Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Über den Berg?

Nach der Ankündigung durch den Saudi Arabischen Ölminister Amini, die OPEC werde die Förderung um 2 bis 2,5 Mio. Barrel pro Tag anheben, begaben sich die Preise auf Talfahrt. Rohöl fiel im New Yorker Handel unter die 40$-Marke. Im asiatischen Handel wurde die eingeleitete Gegenbewegung zu den heiß gelaufenen Preisen der letzten Wochen bestätigt. Dass mit diesem Impuls eine grundsätzliche Wende in der Preisentwicklung eingeleitet wird, muss indes bezweifelt werden.

Die OPEC ist sauber. Denn der Vorstoß von Amini kam unabgesprochen und nach Ansicht einiger Mitglieder nicht im gemeinsamen Sinn. Eine Entscheidung über eine Erhöhung der Förderung kann erst am 3. Juni anlässlich des Kartelltreffens in Beirut getroffen werden. Gegen eine entsprechende Entscheidung hat der Iran bereits Opposition angekündigt.

Saudi Arabien zeigt sich in der Tat als Dominator. Allerdings entspricht das vollständig der realen Lage. Denn kein anderes OPEC-Land ist gegenwärtig in der Lage, eine nennenswerte Erhöhung der eigenen Förderung herbeizuführen. Einzig Saudi Arabien verfügt über die nötigen Förderreserven, die kurzfristig aktiviert werden können. Daher läuft selbst ein gemeinsam gefasster Beschluss auf das selbe hinaus, was Saudi Arabien allein beschließen und ausführen kann.

Den Ölpreis zu senken, scheint nun ein ernsthaftes Anliegen Saudi Arabiens geworden zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, warum Amini sich als kämpferischer Stimmungsmacher präsentierte. Neben einer festen Zusage, die eigene Förderung auf 9 Mio. Barrel pro Tag anzuheben, signalisierte er die Möglichkeiten des Landes auf einen weiteren Ausbau der Produktion auf 11 Mio. Barrel. Darüber hinaus lägen Pläne vor, die Leistung sogar auf 12 bis 15 Mio. Barrel pro Tag zu erhöhen. Deren realistischer Gehalt wird allerdings von der IEA (Internationale Energie Agentur) bezweifelt.

Angestrebt wird nach Aminis Aussage ein Preisniveau von 30$ bis 35$. Langfristig will die OPEC sogar wieder in die Nähe des alten Preisbands kommen. 25$ bis 28$ sei das Ziel. Wohlgemerkt spricht Amini hier für die OPEC, deren Mitglieder teilweise anderer Meinung sind.

Dass die Ölpreise auf diesen Befreiungsschlag nachhaltig reagieren, muss noch bezweifelt werden. Zu tief sind die aktuellen Verwerfungen in der Infrastruktur für Förderung und Produktion von Benzin und anderen Produkten. Auf Grund des Preisverfalls im dritten Drittel der 1990er Jahre mit Rohölpreisen bis hinab auf 10$ fehlten der Industrie Investitionsmöglichkeiten. Über Jahre wurden keine neuen Förder- und Produktionseinrichtungen gebaut. Das Fehlen dieser Einrichtungen verbunden mit einem unvorhergesehenen Nachfrageanstieg der schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften brachte unser aktuelles Problem hervor. Das abzustellen gelingt nur über neu zu bauende Infrastruktur. Der hohe Ölpreis bringt jetzt das Geld dafür. Aber die Zeit für den Bau der Anlagen muss noch vergehen, bis die Lage sich nachhaltig bessern wird.

Eine positive Erkenntnis scheint allerdings gewiss zu sein. Die erschließbaren Reserven sind noch lange nicht am Ende. Auf absehbare Zeit gibt es genügend Ölvorräte, um uns zu versorgen. Das bottle neck sind ?lediglich? die technischen Anlagen, die uns aus den Ölreserven in der Erde schließlich Heizöl und Kraftstoffe schaffen.

Der Dollar zeigt sich in diesen Tagen ohne feste Richtung, so dass sich der Preis für Rohöl direkt in den Heizölpreisen niederschlägt.

Der Gasölpreise kommt heute Morgen weiter zurück. Inzwischen kostet die Tonne 314$.

Unsere Heizölpreise sind am Freitag bereits gefallen. Sie gingen mit dem Weltmarkt. Die Hoffnung lebt, dass es weiter abwärts gehen wird. Allerdings bleibt die grundsätzliche Tendenz zu steigenden Preisen erhalten. Derzeit ist lediglich eine Gegenreaktion zum Aufwärtstrend erkennbar. Die sollte genutzt werden, um sich mindestens mit einem halben Tankvolumen einzudecken. Schauen Sie nun laufend auf die Preisentwicklung, um einen günstigen Moment zu erwischen.

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