Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Ölpreis vor neuem Fall?

Stürzt er oder stürzt er nicht, der Ölpreis? Nachdem er gestürzt ist und dabei den Preisauftrieb von fast fünf Jahren rückgängig gemacht hat, scheint diese Frage zur falschen Zeit gestellt zu sein. In den letzten Wochen hat sich der Preis zudem stabilisiert. Warum sollte er also erneut stürzen? Nicht stabilisiert hat sich die Wirtschaftsentwicklung. Statt aus dem gefallenen Preis neuen Schwung zu ziehen, folgt sie ihm. Das ist bedrückend, denn es zeigt, dass ein bisher gültiges Prinzip nicht mehr funktioniert. Das Prinzip heißt, billige Energie ist die Mutter allen Wirtschaftswachstums. Ist sie offensichtlich nicht, jedenfalls momentan nicht. Nun gibt es die Möglichkeit, das Ende eines Wirtschaftskonzepts zu verkünden, das Konzept vom unbegrenzten Wachstum. Es könnte allerdings auch sein, dass der Ölpreis nach dem Sturz noch gar nicht billig ist und die Wirtschaft deshalb noch nicht anspringt.

Fakt ist, dass der Preis auf der Kippe zu einem weiteren Abschwung steht. Und Fakt ist auch, dass dieser Abschwung, wenn er denn kommen sollte, von niederschmetternden Konjunkturprognosen ausgelöst ist. Oberflächlich betrachtet führen die zu einem Einbruch der Ölnachfrage. Real wird die Nachfrage in den nächsten Jahren aber weniger stark zurückgehen als die Förderung in den alten Ölfeldern. Es ist absehbar, dass Öl nicht zu einem Überflussprodukt werden kann, auch wenn das momentan so aussieht. Die Bemühungen der OPEC, einen drohenden Ölpreisverfall durch Drosselung der Liefermengen zu verhindern, sind fruchtlos. Wenn ein Angebot möglich ist, weil die Reserven dies erlauben, reicht das, um den Preis frei sinken zu sehen.

Mineralölkonzerne stellen sich auf einen weiteren Preisverfall ein. Optimistische Planungen legen einen Jahresmittelwert für Rohöl von 37 Dollar pro Barrel in 2009 und 40 Dollar pro Barrel in 2010 zugrunde. Die Unternehmen reduzieren ihre Investitionen für neue Projekte, die die Welt eigentlich bräuchte, um das Angebot wenigstens stabil zu halten. Der Schritt ist logisch, weil die Ausweitung der nicht durch den Preis gedeckten Produktion droht. Bei Shell kostet ein Barrel Öl, das aus kanadischem Sand produziert wird, aktuell 47 Dollar. Erlöst werden dafür rund 40 Dollar. Demnächst könnten es weniger als 30 Dollar sein. Shell gilt nicht als ein teuer produzierendes Unternehmen. Grenzkosten der Konkurrenz sollen vor Kurzem noch bei mehr als 70 Dollar gelegen haben. Shells Produktionsleistung sank im letzten Jahr um sieben Prozent. Die weltweite Ölnachfrage ging um weniger als ein Prozent zurück. So wie Shell geht es auch anderen Konzernen. Es gibt allerdings Gegenbeispiele. Die brasilianische Petrobras strotzt vor Tatdrang. Dort hat man gerade den Investitionsplan für die kommenden vier Jahr erhöht. Damit will man die beträchtlichen Untersalz- und Tiefwasservorkommen des Landes anzapfen. Damit der Plan aufgeht, muss der Ölpreis mittelfristig allerdings steigen.

Gänzlich zu verabschieden scheint sich die Ölwelt von alten Ideen, nach denen die Ölförderung bis 2030 auf 130 Mio. Barrel pro Tag ausgeweitet werden kann und muss. Der Chef der französischen Total, Christophe de Margerie meint, dass wir niemals eine Produktion von mehr als 90 Mio. Barrel pro Tag erleben werden.

Die Zusammenhänge zeigen den Widerspruch, der vor uns liegt deutlich. Mehr denn je sind wir auf billiges Öl angewiesen, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Und mehr denn je ist das Ende des billigen Öls absehbar. Weil das so ist, ist eine Auseinandersetzung mit den Grenzen des Wachstums überfällig. Die Debatte kann in zwei Richtungen führen. Die eine Richtung ist pessimistisch. Sie mündet in einer Art Untergangsszenario der modernen Welt, deren Ansprüche durch die Erde nicht gedeckt werden können. Krieg und Kampf um die verbleibenden Ressourcen liegen auf dem Weg. Die andere Richtung dreht sich um eine gerechte Verteilung der Ressourcen und um die Ausweitung des Wirtschaftens mit immateriellen Wirtschaftsgütern wie Bildung und menschlichem Wohlergehen. Dieser Teil der Debatte handelt von einer Justierung der Bedürfnisse im Einklang mit den Möglichkeiten. Durch die Aufnahme nicht ressourcengebundener Wirtschaftsgüter könnten wir für lange Zeit an der Idee vom unbegrenzten Wachstum festhalten. Die klassische Ökonomie bräuchte nicht über Bord geworfen zu werden. Man kann natürlich auch auf die Debatte verzichten und das Prinzip Hoffnung wählen. Es ist die Hoffnung, dass diese wie viele andere Krisen zuvor auch eine natürliche und vorübergehende Erscheinung ist, an deren Ende wir wieder auf den Pfad unbegrenzten Ressourcenverbrauchs zurückkehren.

Heute Morgen herrscht weiterhin Unklarheit über den bevorstehenden Gang der Ölpreise. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese erneut fallen werden, ist groß. Die Tonne Gasöl kostet 355 Dollar. Das Barrel Rohöl der Sorte WTI gibt es für 38,00 Dollar. Brent kostet 40,69 Dollar. Der US-Dollar ist ebenfalls auf dem Sprung. Ihn zieht es in die Gegenrichtung zum Öl. Aktuell kostet er 78,47 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie folgen den internationalen Notierungen für Gas Oil und Heating Oil. Im Gegensatz zum Rohöl weisen diese recht deutlich abwärts. Alte Tiefs aus dem letzten Jahr wurden unterschritten. Ölheizer nehmen die Gunst der Stunde wahr und ordern wieder verstärkt. Seitdem die Preise gefallen sind, gibt es den Drang, jeden Leerraum im Tank umgehend aufzufüllen. Das ist vielleicht der unbewusste Ausdruck einer Krise. Momentan sieht es so aus, als sollten demnächst noch schönere Preise auf uns zukommen. Trotz ihrer Attraktivität sollte man nicht vergessen, sich um eine weniger energieintensive Zukunft zu kümmern. Verbrauchssenkung ist dringend angesagt. Schauen Sie hierzu mal auf www.esytrol.com.

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