschaft brummt dank Bioenergie"

eid Die weltweite Nachfrage nach Getreide und Ölsaaten für Bioenergie steigt rapide an; gleichzeitig aber auch der Lebensmittelkonsum, weil die Weltbevölkerung vor allem in den großen Städten immer weiter wächst, ebenso deren Einkommen. Klaus Dieter Schumacher, oberster Volkswirt beim Agrarhandelshaus Toepfer International, skizzierte damit auf dem 1. BayWa Agrar Forum in München die derzeitige Lage der Weltagrarmärkte. Weil der Markt für Bioenergie, was Mengen und Preise angeht, auch in Zukunft aller Voraussicht nach politisch und nicht originär durch Marktkräfte bestimmt bleiben wird, müsse verstärkt darüber nachgedacht werden, wie eine Flächenkonkurrenz zwischen Lebensmitteln und Bioenergie vermieden werden könne. Höhere Weltmarktpreise für Agrarprodukte seien wohl notwendig, um Produktionsanreize für die Landwirtschaft zu bieten, um mehr Flächen zu bebauen und die Produktivität zu erhöhen.

Die Preise für landwirtschaftliche Produkte haben in den letzten Jahren bereits deutlich angezogen ? bei Weizen etwa um 50 Prozent. Rolf Brack, Chef der VK?Mühlen AG („Rosenmehl"), beklagte in München, dass im Umfeld von Ethanolanlagen die Getreidepreise erheblich gestiegen seien. Dabei seien heute die Bestände an Getreide weltweit nur etwa halb so hoch ? etwa 15 Prozent des Jahresverbrauchs ? wie im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Größere Ernteausfälle, so Schumacher, können kaum noch abgefedert werden.

Die Landwirtschaft macht sich ernsthaft Gedanken, wie sie den wachsenden Bedarf an Getreide und Ölsaaten decken könne, zumal einerseits der Kalorienbedarf pro Kopf steigt, andererseits Klimaveränderungen und Wetterextreme bereits heute einen deutlichen Einfluss auf Qualität und Quantität der Ernten ausüben, betonte BayWa Agrar?Vorstand Stefan Bötzel. Die Konkurrenz zwischen Nahrungsmittel? und Energieproduktion wird sich am ehesten in den Entwicklungsländern auswirken. Deren Agrar?Produktivität steige häufig langsamer als die der Industrieländer, was auf mittlere Sicht zu einer Versorgungslücke und zu höheren Nahrungsmittelpreisen in den Entwicklungsländern führen werde. Der Welt?Getreidehandel müsse deshalb deutlich wachsen, um die Versorgung in allen Regionen sicherzustellen.

Weltweit werden 2007 etwa 108 Millionen Tonnen Getreide für die Ethanolproduktion eingesetzt, davon 86 Millionen Tonnen in den USA. Das sind etwa 5 Prozent des weltweiten Getreideverbrauchs von 2.100 Millionen Tonnen ?Tendenz steigend. Die Ethanolausbeute wird insgesamt 67 Millionen m³ betragen. Außerdem werden etwa 8 Millionen Tonnen Biodiesel produziert, davon 4,6 Millionen Tonnen in der EU. Auch das sind rund 5 Prozent des weltweiten Konsums an pflanzlichen Fetten und Ölen. Mit der gesamten Getreideernte der Welt von etwa 2,1 Milliarden Tonnen, so Schumacher, könnten etwa 12 Prozent des Welt?Primärenergiebedarfs gedeckt werden. Für die Ernährung bliebe dann aber nichts mehr übrig.

Um die Nachfrageprobleme zu lösen, müssten laut Schumacher mehr Flächen für den Ackerbau bereitgestellt und die vorhandenen Flächen intensiver genutzt werden. Zusätzliche Flächen könnten etwa in Südamerika und Osteuropa erschlossen werden, für die intensivere Nutzung müsse ? auch in Deutschland ? auch über Gentechnologie nachgedacht werden.

Die bisherige EU?Agrarpolitik hat sich mit diesen Problemen kaum beschäftigt. Früher ging es nur darum, die Überproduktion zu beherrschen und den Landwirten das Einkommen zu sichern. Heute müsse man den Bauern eine Unternehmerfunktion geben, damit sie auch ohne staatliche Interventionen im Markt überleben könnten, meinte Ex?EU?Agrarkommissar Franz Fischler in München.

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 26/07 vom 25. Juni 2007 Seite 6





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