Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Ölpreis noch rational

Die Ölpreise haben in der letzten Woche neue Rekordwerte erreicht. Sie wurden von den Verwirrungen um Yukos, von schlechten Vorratsdaten aus den USA, von Terrorängsten und von ihrem Trend getrieben. Etwas Preiserhöhung wäre auf dem aktuellen Stand noch im Rahmen des laufenden Trends ohne eine Überhitzungsreaktion erreichbar. Doch wenn US-Rohöl WTI (West Texas Intermediate) gegen 50$ tendierte, sollte eine kräftige Abkühlung zu erwarten sein. Z.Z. wird das Barrel in New York mit ca. 44$ gehandelt.

Die Meldung, dass Yukos kein Öl mehr verkaufen darf, trieb die Preise aufwärts. Am folgenden Tag stellte das russische Justizministerium klar, dass es dem Konzern freistehe, sein Öl zu verkaufen. Lediglich das Anlagevermögen falle unter das ausgesprochene Verkaufsverbot. Diese Meldung hatte so gut wie keine Wirkung auf die Preisentwicklung. Die steht mittlerweile unter dem Bann der jüngsten Terrorwarnungen.

Die Reaktion des Marktes ist typisch für die Bullenphase, in der er sich seit rund einem Jahr befindet. In starken Trendphasen werden die trendkonformen Nachrichten deutlich stärker durch den Preis gewürdigt als gegenteilige Meldungen.

Um Yukos wird von allen Seiten mit harten Bandagen gekämpft. Dabei hat der russische Staat die besseren Karten. Die Zerschlagung wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vollzogen. Der mit 60% Förderbeitrag größte Teil des Konzern, Juganskneftegas, soll an eine staatskontrollierte Ölgesellschaft verkauft werden, um die Steuerschulden durch den Erlös zu tilgen. In der fast verlorenen Schlacht überinterpretierte das Management des Konzerns das Verbot, Vermögenswerte zu veräußern, mit dem Ziel nationale und internationale Aufmerksamkeit zu erlangen. Wenn Yukos seinen Ölverkauf einstellen muss, gehen 15.000 Arbeitsplätze verloren und 20% der russischen Ölförderung werden gestoppt. Die Drohkulisse zeigte Wirkung, mehr an den Märkten als im Staate Russland. Denn es ist nicht zu erwarten, dass Putin von dem Plan abrücken wird, sich Yukos bzw. das was aus ihr wird gefügig zu machen.

Dass im Falle einer Auflösung der Gesellschaft eine ernsthafte Versorgungslücke entsteht, bezweifeln viele Analysten. Sie meinen, dass andere russische Gesellschaften sich um die Verkaufsverpflichtungen von Yukos reißen würden.

Yukos war gestern. Mit Beginn der neuen Woche wird der Markt wieder von Terrorängsten geleitet. In den USA wurde die Warnstufe heraufgesetzt. Im Irak herrscht Guerillakrieg. Die weltweiten Förderkapazitäten sind fast vollständig ausgelastet. Wenn irgendwo eine Unterbrechung erfolgt, jagen die Mangelphantasien die Preise weiter aufwärts. Mangel herrscht natürlich nicht. Aber angesichts des starken Nachfragezuwachses ist die Auslastung der Kapazitäten so hoch wie nie zuvor. Daher ist nicht zu erwarten, dass die Preise in absehbarer Zeit deutlich nachgeben werden.

In Europa fällt die Ölpreissteigerung im Vergleich zu den USA auf Grund des Dollarkurses immer noch rund 20% geringer aus. Da der aktuelle Preise in den USA noch keinen erkennbaren Schaden an der Wirtschaft angerichtet hat, kann man davon ausgehen, dass auch hierzulande weitere 20% Steigerung irgendwie verkraftet werden würden.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis auf hohem Niveau stabil. Die Tonne kostet 370$.

Unsere Heizölpreise haben in der letzten Wochen erneut einen kräftigen Zuwachs erlebt. Die Prognosen sehen weitere Zuwächse über den Weltmarkt voraus. Aber selbst wenn die ausbleiben sollten, kommt die ?selbsterzeugte? Preissteigerungsgefahr auf Grund der extremen Kaufzurückhaltung in den letzten Monaten immer näher. Die Nachfrage wird anziehen. Wenn das im Rahmen der normalen Verbrauchsstatistik geschieht, kommt ein Boom. Der wird es schwer machen, genug Heizöl zu bekommen und die Preise weiter auftreiben. Es empfiehlt sich, Heizöl vor diesem Boom zu kaufen oder ernst im nächsten Jahr, wenn der Boom vorüber ist.

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