Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


„Weg vom Öl“ tut seinem Preis gut

Am Aufwärtstrend der Ölnotierungen führt aus heutiger Sicht kein Weg vorbei. Das sah lange anders aus. Die Unsicherheit über die Stabilität der Finanzsysteme und über die wirtschaftliche Entwicklung der USA als Lokomotive der Weltkonjunktur hinderte Finanzjongleure im letzten halben Jahr daran, ungebremst auf Öl zu setzen. Seit ein paar Wochen ist die Zurückhaltung Geschichte. Die Stimmung im Kreise derer, die mit den Finanzsystemen spielen, ist gut. Sie glauben wieder an eine länger als über den Tag hinausreichende Existenz der imaginären Geldwirtschaft. Das ist die notwendige Bedingung für eine Blasenbildung, an deren Ende ein weiterer Kollaps steht. Auch wenn dieser hörbar an der Tür klopft, können noch Jahre bis zu seinem nächsten Eintritt vergehen.

Die reale Wirtschaft hilft, den Glauben zu festigen. Sie sendet Wachstumssignale aus. Die stammen jedoch nicht wie gewohnt aus den USA, sondern aus China. Das Land macht sich verdient um den Erhalt des Konsumismus und die daran gebundenen Arbeitsplätze in diversen Zulieferstaaten. Die Anerkennung der wirtschaftlichen Bedeutung Chinas und des wirtschaftlichen Abstiegs der USA ist ein befreiender Tabubruch, der Finanzjongleuren neue Möglichkeiten des Handelns eröffnet. Das große Spiel wird wieder denkbar.

Mit Rohstoffen wird dieses Spiel so vehement gespielt wie seit Jahren nicht mehr. Gekauft werden vor allen Dingen Long-Positionen (Papiere auf steigende Preise) auf Metall. Das führt unter anderem dazu, dass der Kupferpreis ein Rekordniveau erreicht hat. Hinter dieser Wette steht die Idee von der Elektrifizierung der Welt, die auf Kupfer so dringend angewiesen ist wie der Mensch auf Wasser. Aus dem Zweifel an der ausreichenden Verfügbarkeit des Rohstoffs machen Finanzjongleure ein einträgliches Geschäft. Das gelingt ihnen auch wieder beim Öl. Der Überhang bullischer Papiere am Engagement der Finanzindustrie in Rohölfutures war noch nie so groß wie heute. Er liegt weit über den Werten der Zeit, die die große Ölpreisblase von 150 Dollar pro Barrel hervorgerufen hat. Die Bemühungen um Eindämmung reiner Finanzspekulationen in Rohstoffen, die durch die Terminbörsenaufsicht in den USA nach dem Finanzcrash an den Tag gelegt wurden, haben offensichtlich nichts gebracht.

Dass der Ölpreis in dieser neuen Runde des Aufschaukelns von Rohstoffwerten relativ glimpflich davon kommt, könnte an einer neuen Sichtweise auf den zukünftigen Energiemarkt liegen. In dem spielt nach dem erklärten Willen der Politik Öl eine untergeordnete Rolle. Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, hat die grüne These des „weg vom Öl“ so tief verinnerlicht, dass der Rohstoff in seinem jüngsten Strategiepapier keine Rolle mehr spielt. Aus Kreisen von NGOs (Nichtregierungsorganisationen) kommt sogar die Forderung der kompletten Substitution des Öls durch erneuerbare Energien in Europa. Das sind die politischen Leitsätze, aus denen Rohstoffblasen für Kupfer, Mais, Weizen und andere Stoffe gemacht werden. Fakt ist, dass Öl heute national und international der mit Abstand größte Energieträger ist. Und auch im Jahr 2030 wird Öl rund 30 Prozent des Primärenergieaufkommens stellen. Jede Strategie, die sich mit dem gigantischen Verschieben von Energieströmen auf der Angebotsseite in einer Weise beschäftigt, die Glauben macht, bei wachsendem Bedarf freie Verschiebungsmöglichkeiten der Ressourcen zu haben, ist das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben ist. Solange wir keine Strategie kennen, die Nachfrageseite vollkommen neu zu gestalten, werden wir auf jedwedes Energieangebot angewiesen sein. Die öffentliche Ablehnung des Öls hat für Verbraucher immerhin den schönen Effekt, dass die Preise aus oben genannten Gründen weniger rasant steigen werden, als im Fall der Anerkennung seiner realen Bedeutung für die Menschen.

Heute Morgen nehmen die Preise wieder Kurs nach oben, nachdem sie gestern etwas eingeknickt waren. Die wirklich interessante Preisentwicklung spielt sich momentan beim Dollar ab. Der befindet sich gerade in einem heftigen Fall. Das ist Ausdruck der neuen Investitionsbereitschaft der Finanzszene. Das im Dollar zwischengelagerte Geld wird wieder in aussichtsreichere Anlagen verschoben. Die Tonne Gasöl kostet 755 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 88,86 Dollar und in London 91,52 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,34 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise kamen, dem Dollar sei Dank, ein wenig von ihren Höhen zurück. Viel billiger wurden sie nicht. Es ist auch nicht zu erwarten, dass sie in den kommenden Tagen und Wochen viel billiger werden. Aber immerhin sollte uns ein deutlicher Anstieg erspart bleiben, wenn die Finanzszene die europäische Schuldenproblematik entspannter betrachtet. Dazu hat sie angesichts der Probleme um den Dollar allen Grund. Als Kaufgrund wird man den Heizölpreis auch in den kommenden Wochen nicht heranziehen können. Zum Kauf zwingt üblicherweise der bei diesen Temperaturen rasant sinkende Vorrat im Tank. Nun noch ein Hinweis in eigener Sache. Damit wir unseren Dienst verbessern können, möchten wir Sie bitten unsere Qualitätsinitiative zu unterstützen und einige unserer Fragen zu beantworten: Zur Umfrage

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