"Die Gegenwart und überschaubare Zukunft im Weltölmarkt ist durch
Knappheiten gekennzeichnet. Die Deckung der Nachfrage stößt an Kapazitätsgrenzen. Die
OPEC-Quoten stehen nur auf dem Papier. Ihre große Reservekapazität ist nahezu verschwunden."
So zitierte der EID in seiner letzten Ausgabe "Petroleum Argus" (,Steht ein Paradigmenwechsel
bevor?", S. 4). In "Global Markets" legt "Petroleum Argus" nun nach: "A wider energy crisis is
just beginning". Am 1. Juli 2004 sprach Peter Odell, Professor Emeritus of International
Energy Studies, Erasmus Universität, Rotterdam, in Ragshot, Surrey, zum Thema "International
Oil's Dysfunctional System", wovon dem EID eine kurze Zusammenfassung vorliegt. Darin
beschreibt Odell den Weg aus dem gegenwärtigen "Chaos".
Nachdem die erste Zusammenarbeit der Organisationen von Förder- und Verbraucherländern, OPEC
und IEA, ab 1999 erfolgreich war, indem es gelang, den Ölpreis in einer Bandbreite zwischen
22 und 28 $/b zu halten, sei dieses Gleichgewicht durch die Ereignisse am 11. September 2001
sowie die Entscheidung zum Vorgehen gegen den Terror in Afghanistan und das Saddam-Regime im
Irak gestört worden, so Odell. Nun sei Ordnung durch Anarchie ersetzt worden, so Odell (...
siehe auch
Anmerkung esyoil): Die
Terrororganisation EI Qaida versuche, den Ölreichtum der islamischen Welt als Instrument für
eine Unterminierung des von der westlichen Welt dominierten internationalen Wirtschaftssystems
und gegen die Unterstützung Israels durch den Westen einsetzen. Mit einer Rückkehr zur Politik
der 70er Jahre, in der die Abhängigkeit vom Öl verringert werden sollte, versuche man in den
westlichen Industrieländern, insbesondere die Abhängigkeit vom Mittelostöl abzubauen. Die OPEC
sei ärgerlich über die Rolle der Finanzinstitutionen, deren spekulative Interventionen im Markt
zu hohen Gewinnen durch Handel mit paperbarrels führten, zu Lasten von Produzenten und
Verbrauchern. Die großen internationalen Ölgesellschaften gerieten dadurch in Schwierigkeiten,
dass sie nur 15% der bestätigten weltweiten Ölreserven kontrollierten, 85% gehörten staatlichen
Gesellschaften. Das würde ihre Fähigkeit, im Upstream zu investieren, limitieren und das Risiko
erhöhen, wenn sie in ihre generell "higher-cost-reserves" investierten. Und schließlich drohten
die Verbraucherstaaten ölexportierenden Ländern mit Verbrauchsbarrieren durch
Umweltschutzmaßnahmen und eine Vorzugspolitik für Erdgas.
Aus der Sicht von Odell ist es im Rahmen der Beseitigung des gegenwärtigen "Chaos" vor allem
wichtig, Politik und Strategie zwischen Produzenten- und Verbraucherländern aufs neue
miteinander abzustimmen. Das geeignete Forum stelle dafür das" Internationale Energie Forum"
dar, das nach dem Zusammenbruch der IEA/OPEC-Kooperation eingerichtet wurde. Der Handel mit
"paper barrels" müsste eingeschränkt werden. Aus der Sicht von Odell könnten damit
politisch-ökonomische Bedingungen neu geschaffen werden, unter denen die internationale
Ölindustrie die reichlichen Ölreserven fördern und vermerkten könnte, zu Konditionen
gleichermaßen akzeptabel für Produzenten und Verbraucher.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 34 vom 16. August 2004 Seite 05