Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Ölpreise ganz oben

90 Dollar für das Fass Rohöl sind keine Utopie mehr. Die Marke rückt greifbar nah. Derzeit kostet US-Rohöl fast 87 Dollar. Die fundamentalen Gründe für den erneuten Preisanstieg sind dürftig. Der türkisch-kurdische Konflikt auf irakischem Gebiet wird u.a. genannt. Plausibler als diese Begründung ist die pure Gier von großen Spekulanten nach schnellen Gewinnen. Die charttechnische Konstellation verheißt nach dem Durchbruch der alten Höchstmarke eben diese. Der Dollar tendiert wieder gegen den Ende September erreichten Tiefststand. Devisenhändler sehen einem Fortgang des Abwärtstrends entgegen.

Dass Banken und Investmentfonds wieder bereit sind, ins spekulative Risiko zu gehen, ergibt sich aus den wöchentlich veröffentlichten Zahlen über die von ihnen gehaltenen Kontrakte. Bereits in der letzten Woche nahmen das Engagement und der Überhang auf bullische Rohölpapiere zu. Anders verhält es sich beim Heizöl. Das Engagement sinkt spürbar trotz des bevorstehenden Winters.

Die allgemein kolportierten Begründungen für die gestrige Preisbewegung nennen die Türkei und China als Auslöser. Das türkische Parlament stimmt in dieser Woche über einen militärischen Einsatz im Nordirak ab. Hintergrund sind die Spannungen mit der kurdischen Arbeiterpartei (PKK). In Agenturmeldungen ist von möglichen Auswirkungen auf die Ölversorgung die Rede, da sich ein wesentlicher Teil der irakischen Ölquellen im Konfliktgebiet befindet. Der Militäreinsatz stünde allerdings erst im kommenden Jahr auf der Agenda. Bis dahin haben Politik und Diplomatie noch erhebliche Handlungschancen. China steigert seine Nachfrage in diesem Jahr erneut. Der Zuwachs wird im prognostizierten Rahmen liegen. Im letzten Monat erreichte die Zuwachsrate den niedrigsten Wert der letzten zwölf Monate.

Nach IEA (Internationale Energie Agentur) und EIA (Energieinformationsdienst der US-Regierung) gab die OPEC gestern ihre Prognose für den zu erwartenden Bedarf preis. Die Einschätzung liegt unter denen der beiden anderen Institutionen. Sie wird unwesentlich gegenüber früheren Prognosen angehoben. Erwartet wird ein Anstieg von 1,52 Prozent für dieses und 1,56 Prozent für das kommende Jahr.

Mit Ausnahme des Preisanstiegs liegen keine Hiobosbotschaften vor. Deshalb liegt es auf der Hand, die Ursache des Aufwärtstrends in der Charttechnik und ihrer Interpretation durch die großen Spekulanten zu sehen.

Verbraucher geraten durch die Preisbewegung des laufenden Jahres in eine missliche Lage. In der ersten Jahreshälfte gab es keinen Anlass, sich um den Heizölkauf zu kümmern, da als Folge des sehr warmen Winters kaum Brennstoff verbraucht wurde. Die Preise waren in der Phase vergleichsweise moderat. Nun, ein Jahr nach der letzten Befüllung und den nächsten Winter vor Augen steigt der Kaufwille und der Kaufzwang. Die Preise sind mittlerweile in Rekordhöhen entglitten. Eine Umkehr ist noch nicht zu erahnen. Ob diese überhaupt kommt, steht und fällt mit dem Temperaturverlauf des Winters. Eine befriedigende kurzfristige Konsequenz für das Handeln gibt es nicht. Für das langfristige Handeln bieten sich zwei Konsequenzen an, Energiesparen durch neue Technik und die Ölpreisbewegung ganzjährig zu verfolgen, um von zwischenzeitlichen Preistiefs zu profitieren. Hierzu bietet diese Ölplattform Hilfsmittel, die den täglichen Blick auf die Preisbewegung erübrigen.

In eine missliche Lage gerieten aber nicht nur Verbraucher. Dem Heizölhandel bereiten die hohen Preise noch mehr Schwierigkeiten, denn er verdient daran nicht besser sondern schlechter. Da die Nachfrage in diesem Jahr extrem gering war und ist, wurde der Wettbewerb härter. Die Margen fielen teilweise ins Bodenlose. Im letzten Jahr konnte sich der Handel sicher sein, für eine knapp kalkulierte Tour bei guter Gesamtauslastung mindestens 75 Euro zu erlösen. Dieser Wert, ca. vier Prozent vom Rechnungsbetrag, stellt ein betriebswirtschaftliches Minimum dar. In diesem Jahr lässt die Sorge, überhaupt an Aufträge heranzukommen, den Preis für eine Tour teilweise unter die Hälfte des üblichen Betrags sinken. Mit 35 Euro pro Tour, das entspricht weniger als zwei Prozent des Rechnungsbetrags, kann kein Händler mehr leben. Angesichts dieses Preisdrucks wächst die Gefahr von Mengenbetrug aus purer Not. Verbraucher sollten sich dieses Umstands bewusst sein, wenn sie den Preis im Verkaufsgespräch weiter drücken.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis hartnäckig auf dem gestern erreichten hohen Niveau. Die Tonne kostet 714,00 $.

Unsere Heizölpreise steigen. Sie stehen im Begriff, das Jahreshoch zu überschreiten. Unwesentlich höher waren die Preise lediglich im September 2005. Sollte der Auftrieb am internationalen Markt anhalten, wonach es derzeit aussieht, sind in diesem Jahr neue Rekordpreise für Heizöl zu erwarten. Die Stärke des anschließenden Preisrückgangs wird wesentlich vom Winterverlauf abhängen.

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