Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Ölreserven erneut gestiegen

Das Ölzeitalter ist noch lange nicht zu Ende, sagen Rex Tillerson und Abdallah S. Jumah. Sie müssen es wissen, denn sie lenken die größten Ölgesellschaften der Welt, ExxonMobil und Saudi Aramco. Ohne jeden Zweifel haben die Herren Recht. Die noch lange währende primäre Bedeutung des Öls im weltweiten Energiemix bestätigen alle Wissenschaftler, egal ob sie Öloptimisten oder Ölpessimisten sind. Im Gegensatz zu vielen Fachleuten der Branche tendieren Tillerson und Jumah allerdings dazu, die Diskussion über aufkommende Versorgungsprobleme im Keim zu ersticken. Die zum Jahreswechsel publizierten Zahlen des renommierten Oil & Gas Journal über die weltweiten Reserven scheinen ihnen hierin Recht zu geben. Denn die Reserven sind trotz erhöhten Verbrauchs erneut gestiegen. Die Zunahme beträgt 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Verbrauch wird wahrscheinlich einen größeren Zuwachs verzeichnet haben. Zahlen hierzu werden in zwei Monaten vorliegen. Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage auch in 2008 trotz der Wirtschaftsschwäche in den USA weiter wachsen wird. Dass die Hypothese sinnvoll ist, lässt sich allein aus den Anstrengungen der Volksmobilisierung in China und Indien erkennen. Beide Länder gelten als die größten zukünftigen Automärkte. Die Vorstellung des Billigautos Tata Nano lässt einen immens wachsenden Kraftstoffdurst erahnen. Die Fakten zum Fahrzeug sind imponierend. Sie sind aber auch erschreckend, denn sie lassen ein zeitgemäßes Umweltbewusstsein vermissen und sie hegen Zweifel an der gesamtwirtschaftlichen Sinnfälligkeit des Projekts. Das extrem billige Auto verbraucht vergleichsweise viel Sprit. Effizienz war offensichtlich ein untergeordneter Aspekt der Entwicklung. China und Indien haben hier nach wie vor gemeinsame und schwerwiegende Defizite. Sie ahmen die Verschwendungssucht der alten Industrienationen nach. Das Recht hierzu kann man ihnen nicht absprechen. Die Folgen dieses Handelns sollten aber gebührend thematisiert werden, denn es hat weit reichende Konsequenzen.

Beim gegenwärtigen Verbrauch werden die verfügbaren Reserven rund 50 Jahre reichen. Dass weitere Reserven erschlossen werden, ist sicher. Daher wird es auch nach 50 Jahren noch Öl geben. Ob der Verbrauch dann höher ist als heute oder ob er angesichts exorbitant gestiegener Ölpreise wieder gesunken sein wird, ist ungewiss. Letzteres würde den Tata zur Fehlentwicklung degradieren. Denn wem nützt ein billiges Auto, wenn der Kraftstoff nicht mehr bezahlbar ist?

Die Ölpreise werden unweigerlich steigen, wenn die Erschließung der Ölreserven unzureichend voranschreitet. Das ist heute bereits der Fall. Man kann sowohl eine zeitliche als auch eine quantitative Differenz zwischen Planung und Realisierung bei der Erschließung neuer Quellen feststellen. Nicht zuletzt diese Tatsache veranlasst Spekulanten, sich im Ölmarkt zu engagieren. Sie sehen einen vorschreitenden Mangel. Der macht die preisliche Entwicklung scheinbar gut kalkulierbar.

Den nominell gestiegenen Ölreserven stehen einige Merkwürdigkeiten gegenüber, die Zweifel an den veröffentlichten Zahlen aufkommen lassen. So ist die Förderung im vergangenen Jahr zurückgegangen. Es stellt sich die Frage, ob das so gewollt war oder ob das durch die Natur der Ölquellen so erzwungen war. In einem gesunden Markt folgt der Nachfragesteigerung eine Produktionserhöhung. Das ist im Ölmarkt nicht der Fall.

Saudi Arabien erhöhte seine Reservenangabe um 1,7 Prozent. Gleichzeitig pumpte es 1,2 Prozent der vorher genannten Reserven aus dem Boden. Im vergangen Jahr müssen somit Funde in Höhe von 2,9 Prozent der alten Reserven erschlossen worden sein. Das ist eine Menge, die die aktuellen Reserven Norwegens übersteigt. Ein so gewaltiger Fund sollte gebührend bejubelt werden. Jubel war aber aus Saudi Arabien nicht zu vernehmen. Das legt die Vermutung nahe, dass die Reservezahlen eher vom Bilanzbuchhalter als vom Ingenieur am Bohrloch geschrieben wurden. Da Saudi Arabien über 20 Prozent der weltweiten Reserven verfügt, sind die Vorgänge in diesem Land besonders wichtig für die Ölwelt.

Ähnliche Zusammenhänge sind in Russland zu beobachten. Das Land war in 2007 die Nummer eins der Ölförderung. Dort sind die Reserven nominell konstant geblieben, was nur mit Neufunden in Höhe von sechs Prozent funktionieren kann. Gleiches gilt für die Arabischen Emirate, Katar, Oman, Libyen, Nigeria, Kasachstan, China, Indien und einige andere No Names unter den Öllieferanten.

Klug beraten ist sicher derjenige, der sich nicht die perfekte Energiequelle durch einen Öluntergangsapostel aufschwatzen lässt sondern ruhig aber zielsicher dafür sorgt, dass sein Ölkonsum Jahr für Jahr sinkt. Das ist eine vernünftige Antwort auf steigende Energiepreise. Dass diese langfristig steigen, ist eine naheliegende Annahme. Kurzfristig und mit Glück auch auf das gesamte Jahr bezogen könnte diese Annahme ausgesetzt werden.

Gestern stiegen die Preise als Gegenreaktion auf den vorausgegangen Rückgang. Heute Morgen ist die Bewegung zum Stillstand gekommen. Die Tonne Gasöl kostet 811,00 $.

Unsere Heizölpreise ziehen leicht an. Zuvor sind sie recht ansehnlich gesunken. Bei 3000 Liter Liefermenge beträgt der Rückgang gegenüber der Preisspitze rund sieben Prozent. Auf Grund der laufenden Diskussion über eine drohende Rezession für die US-Wirtschaft gewichten wir die Wahrscheinlichkeit für weiter fallende Preise etwas höher als für den umgekehrten Fall.

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