Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Ölpreis marschiert wieder

Die Preise zieht es in die Höhe. Sie nehmen Kurs auf den langfristigen Aufwärtstrend der letzten Jahre. Wenn man einmal die explosionsartige Entwicklung zwischen Herbst 2007 und Sommer 2008 als Betriebsunfall ansieht, der durch einen heftigen Einbruch korrigiert wurde, lässt sich ein geglätteter langfristiger Anstieg konstruieren, der den Rohölpreis nun in den Bereich um 80 Dollar pro Barrel tragen wird. Ein solcher Preis scheint angesichts der wirtschaftlichen Lage und der Nachfragesituation unsinnig zu sein. Der Boden der Abwärtsbewegung um 40 Dollar wäre mit Blick auf die Realwirtschaft nahe liegender. Da die Finanzsysteme aber wieder mit ausreichend Geld versorgt sind, gibt es keinen Grund mehr, an einem erneuten Preisanstieg zu zweifeln. Er wird von der Investmentindustrie verursacht. Ob die angekündigten Reglementierungen dieser Industrie ausreichen werden, um einen neuen Preisexzess zu verhindern, ist noch ungewiss. Gewiss ist indes, dass es diese Reglementierungen noch nicht gibt. Im Gegensatz zu den Reaktionszeiten zur Gewährung von Finanzhilfen für „notleidende“ Banken sind die Zeiten zur Entwicklung und Implementierung der Regelwerke lang. Sie sind so lang, dass man befürchten muss, vor ihrer Exekution einen erneuten Finanzkollaps erleben zu müssen. Der Lauf der Dinge erfüllt die Erwartung, dass die bisherige Krise für einen Paradigmenwechsel der Politik nicht ausreicht. Die kapriziert sich weiterhin in erster Linie auf das Verteilen von schuldenfinanziertem Geld, statt sich um die Entwicklung von Leitlinien einer zukunftsfähigen Gesellschaft zu kümmern, in denen die Erfahrungen der letzten Dekaden mit Wirtschaft, Sozialem und Umwelt verarbeitet werden.

Für den Anstieg der Ölpreise spricht auch die Tatsache, dass die OPEC inzwischen vollkommen entspannt mit ihrem Quotensystem umgeht. Während vor wenigen Wochen noch aufgeregte Betriebsamkeit mit dem Ziel weiterer Mengenreduzierungen zu beobachten war, ist nun Gelassenheit trotz der Tatsache, dass zuviel Rohöl produziert wird, angesagt. Allem Anschein nach ist man sich im Kartell sicher, dass der Preis das gewünschte vorläufige Ziel von 75 Dollar pro Barrel erreichen wird.

Unterstützt wird diese Sicherheit zur Preisbildung derzeit durch die Veränderung in den US-Tanklagern. Die jüngsten Bestandsdaten von DOE ((Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zeigen erneut einen Rückgang. Es deutet sich an, dass nach einem sieben Monate währenden Aufbau, der die Lager an den Rand ihrer Kapazität füllte, nun eine Entnahmephase kommt. Die wird weniger durch einen Anstieg der Nachfrage als vielmehr durch geringere Zuflüsse verursacht. Das nimmt ihr einen Teil der bullischen Kraft auf die Preisbildung. Der OPEC gibt dieser Umstand immerhin ein Stück weit Recht für einen gelasseneren Umgang mit dem Markt. Die Berichte zur wöchentlichen Entwicklung in den US-Lagern enthalten folgende Zahlen:

Rohöl: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,8 (DOE) bzw. 8,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind erneut geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 82 Prozent zurückgegangen. Raffineriebrände der letzten Tage sind in der Zahl noch nicht verarbeitet. Die Verfügbarkeit könnte weiter sinken. Das sollte die Preise kaum beeinflussen, denn es gibt genug Benzin im Markt. Das würden deutsche Raffinerien gerne wieder im größeren Stil in die USA verkaufen. Hierzulande gibt es Überkapazitäten bei der Benzinproduktion.

Als Preistreiber des Ölmarktes läuft Benzin der allgemeinen Entwicklung seit Anfang Mai voran. Das ist ein Ereignis, das in den letzten Jahren immer wieder auftrat. Es ist an die Erwartung eines höheren Benzinbedarfs ab Beginn der so genannten Fahrsaison in den USA geknüpft. Sie beginnt traditionsgemäß am Memorial Day. Er wird kommenden Montag begangen. Nach Beginn der Fahrsaison werden erfahrungsgemäß Vorschüsse auf den Preis annulliert, weil selbstverständlich genug Benzin zur Verfügung steht. Dass der gesamte Ölkomplex dann wieder einbricht, ist nicht zu erwarten. Eine kurze Gegenbewegung ist aber wahrscheinlich.

Nachdem die Preise gestern, inspiriert durch einen Einbruch an den Aktienmärkten, kurz einknickten, sich im Handelsverlauf aber bereits wieder erholten, geht der Handel heute Morgen nahe den Jahreshöchstkursen weiter. Vor dem langen Wochenende in den USA könnte es zu irregulären Veränderungen kommen, weil Marktteilnehmer in temporären Glattstellungen Sicherheit suchen. Die Tonne Gasöl kostet 477 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 61,66 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,73 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise bewegen sich dank des nachgebenden Dollars seitwärts. Der Ölpreis am Weltmarkt treibt sie tendenziell in die Höhe. In den nächsten Tagen könnte das Niveau noch halten. Generell nimmt die Gefahr steigender Heizölpreise zu. Die Spekulation ist nun wieder als marktrelevante Kraft im Spiel. Neben der Preisbeobachtung zur Reduzierung der Kosten empfehlen wir die Verbrauchsbeobachtung als Grundlage für Energie sparende Maßnahmen regelmäßig zu pflegen. Hierbei soll www.esytrol.com helfen.

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