Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Ölpreis bricht ein

Aus vergleichsweise nichtigem Grund brach gestern eine beispiellose Verkaufswelle an den Ölmärkten los. Sie hinterlässt bis heute Morgen einen Preisverfall von 7%. Die Spekulationsblase mit überzogenen Preisen hat mächtig Luft abzulassen. Auslöser waren positive Nachrichten über die US-Lagerbestände.

Das Zahlenwerk, das DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) präsentierten liest sich gut. Es hat allerdings auch Schwächen, die in der Vergangenheit gnadenlos mit steigenden Preisen beantwortet wurden.

Rohöl: +4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)

In Summe beträgt der Bestandsaufbau 2,9 bzw. 4,4 Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Importe legten leicht zu. Die Raffinerien arbeiten nach wie vor unter ihren Möglichkeiten. Es ist kein Fortschritt gegenüber den letzten Wochen festzustellen.

Ohne Einschränkungen positiv wurde der Aufbau bei Rohöl und Benzin interpretiert. Daraus entwickelte sich eine ausgelassene Partylaune, in der die immer weiter unter Druck geratenden Heizölvorräte keine Rolle spielten. Aber gerade deren bedauernswerter Zustand musste zuletzt als Begründung für die überzogene Gesamtpreislage herhalten. In der Tat sind die Vorräte im historischen Vergleich miserabel und geben durchaus Anlass an einer ordentlichen Winterversorgung zu zweifeln. Mit dem inzwischen wieder wachsenden Rohölpolster im Rücken beantworteten die Händler gestern die Frage ?Können wir eine ausreichende Heizölproduktion für den Winter schaffen?? mit einem schwungvollen ?Ja, wir schaffen das?.

Soviel Selbstvertrauen führte bei der in den letzten Monaten übermächtigen Gruppe von Long-Spekulanten zur Panik. Schnell wurde aus dem Verkauf von Kontrakten auf steigende Kurse ein Verschleudern. Die Folgen sind bekannt, -7%. Es ist ein starker Beginn einer Gegenbewegung. Dabei fungiert weniger der Grund des Rohölaufbaus als vielmehr die Charttechnik als Impulsgeber. Wie vorher die steigenden Kurse beflügeln sich nun die fallenden Notierungen sich selbst. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Preisverfall kurzfristig weiter gehen wird ist hoch. Hieraus allerdings ein Ende des langfristigen Aufwärtstrends und die Rückkehr zu Rohölpreisen um 30$ pro Barrel abzuleiten, wäre vollkommen überzogen.

Die IEA (Internationale Energieagentur) kam vor wenigen Tagen mit einer Prognose heraus, in der sie ein baldiges Ende der Hochpreisphase ankündigt. Sie sieht einen durchschnittlichen Rohölpreis von 25$ pro Barrel voraus. Angesichts der gestrigen Ereignisse könnte man von einer hohen Prognosesicherheit sprechen. Leider hat die IEA wie auch die OPEC in der letzten Zeit eher durch Fehleinschätzungen des Marktes auf sich aufmerksam gemacht. Um eine entsprechende Schelte nicht wieder einzufangen, wurde der Betrachtungshorizont denn auch bis auf das Jahr 2030 ausgedehnt. Bis dahin wird sich niemand mehr an die aktuelle Prognose erinnern. Dass es im kommenden viertel Jahrhundert u.a. auch zu einem Überangebot und Billigpreisen kommen wird, liegt auf der Hand. Spätestens wenn die nun angestoßenen Projekte die Förder- und Verarbeitungskapazität gesteigert haben und wenn China einen Einbruch des Wirtschaftsbooms erlebt, steht es gut um die Prognose. Heute sind wir davon allerdings weit entfernt.

Momentan verlangt China mehr Öl vom Markt und momentan hält die Verarbeitungskapazität das Heizölangebot knapp. Damit bleibt der fundamentale Grund für hohe Preise in einem überschaubaren Zeithorizont erhalten. Ohne eine spekulative Übertreibung halten wir in dieser Phase durchschnittliche Rohölpreise leicht über der 40$-Marke für realistisch.

Die Entwicklung des Gasölpreises bestätigt heute Morgen den gestern eingeschlagenen Kurs. Die Tonne kostet 464$. Am Montag waren es noch 502$.

Unsere Heizölpreise geben kräftig nach. Die Einschätzung, dass die US-Bestandsdaten enttäuschen und in der zweiten Wochenhälfte für Preissteigerungen sorgen werden, war falsch. Die mittelfristig erwartete Preisentspannung wurde gestern angeschoben. Da die Märkte nach wie vor schnell wechselnden Stimmungen ausgeliefert sind, sollte man einen Preisrückgang nicht als Selbstläufer ansehen. Es handelt sich nicht gut, wenn man so günstige Preise wie im letzten Jahr als Maßstab nimmt.

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