Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


100 Dollar sind zuviel

Mit dem Erreichen der 100-Dollar-Marke wird eine neue Kaufwelle einsetzen, die die Preise schnell höher treibt. Das war eine viel zitierte Vermutung vor dem Eintritt der 100 Dollar. Nachdem sie für ein paar wenige Rohölkontrakte gezahlt wurden, wenden sich die Käufer ab. Zu teuer, tönt nun eine Mehrheit. Dabei wurden gestern mit den US-Bestandsdaten Impulse geliefert, die man für einen weiteren Preisanstieg hätte nutzen können. Weltweit gibt es zudem Unruheherde, die sich trefflich als bullische Argumente eignen. Aber es gibt auch nennenswerte bärische Argumente. Und das sind keine Luschen. Der Dollarkurs ging gestern leicht zurück. Ein freundliches Konjunkturdatum verhinderte eine stärkere Bewegung.

100 Dollar für ein Fass Rohöl zu zahlen, ist ein historisches Ereignis. Und genau das war wohl auch das treibende Moment für den Käufer, der am letzten Mittwoch bei 100 Dollar einwilligte. Er kaufte kein Fass, sondern einen Kontrakt, der ihm 1000 Fass zum genannten Preis zusichert. Eine nennenswerte Menge von Kontrakten zu 100 Dollar dürften am Mittwoch nicht gehandelt worden sein. Auf dem Chart, der die Preisbewegung im Minutentakt darstellt, sind keine 100 Dollar verzeichnet. So musste man den Agenturmeldungen glauben, die das Erreichen des magischen Preises verbürgen. Immerhin ist auf dem gestrigen Minutenchart ein kleiner Strich zu erkennen, dessen Spitze bei 100 Dollar liegt. Sie sind also erreicht. Und nun?

Nun wird diskutiert, ob der Preis total überzogen sei. Da ist von Spekulationsaufschlägen zwischen 20 und 30 Dollar die Rede. Man sinniert, ob eine Korrektur einsetze. Die US-Wirtschaft böte schließlich ausreichend Grund dazu. Das Wetter sei auch nicht das, was es im Winter zu sein hat. In der kommenden Woche erwartet man im Nordosten der USA, wo weltweit das meiste Heizöl verfeuert wird, frühlingshafte Temperaturen. In Bosten sollen sie 14 Grad Celsius erreichen.

Angesichts dieser Verwirrtheit ist es gut, die Gedanken mit verlässlichen Zahlen über den tatsächlichen Zustand der Versorgungslage zu unterfüttern. Für die US-Vorräte kommen die Zahlen von den beiden Institutionen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute). DOE ist eine Behörde des Energieministeriums. API ist ein unabhängiges Institut. Gestern lieferten sie ihre aktuellen Erkenntnisse. Danach hat sich binnen einer Woche folgende Änderung in den Lagern eingestellt:

Rohöl: -4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,5 (DOE) bzw. ein Aufbau von 10,3 (API) Mio. Barrel. Wieder stellt sich die Frage, und nun? Derartig unterschiedliche Zahlen können nicht zum Auflösen von Verwirrtheit beitragen. So bleibt Verwirrtheit ein wesentliches Element der Ölpreisbildung. In Kürze werden die Jahrszahlen 2007 für Produktion, Verbrauch, Kapazitäten und Reserven von verschiedenen Gesellschaften geliefert. Diese Zahlen genießen einen größeren Vertrauensgrad. Der soll hier nicht in Zweifel gestellt werden.

Die US-Ölimporte sind höher als in der Vorwoche und fast so hoch wie im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 89 Prozent gestiegen. Das ist schön aber zu wenig, um ein sicher kalkulierbares Maß an Eigenversorgung zu gewährleisten. Die USA werden sich auf lange Sicht am Weltmarkt mit Produkten eindecken müssen. Sie wollen es nicht anders. Schließlich wurde sie letzte Raffinerie in Nordamerika 1984 in Betrieb genommen. Die steht nicht in den USA sondern in Kanada.

Das simple Fazit zur aktuellen Lage lautet: Die Ölversorgung leidet aktuell an keiner Lücke. Langfristig wird sich eine solche Lücke auftun, wenn die Industrienationen keine Maßnahmen dagegen ergreifen. Dieser Sachverhalt wird bei der Preisbildung kaum gewürdigt. Spekulanten konstruieren sich eine eigene Welt. Und diese bestimmt den Preis.

Heute Morgen offenbaren die Preise keine Richtung. Gasöl hält sich auf dem gestern Abend erreichten Niveau. Die Tonne kostet 856,00 $.

Unsere Heizölpreise bewegen sich weiter seitwärts auf sehr hohem Niveau. Nach wie vor sehen wir einem Preisrückgang in den kommenden zwei Monaten verhalten positiv entgegen. Wesentliche Voraussetzung hierfür ist ein mildes Winterwetter. Zur Höhe eines solchen Rückgangs haben wir keine Idee. Damit die Strategie, sich Zeit durch die Bestellung einer Teilmenge zu verschaffen, einen nennenswerten Vorteil einbringt, sollte der Preis mindestens um 12 Cent pro Liter zurückgehen.

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