Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Ölpreistreiber finden ihre Meister

Die Börsen wackeln. Ölnotierungen brachen binnen drei Tagen um zehn Prozent ein. Der Dollar legte zeitgleich um gut vier Prozent zu. Die Zahlen suggerieren zwar Anderes, aber die wirklich bemerkenswerte Performance brachte der Dollar zu Tage. Sie hat Krisencharakter. Erinnerungen an die Tage der Lehman-Pleite werden wach. Ölpreisbewegungen gleicher Größenordnung kommen häufiger vor. Die letzte vergleichbare Schwankung liegt gerade drei Monate zurück.

Der Motor des Geschehens ist der Devisenmarkt. Dort steht der größte derzeit betriebene Wetttisch. Man zockt gegen den Euro. Das beflügelt den Dollar. Es gibt gute Gründe für die Wette. In Euroland wurde gemogelt. Inkompatibilitäten zwischen den regionalen Wirtschafträumen wurden in politischen Schönwetterreden vertuscht. Probleme hat man versucht auszusitzen. Die Beschönigungen wurden entdeckt. Nun bestraft sie der Markt. Das klingt nach einer gerechten Konsequenz. Konsequenter als die Politik verhält sich die Finanzindustrie in der Sache ohne Zweifel. Dieses Verhalten mit dem Attribut gerecht zu versehen, ist allerdings bizarr. Bei dem Prozedere der Finanzjongleure handelt es sich um eine Mischung aus Exorzismus und Raffgier. Es dient in keiner Weise der Fehlerbehebung. Es dient einzig den Protagonisten des Wettsystems selbst. Ihr Spiel ist außerordentlich lukrativ. Die Spieler sind tendenziell suchtkrank. Das sind die Fakten, die ein vernunft- und moralgeleitetes Ende der Zockerei unwahrscheinlich machen. Es besteht die ernste Gefahr, zunächst den Euro und danach den Dollar aus den Angeln zu heben. Den Yen und den Renminbi wird man als Zwischengericht auch noch verputzen. Denn gesund und stark ist keines der Währungssysteme. Alle leiden am Übergewicht ihrer Kreditmassen. Irgendwann während dieses großen Fressens stirbt das Weltfinanzsystem. Zu verhindern ist das Horrorszenario nicht durch das freie Spiel der Marktkräfte. Zu verhindern ist es nur durch politisches Handeln. Die Märkte werden es eben nicht richten.

Verglichen mit der Sprengkraft, die auf dem großen Währungswetttisch liegt, ist das Potenzial am kleineren Öltisch niedlich. Dort sehen die Bullen ihre Spielstrategie in Frage gestellt. Die basiert auf der Idee, reales Wirtschaftswachstum und als dessen Folge steigenden Ölbedarf zu proklamieren. Um die Idee glaubhaft zu verkaufen, müssen die Währungssysteme im Einzelnen und das Weltfinanzsystem als Ganzes funktionieren. Ihre Funktion ist die notwendige Bedingung für den Spielerfolg. Eine hinreichende Bedingung ist der Glaube an Wirtschaftswachstum. Dass in Zahlen ausgedrücktes Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig zu steigendem Ölkonsum führen muss, zeigen die USA und Europa. Allerdings eliminiert dieses Faktum keineswegs die hinreichende Bedingung (Glaube an Wirtschaftswachstum).

In den letzten Wochen funktionierte die Wachstumsthese ausgezeichnet, um am Spieltisch mit Ölpapieren gutes Geld zu verdienen. Die Preise stiegen, obwohl der Ölkonsum in den USA und in Europa kein Zeichen des Wachstums aussendete. Das einzige, was wuchs, waren die Vorräte. So geschah es auch in der letzten Woche. Die neuen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) vorgelegten Zahlen markieren nun endgültig den höchsten Lagerbestand in den USA seit 20 Jahren, dem Zeitraum unserer Datenbasis.

Rohöl: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,7 (DOE) bzw. 5,9 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die US-Raffinerieauslastung ist auf 90 Prozent gestiegen. Dieser Wert ist sehr gut. Er wurde weniger durch eine erhöhte Nachfrage als durch eine reduzierte Raffineriekapazität erreicht. Gleichwohl hat der Wert im Gegensatz zur Bevorratung eine bullische Berechtigung.

Heute Morgen geht die Dollar-Rallye weiter. Im Gefolge fallen die Ölpreise. Die Tonne Gasöl notiert bei 687,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 79,05 Dollar und in London 81,85 Dollar. Die sehr stabil anmutenden Aufwärtstrends des Ölkomplexes scheinen dem Kippen nahe zu sein. Voll im Trend liegt dagegen der US-Dollar. Er wird zu 78,50 Eurocent gehandelt. Überhitzung ist eingetreten.

Unsere Heizölpreise sinken weiter. Verglichen mit dem rasanten Abgang der Ölnotierungen kommen sie langsam zurück. Der heiß laufende Dollar wirkt als Bremse. Angesichts der Markt- und Preismacht der im Öl engagierten Finanzjongleure können wir uns einen Preiseinbruch kaum vorstellen. Nun haben die Jongleure ihre Meister auf dem Devisenmarkt gefunden. Von dort kommen ganz starke Signale. Sie haben Crashcharakter. Wir beginnen, die Möglichkeit eines Preissturzes näher rücken zu sehen. In diesem Fall wäre Abwarten natürlich das beste Rezept für einen günstigen Heizölkauf. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen