Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Ölpreise ziehen Heizölpreise in die Höhe

Internationaler Markt

Gestern zogen die Rohölpreise an. Sie wurden von den neuen US-Bestandsdaten getrieben, die wöchentlich Anlass zu Spekulationen sind. Zwar wurde erneut Rohöl angehäuft und das zentrale Lager in Cushing, Oklahoma, nähert sich weiter seiner operativen Obergrenze. Dennoch fiel der Anstieg niedriger aus als zuletzt erwartet. Das wäre eigentlich nicht verwunderlich, denn die Raffinerie-Auslastung zog an. Der Abbau beim Benzin fiel hingegen stärker als erwartet aus, was ebenfalls zu einem leicht preistreibenden Effekt führte. Die Versorgungslage bleibt also auskömmlich. Nichtsdestotrotz führten die zunächst leichten Preissteigerungen zu technischen Anschlusskäufen, welche die Ölpreise erst richtig in die Höhe katapultierten. Wir gehen davon aus, dass sich der Anstieg im Laufe des Tages relativieren wird.

Der Euro hielt sich wacker. Der EZB-Chef Draghi hatte auf der Pressekonferenz der EZB keinen Zweifel darüber gelassen, dass die Anleihekäufe fortgesetzt würden. Vielmehr zeigte er sich verwundert über die Spekulationen, nach einem Monat bereits wieder über eine Reduzierung des Programms sprechen zu müssen. Das tat er sodann auch nicht, sondern verwies auf die ersten vermeintlichen Erfolge des Programms. Es solle bis Ende September 2016 weiterlaufen. Er räumte schließlich ein, dass es flexibel angelegt sei, um erforderlichenfalls Änderungen vornehmen zu können, verglich das Vorgehen aber mit einem Marathon, an dessen Anfang man stünde. Den Euro belasteten diese Aussagen wenig. Zwar gab es im Vorfeld der Pressekonferenz bereits Kritik an der Höhe des Programms, dass der EZB-Rat so schnell von seinem Kurs abweichen würde, konnte kaum ernsthaft erwartet werden. Zeitgleich wirkten die verbesserten Aussichten für den Euro-Raum mildernd.

Der treibende Einfluss blieb also die Veröffentlichung der Veränderungen der US-Bestände. Die Bestandszahlen der berichtenden Institutionen, DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,2 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,7 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung stieg auf 92 Prozent. Wie extrem die Bevorratungslage mittlerweile ist, zeigt unsere Grafik über die US-Bestände. Aus ihr wird die Absurdität jedweder bullischer Handlungsweise der Finanzszene deutlich.

Die starken Bewegungen der letzten Zeit halten an. Heute Morgen bewegt sich bereits wieder der Devisenmarkt. Er handelt gegen den Euro. Die Ölnotierungen von gestern Abend werden bestätigt. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 573,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 56,46 Dollar und in London zu 63,28 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9367 Euro . Damit kostet der Euro 1,0676 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise ziehen deutschlandweit an. Sie bewegen sich aber noch im kurzfristigen Seitwärtstrend. Es gibt kaum eine Möglichkeit, sich dem letzten Aufwärtsschub zu entziehen, dafür war er einfach zu stark.

Die Binnennachfrage stockt entsprechend der letzten Preissteigerungen. Vor dem Hintergrund des im Vergleich zu den Vorjahren sehr günstigen Heizölpreises kann trotzdem noch gekauft werden. Der absolute Preisverfall scheint erst einmal beendet zu sein. Man kann sich mit dem Jahresvergleich zufrieden geben. Die Hoffnung auf fallende Heizölpreise steht unverändert mit 64 Prozent auf einem sehr niedrigen Wert. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf einem niedrigen Niveau für die Kaufbereitschaft und bescheinigt, dass die Mehrheit der Käufer an bessere Kaufmomente glaubt, wohlgemerkt bei schwachem Gesamtinteresse, das andere auf einem nicht überzeugenden Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich etwas tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben keine hoffnungsvollen Zeichen mehr ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie seitwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärts gehen. Beides ist möglich. Genau diese Einstellung erleben wir derzeit an den Börsen.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen. Machen Sie sich nur klar, dass diese Spekulation Chancen und Risiken beinhaltet.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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