Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Ölreserven leicht rückläufig

Die Ölpreise steigen. Nun hat Rohöl das besondere Interesse der Börse gefunden. Gestern wurde in New York die Marke von 71 Dollar überschritten. In London kostet das Barrel über 72 Dollar. Der Preis für Texas Öl, der lange Zeit seitwärts tendierte, ist in den letzten Tagen steil in die Höhe geschnellt. Damit befindet sich der gesamte Markt mit Ausnahme von Benzin im Aufwärtstrend. Der Dollar hat seinen Seitwärtstrend schlagartig verlassen. Er ist in einen steilen Abwärtstrend gewechselt. Devisenhändler begründen das mit der Annäherung der europäischen Zinsen an das US-Niveau.

Die vereitelten Terroranschläge in Großbritannien bringen Nervosität in den Markt. Als nachhaltiger Grund für steigende Preise taugen sie nicht. Neue Raffinerieausfälle in den USA unterstützen den Preisauftrieb generell. Aber auch hierin liegt kein Grund für einen Preissprung beim Rohöl. Was der spekulative Antrieb der Börse ist, ist Gegenstand einer weiteren Spekulation. Nahe liegend wäre beispielsweise die Veröffentlichung der Öl- und Gasstatistiken von BP und ExxonMobil. Aus diesen Statistiken kann man ablesen, dass es um die Entwicklung der Reserven und damit um die Reichweite der wichtigsten Energieträger nicht so gut bestellt ist, wie die Gesellschaften das gerne darstellen. Die Reichweite gibt an, wie viele Jahre man das aktuelle Verbrauchsniveau mit den bekannten Energievorkommen decken kann. Seit Ende der 1980er Jahre ist die Reichweite der Ölreserven, nicht mehr gestiegen. Angesichts der gewaltigen Steigerung des Verbrauchs kann man diesen Umstand als positiv ansehen. Kritiker sehen darin allerdings ein Zeichen, dass wir uns am Punkt der maximal möglichen Ausbeute befinden. Sie nennen diesen Punkt Peak Oil. Nach seinem Überschreiten ist die Förderung nicht mehr steigerbar. Das Öl wird danach zwar nicht ausgehen. Es wird angesichts der offensichtlichen Knappheit aber immer teurer werden.

ExxonMobil sieht keinen Grund für derartige Annahmen. Öl und Gas werden in absehbarer Zeit nicht ausgehen. Man verweist auf eine Steigerung der Reserven im letzten Jahr. Die Zahlen von BP zeigen allerdings einen Rückgang. Ob Steigerung oder Rückgang ist angesichts der geringen Veränderung zum Vorjahr unerheblich. Spekulanten könnten ihre bullische Einstellung damit begründen, dass trotz enormer Anstrengungen bei der Exploration nur dürftige Resultate zu Tage treten. Vor Jahren, als die Ölindustrie ungenügende Mittel für die Entdeckung neuer Vorkommen zur Verfügung hatte, gab es Grund zu der Annahme, dass die Stagnation bei der Entwicklung der Reserven, auf die wirtschaftlich bedingte Untätigkeit zurückzuführen sei. Diese Annahme gilt nun nicht mehr. Damit rückt die Vermutung näher, dass es tatsächlich nicht mehr zu entdecken gibt.

Sollten also die Öl- und Gaspreise und in ihrem Schlepptau auch die Preise regenerativer Energieträger als Folge des vermuteten Peak Oil unaufhaltsam steigen? Bei anhaltender Verbrauchssteigerung wird es kaum anders sein. Wie aber würden Spekulanten reagieren, wenn die Energiewende durch eine Effizienzrevolution gelänge? Diese Frage wird bis auf weiteres offen bleiben müssen. Denn zu dieser Revolution wird es einstweilen noch nicht kommen. Es wird zwar viel darüber geredet. Es wird aber nicht entsprechend gehandelt. Noch herrscht die Meinung, dass es nur am richtigen Energieträger mangelt, um das Preisproblem in den Griff zu bekommen. Solange der Verbrauch wächst, kann das nicht funktionieren, da die Endlichkeit der zur Verfügung stehenden Ressourcen ständig aufs Neue aufträte. Das gilt heute für Öl und Gas. Es gilt morgen für Bioöl und Biogas und sogar für verfügbare Standorte, um aus Wind und Sonne Nutzenergie zu machen. An der fehlenden Speicherung letzt genannter scheitert ein nennenswerter Anteil am Energiemix übrigens immer noch.

Nicht nur für Öl und Gasverbraucher kann die logische Schlussfolgerung nur lauten, der beste Schutz vor steigenden Brennstoffpreisen ist eine moderne und vor allen den Dingen effiziente Heizung und ein gut gedämmtes Haus. Denn nichts drückt die Brennstoffkosten mehr, als die Senkung des Verbrauchs. Wenn diese Haltung im großen Stil Einzug hielte, würden die Bullen am Ölmarkt vermutlich sehr schnell das Lager wechseln und die Preise zum Einsturz bringen.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis auf dem Niveau von gestern Abend. Die Tonne kostet 630,50 $. Das ist nicht mehr viel weniger als vor einem Jahr.

Unsere Heizölpreise halten ihren Seitwärtskurs. Der Preissteigerung am Weltmarkt steht ein drastischer Dollarverfall gegenüber. Dieser dürfte vermutlich eher beendet sein, als der zu erwartenden Preisauftrieb für Öl. Daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Heizöl in den kommenden Wochen teurer wird. Die Gegenreaktion im Inland auf die seit Wochen extrem niedrigen Margen wird ein Übriges dazu beitragen.

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