Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


0,5 Mio. Barrel und doch ein neues Preishoch

Die OPEC und die US-Bestandsmeldungen prägten den gestrigen Handelstag im Öl. Das Kartell hebt das Förderlimit ab dem 1. April um 0,5 Mio. Barrel an. Der Markt nahm es zur Kenntnis und schwieg. Die Bestandsdaten fielen etwas schlechter aus als erwartet. Der Markt salutierte mit einem neuen Preisschub. Die USA meldeten ein unerwartet hohes Leistungsbilanzdefizit. Das rückte den Dollar zurück in die Spur seines Abwärtstrends. In Summe brachte der Tag nur trendkonforme Ergebnisse.

Das OPEC-Treffen war eine vielbeachtete Veranstaltung. Für einige Zeit ließ sich die Börse von den widersprüchlichen Äußerungen der Ölminister dirigieren. Die hatten schließlich Erbarmen und sagten der Welt die erhoffte Anhebung des Limits um 0,5 Mio. Barrel pro Tag zu. Mehr gefördert werden muss deshalb nicht. Die Überproduktion beträgt bereits 2,5 Mio. Barrel pro Tag. Wie das Treffen selbst war auch die vorangegangene Preisreaktion nur Show. Die realen Verhältnisse wurden im Laufe des Tages klargestellt.

Die Anhebung des Förderlimits wird von Guy Caruso, Chef der staatlichen US-Ölstatistiker EIA (Energy Information Administration), als unzureichend bezeichnet. Sie wird dem Verbrauchsstieg nicht gerecht. Nach eigenen Angaben verfügt die OPEC derzeit über zusätzliche Kapazitäten von 1,6 Mio. Barrel pro Tag. Das von der IEA (Internationale Energie Agentur) zuletzt prognostizierte Verbrauchswachstum für 2005 liegt bei 1,8 Mio. Barrel pro Tag. Freie Kapazitäten im besten Sinn des Wortes gibt es nicht. Das ist das Fundament auf dem der langfristige Aufwärtstrend der Preise steht.

Die aktuelle Realität in Zahlen folgte am Nachmittag mit der Veröffentlichung der US-Bestandswerte. Sie ließen die OPEC-Vorstellung schnell vergessen. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) sind sich über die Veränderungen relativ einig.

Rohöl: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,5 Mio. Barrel (API)

Der Rohölvorrat wächst zwar. Aber insgesamt gingen die Bestände um 2,2 bzw. 3,2 Mio. Barrel zurück. Die Importe sanken zur Vorwoche und zum Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist knapp befriedigend.

Die Bestandslage ist undramatisch. Sie ist besser als im letzten und im vorletzten Jahr. Damit gibt sich der Markt aber nicht mehr zufrieden, da ständig höhere Prognosen zum Verbrauch herausgegeben werden und da die Lieferanten am Limit pumpen. Die Bestands- und die Nachfrageentwicklung rechtfertigen, zumindest in der Logik der großen Spekulanten, einen weiteren Preisanstieg. Mittlerweile ist das Rekordhoch vom Herbst 2004 überschritten. Charttechnisch ist das Geschehen gesund bullisch. Die 60$ für das Barrel Texas-Öl sind in Reichweite. Dass sie im Jahresverlauf erreicht werden, ist höchstwahrscheinlich.

Nach wie vor erfahren europäische Verbraucher Linderung durch einen immer schwächeren Dollar. Die jüngsten Zahlen zum US-Außenhandels- und Leistungsbilanzdefizit untermauern den Abwärtstrend.

Hierzulande macht sich eine Vogel-Strauß-Haltung unter den Verbrauchern breit, Kopf in den Sand und auf bessere Zeiten hoffen. Die Realität der weltweiten Versorgungssituation wird ausgeblendet. Es regiert die Hoffnung auf fallende Ölpreise. Dass diese das aktuelle Niveau kurzfristig wieder unterschreiten werden ist so gut wie sicher. Dass dabei ein großer Preisrückgang herauskommen wird, ist eher unwahrscheinlich. Die Versorgungslage bietet dafür keine Grundlage.

Der letzte heftige Preisrückgang fand Ende des Jahres 2004 statt. Deutlicher als damals wird ein zukünftiger Preisrückgang kaum werden. Bevor es soweit sein sollte, werden die Preise vom Aufwärtstrend weiter in die Höhe getrieben. Der hypothetische zukünftige Rückgang hätte seinen Tiefpunkt bestenfalls zwischen dem aktuellen Preis und dem Tief im Dezember. Wirklich lohnenswert ist die Spekulation darauf nicht. Denn ihr steht das Risiko gegenüber, auf Grund eines leeren Tanks zu einem schlechten Zeitpunkt kaufen zu müssen. Dann wir es doppelt teuer, hoher Preis und hohe Frachtkosten für eine Einzelfahrt.

Der Gasölpreis zieht heute Morgen weiter an. Er kostet mittlerweile 505$ pro Tonne. Vor einem Monat lag er noch unter 400$.

Unsere Heizölpreise steigen wieder kräftiger. Sie nehmen Kurs auf alte Höhen vom vergangenen Oktober. Derzeit ist die Wahrscheinlichkeit für fallende Preise gering. Für den Jahresverlauf sieht es nicht besser aus. Man muss davon ausgehen, dass die Preise in einem halben Jahr höher sein werden als heute. Die weltweite Ölversorgung wird sich vermutlich nicht entspannen. Planen Sie lieber rechtzeitig Ihren Heizölkauf, um wenigstens von geringen Logistikkosten zu profitieren. Die gibt es nur, wenn die Lieferung ohne Termindruck erfolgen kann. Eine Einzelfahrt zu Ihrem Tank ist ein besonderer Service und der kostet einen besonderen Preis.

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