Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


„Riad, wir haben ein Problem“

Sie sind angetreten, den galoppierenden Preisverfall zu stoppen. Dazu haben sie Mitstreiter eingebunden, allen voran die Ölgroßmacht Russland. Sie haben sich und das Gebären eines Kürzungsspruchs inszeniert wie Advent und Weihnachten. Seit Tagen sind sie in den Schlagzeilen. Gestern war Weihnachten für die OPEC. Ein historischer Spruch wurde geboren. Das Ölangebot wird um 2,2 Mio. Barrel pro Tag gekürzt. Zusammen mit der letzten Reduzierung, sie wurde im Oktober beschlossen, werden ab Januar 4,2 Mio. Barrel pro Tag weniger geliefert als im September. Die Lichter sind an. Der Baum brennt. Er wird abbrennen. Weihnachten ist für die OPEC gelaufen. Denn der Preisverfall stoppt nicht. Im Gegenteil, gestern fiel der Rohölpreis in New York zeitweise unter die Marke von 40 Dollar.

Wahrscheinlich hätte man den Baum nicht illuminieren sollen. Er taugt nicht für Weihnachten. Eine Kürzungsshow ist derzeit das falsche Mittel im Kampf um die Preise. Auf der Weltbühne werden großartigere Stücke gegeben, die Nullzinsaktion der FED, der drohende Bankrott der US-Autobauer, der Absturz des chinesischen Wirtschaftswunders, um nur einige zu nennen. Man ist geneigt zu fragen, wer interessiert sich angesichts solcher Probleme für eine Zurückhaltung der Öllieferanten. Zumal man weiß, dass diese jederzeit jedes angeforderte Barrel liefern werden, weil sie die Verkaufserlöse dringend benötigen. Ihren Staatshaushalten droht nämlich Ungemach. Der Satz steht: Es ist die Nachfrage, Dummkopf.

Eine Kürzung hat aus preislicher Sicht allenfalls Sinn, wenn eine Drohkulisse existiert. Schließlich braucht sie Glaubwürdigkeit, um zu wirken. Glaubwürdig kann beispielsweise eine politische Bedrohung sein. Da die Weltwirtschaft erfreulicherweise friedliche Kooperationen befördert, haben Bedrohungen unterschiedlicher Lager derzeit keine Konjunktur. Als Bedrohung wird die Krise selbst nicht aber irgend ein Partner im Wirtschaftsgefüge empfunden.

Gegen den Preisverfall helfen nur verstärkte Ölkäufe. Anreize hierzu gäbe es allein deshalb, weil der Ölpreis in Zukunft höher gehandelt wird als heute. Noch vor ein paar Monaten hätten Spekulanten die Chance auf den zu erwartenden Gewinn genutzt. Sie hätten gekauft. Der Preis wäre gestiegen. Heute fehlt das Geld für solche Geschäfte. Das ist gut für Verbraucher und schlecht für Ölproduzenten. Statt Mengen zu kürzen, hätten die Ölminister der OPEC an ihre Regierungen funken sollen, dass sie Geld benötigen, um dem Markt Liquidität zu geben. Vermutlich hätte ihnen das geholfen. Aber das ist nicht das Problem unseres Verbraucherportals.

Fast unbeachtet blieben gestern die Meldungen über die US-Vorräte. In der Tat war das, was DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zu Protokoll gaben, im Vergleich zu anderen Meldungen unspannend. Zumal die Zahlen divergieren und damit wenig Verlässlichkeit in sich tragen. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,7 (DOE) bzw. ein Abbau von 2,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist wieder auf 84 Prozent gefallen. Der Wert ist schlecht. Er ist tendenziell bullisch. Aber dieser Umstand findet derzeit wenig Interesse.

Die Bevorratung ist ordentlich. Zur Besorgnis über Engpässe gibt es keinen Anlass. So prall gefüllt wie die Kürzungsdiskussion der OPEC dies signalisiert, sind die Lager aber nicht.

Heute Morgen sind die Preise weit unten. Das gilt besonders für den Dollar und für Rohöl. Die lange gültige inverse Kopplung der beiden Werte existiert nicht mehr, seitdem die Krise sichtbar wurde. Die Tonne Gasöl kostet 460 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 40,70 Dollar. Der Dollar selbst wird zu 0,69 Euro gehandelt. Auch gestern war die US-Währung der Verlierer des Tages.

Unsere Heizölpreise bewegen sich seitwärts. Momentan hat der Binnenmarkt wieder ein starkes Eigenleben. Die Hohe Nachfrage im Süden, die anstehende Steuererhöhung auf nicht schwefelarmes Heizöl und die lange Weihnachtszeit mit ihren fehlenden Arbeitstagen sind die Ursache hierfür. Viele Verbraucher decken sich erneut ein, weil die Preise als attraktiv angesehen werden. Die Nachfrage ist deutlich höher als im November. Und das war bereits ein starker Monat. Wir sehen gute Chancen, dass die Preise im Januar tiefer sein werden als heute. Trotz des außerordentlich hohen Preisverfalls, den Heizöl in den letzten Wochen erlebte, sollten sich Verbraucher für die Senkung ihres Bedarfs interessieren. Denn Öl wird irgendwann wieder als knappes Gut gehandelt werden. Dann steigen die Preise. Schauen Sie sich einmal auf www.esytrol.com um.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen