Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Öljahr lief besser als erwartet

Das Jahresende ist charakteristisch für das ganze Jahr. Die Preise geben unterwartet deutlich nach. Gasöl und US-Heizöl trifft es besonders stark. Nicht zuletzt wegen der milden Temperaturen in den Heizölregionen der USA fallen die Produktpreise in die Nähe der Jahrestiefstwerte. Wäre da nicht die MwSt.-Erhöhung, hätten deutsche Heizölpreise die Chance, das Jahr am Minimum zu beenden. Ähnlich sieht die Lage am Devisenmarkt aus. Gut ein Prozent über dem Minimum liegt die Euro-Dollar-Parität kurz vor Silvester. Die abklingende US-Konjunktur gilt als ursächlich für die Dollarschwäche. Zum Ölpreisrückgang trägt sie ebenfalls etwas bei.

Dass das Jahr aus preislicher Sicht recht positiv endet, war lange nicht erwartet worden. Vieles deutete im Hochsommer darauf hin, dass die Preise weiter neue Allzeithochs erklimmen werden. Einige Analysten mutmaßten bereits Werte weit über 100 Dollar für das Barrel. Eine steigende Nachfrage, die Möglichkeit eines Lieferstopps wegen des Atomstreits mit dem Iran und erwartete Produktionsausfälle in den USA als Folge von verheerenden Hurrikanen waren die preistreibenden Kräfte.

Aber es kam anders. Die Nachfrage stieg auch in 2006. Die prognostizierte Höhe der Steigerung wurde indes nicht erreicht. Die Säbel zwischen dem Iran und der westlichen Welt wurden reichlich gewetzt. Zum befürchteten Eklat kam es aber nicht. Und in den USA gab es einige Stürme. Hurrikane wie in den Vorjahren blieben entgegen fulminanter Vorhersagen aus. Im Laufe des Jahres zeigte sich darüber hinaus, dass die US-Wirtschaft Wachstumsstörungen bekommt. Und zum guten Schluss, als es kalendarisch längst Winter war, wurden die Menschen mit frühlingshaften Temperaturen überrascht. Beide Umstände dämpfen den Verbrauch. Die Schlussfolgerung lautet: Da haben wir uns alle verschätzt. Öl wird doch nicht so teuer wie angekündigt.

Ist das nun die Lehre für die Zukunft? Können wir uns auf niedrigere Ölpreise einstellen? Folgt man den Prognosen großer Spekulanten (Banken, Versicherungen, Investmentgesellschaften), sollten die Preise im nächsten Jahr zumindest nicht steigen, eventuell sogar fallen. Hinter den Aussagen stehen Heerscharen von Analysten. Die müssen es wissen. Bisher hatten sie sich allerdings meistens geirrt. Realistisch betrachtet kann die Aussage für die Zukunft nur lauten: Wir wissen es nicht. Die Entwicklung der Ölpreise und des Wetters entziehen sich unserer Vorhersagefähigkeit.

Fakt ist, dass es im Ölmarkt und beim Wetter erhebliche Risiken gibt. Im Ölmarkt sind diese weniger durch die verfügbaren Reserven bestimmt. In erster Linie sind sie politischer Natur. Einen weiteren Anteil steuert die globale und die amerikanische Konjunkturentwicklung bei. Zweite ist vor allem deshalb bedeutend, weil die Börsenpreise hauptsächlich in den USA gemacht werden. Daher schlägt sich eine US-Stimmungslage deutlicher in den Preisen nieder als beispielsweise eine chinesische Stimmungslage. Gut zu beobachten war dieses Phänomen beim diesjährigen Wettergeschehen. Schlimme Ereignisse blieben nur in den USA aus. In Asien richtete das Wetter dagegen fürchterliche Schäden an. Auf die Preise wirkte es hingegen positiv, eben weil es in den USA positiv verlief. Die Risiken des Wetters werden als Folge der Klimaveränderung zunehmen. Darüber können auch einige gut verlaufende Jahre nicht hinwegtäuschen. Diese Risiken sind auch Ölpreisrisiken.

Die politischen Risiken liegen hauptsächlich bei den OPEC-Ländern und hier besonders in den Nahoststaaten. Der Atomstreit mit dem Iran wird gerade in diesen Tagen erneut heiß. Es soll Sanktionen geben. Die könnten Lieferstopps zur Folge haben. Die vom Islam beeinflussten Staaten sind in ihrer Mehrheit eher instabil. Es kann jederzeit zu Umbrüchen kommen. Wir nehmen das kaum wahr. Die Lage in Saudi Arabien ist derjenigen Ende der 1970er Jahre im Iran nicht unähnlich. Damals wurde die westliche Welt von der islamischen Revolution überrascht. Für Kenner kam sie keineswegs unerwartet. Die Folge war ein Allzeithoch der Ölpreise und ein lang andauerndes Hochpreisniveau, das die Weltwirtschaft in eine Rezession trieb. Danach sanken die Preise.

Das muss nicht so kommen. Es könnte auch sein, dass das derzeit hohe Ölangebot fortbesteht, die Nachfrage moderat und unter der Zuwachsrate des Angebots wächst, verheerende Stürme einige Zeit ausbleiben und die Preise nachgeben. Alles ist möglich. Wie schon gesagt, keiner weiß, was werden wird. Nur eines ist sicher. Preisänderungen betreffen alle Energieformen gleichermaßen. Es gibt keinen Rohstoff der ein grundsätzlich anderes Preisprofil zeigt als alle anderen, nicht Holz, nicht Kohle, nicht Strom, nicht Bioöl und schon gar nicht Gas. Was soll man also tun? Antwort: Wie den Wetterbericht laufend die Ölpreise im Internet beobachten und Automaten wie das Wunschpreissystem nutzen.

Heute Morgen hat sich der Preissturz beruhigt. Gasöl kostet soviel wie gestern Abend, nämlich 517 $ pro Tonne. Ein Handelstag früher waren es noch 532,50 $.

Unsere Heizölpreise werden durch den Preisrückgang am Weltmarkt auf dem gewohnten Niveau gehalten. Die inzwischen eingepreiste MwSt.-Erhöhung geht fast unbemerkt vorüber. Für die kommenden Tage erwarten wir keine nennenswerte Änderung der Preise. Den gestrigen Absturz der Börsenpreise betrachten wir als übertriebenen Ausrutscher, der heute korrigiert wird.

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