Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Abwärtstrend geht zu Ende

Die Stimmung an den Ölmärkten ist weiterhin bärisch. Aber die Preise sinken nicht. Erneut haben Rohöle aus der Nordsee und aus Texas die 60-Dollar-Marke überschritten. Nach vielen erfolglosen Anläufen zu tieferen Preisen wird die Wahrscheinlichkeit des Gelingens immer geringer. Der Trend strebt eindeutig einer Seitwärtsbewegung zu. Dafür hat der Dollar seinen seit Mai gültigen Seitwärtstrend nach unten durchbrochen. Die US-Wirtschaft wird nicht mehr als Motor der Weltkonjunktur gesehen. Das setzt die Währung unter Druck.

Die preisdrückenden Umstände haben sich nicht geändert. Der OPEC wird die Durchsetzung des eigenen Kürzungsbeschlusses nicht zugetraut. U.a. werden gestiegene Seeexporte als Bestätigung der Skepsis gesehen. Die US-Konjunktur verliert an Dynamik. Als Folge wird mit nachlassender Nachfrage gerechnet. Die Wetterbedingungen sind günstig für unterdurchschnittlichen Verbrauch.

In den letzten Tagen trieben einige an sich unbedeutende Meldungen die Preise aufwärts. Saudi Arabien will eine Revision der Marktlage nach den Kürzungsbeschlüssen der OPEC. Gegebenenfalls sollen im Dezember weitere Kürzungen folgen. Außerdem verlangt das Kartell von Nicht-OPEC-Ländern eine Unterstützung ihrer Preisstabilisierungsmaßnahmen. Grundsätzlich leidet die OPEC an mangelnder Einigkeit der Mitglieder. In Nigeria, im Sudan und im Irak lähmen Terrorakte die Ölindustrie.

Die guten Wetterbedingungen werden durch eine heraufziehende Kaltfront in den USA durchkreuzt. Die Wetterfühligkeit der Preise zeigt, wie wenig stabil der Abwärtstrend ist. Der abgestürzte Dollar wird ebenfalls als bullischer Impuls gesehen. Er macht Öl außerhalb der USA billiger. Daraus wird eine erhöhte Nachfrage abgeleitet.

Das Jahr nähert sich seinem Ende. Damit wird es Zeit, dass Analysten ihre Prognosen zur Preisentwicklung für 2007 zum Besten geben. Die fällt mehrheitlich bärisch aus. Die Preise sollten weiter nachgeben. Begründet wird das mit einem Fortbestehen des Überangebots. Insbesondere Nicht-OPEC-Länder werden ihre Produktion weiter steigern. Nach Schätzung der IEA (Internationale Energie Agentur) liegt der Zuwachs bei 3,3 Prozent. Die OPEC könnte mehr Öl liefern. Sie muss aber bei einer Nachfragesteigerung von unter 2 Prozent ihre Gegenmaßnahmen durch Produktionsdrosselung verstärken.

Das Pikante an Banken- und Analystenprognosen ist, dass diese meistens nicht eintreten. So wurde im letzten Jahr mehrheitlich bis zum Jahresende 2006 mit deutlich steigenden Preisen gerechnet. Von Preisgefahren für 2007 ist derzeit wenig zu hören. Diese liegen nach wie vor in geringen Raffineriekapazitäten, in unkalkulierbaren Wetterbedingungen und in der Wirtschaftsentwicklung Chinas, Indiens und anderer Boomstaaten. Ein maßgeblicher Grund für die überraschend gute Preisentwicklung in 2006 war das Ausbleiben von Wetterkatastrophen im Golf von Mexiko. Angesichts des Klimawandels ist das Eintreten von zerstörerischen Hurrikanen aber wahrscheinlicher. Und das würde die Preise umgehend empfindlich auftreiben.

Erstaunlicherweise sind nicht nur Boomländer an Nachfragesteigerungen beteiligt. Sogar Deutschland, das bei zunehmender Effizienz weniger Primärenergie verbrauchen sollte, steigerte den Energiebedarf. So wuchs der Heizölbedarf gegenüber 2005 um 6 Prozent und der Erdgasbedarf um 4 Prozent. Ursächlich sind die kalten Monate am Jahresbeginn. Der gesamte Energiebedarf wuchs um 1,5 Prozent.

Der aktuelle Preisauftrieb setzt sich heute Morgen fort. Die Tonne Gasöl kostet 541,75 $. Vor einer Woche lag der Preis bei 527,50 $.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Nicht unerwartet drehen sie nach Erreichen eines neuen Jahrestiefs bei. Die Preisentwicklung der kommenden Wochen sehen wir in etwa auf dem aktuellen Niveau voraus. Nach unserer Einschätzung sind die Marktkräfte relativ ausgeglichen. Die Binnennachfrage ist für die Jahreszeit schwach. Von daher könnte etwas Preisdruck kommen, der aber wenig Effekt zeigen wird. Die Lieferzeiten sind mit wenigen Ausnahmen wieder normal. Wir weisen erneut darauf hin, dass die MwSt.-Erhöhung zum Zeitpunkt der Lieferung und nicht zum Zeitpunkt der Bestellung greift. Daher wird sie bereits im Dezember in die Heizölpreise eingehen. Denn Lieferungen dauern um die Feiertage am Jahresende zwei bis drei Wochen.

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